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MV aktuell Immer mehr Senioren trinken sich in den Rausch
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05:01 08.06.2019
Eine ältere Frau schaut aus dem Fenster eines Hauses. Einsamkeit spielt eine große Rolle bei der Alkoholsucht im Alter. Quelle: dpa
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Rostock

Immer mehr Senioren trinken exzessiv: Die Zahl der 65- bis 84-Jährigen, die wegen eines akuten Rauschs oder psychischer Probleme aufgrund von Alkohol ärztlich behandelt werden mussten, ist von 2007 bis 2017 um zwei Drittel gestiegen. Das ergab eine Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Bundesweit waren demnach zuletzt mehr als 355 500 Menschen dieser Altersgruppe betroffen.

Vermutet wird eine weit höhere Dunkelziffer. „Das Thema ist in Arztpraxen und beim Pflegepersonal oft nicht präsent“, sagt KKH-Sprecher Hannes Dietrich. Häufig sei nur schwierig zu erkennen, ob Auffälligkeiten wie Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit oder undeutliches Sprechen sich auf das Alter beziehen oder auf einen riskanten Konsum von Alkohol und Medikamenten hindeuten. Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge trinken 34 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren regelmäßig zu viel.

Alkohol bleibt Volksdroge Nummer eins

Im vergangenen Jahr suchten 6331 Menschen die Suchtberatungsstellen in MV auf. 485 von ihnen waren zwischen 60 und 64 Jahren alt, 330 mindestens 65 Jahre. „Aufgrund des demografischen Wandels kann man davon ausgehen, dass die Zahl der suchtkranken Senioren in den kommenden Jahren zunehmen wird“, meint Birgit Grämke, stellvertretende Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen in MV. Alkohol sei nach wie vor die Volksdroge Nummer eins.

Test: Sind Sie alkoholabhängig?

Die Ursachen, warum gerade ältere Menschen sich in den Rausch trinken, seien vielfältig: „Wird man älter, bringt das viele Veränderungen mit sich“, erklärt Grämke. Problematisch werde es schon mit Eintritt ins Rentenalter. Plötzlich würden sich die Senioren nicht mehr gebraucht fühlen. „Manche fallen dadurch in ein tiefes Loch.“ Hinzu kämen Faktoren wie die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, Erkrankungen, Altersarmut oder der Wegfall der vertrauten Umgebung.

Die größte Rolle bei der Alkoholsucht im Alter spiele aber Einsamkeit, sagt Michael Köhnke, Chefarzt am Friedrich-Petersen-Rehabilitationszentrum in Rostock. Um den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht zu werden, gibt es für sie in der Fachklinik eine eigene Therapiegruppe. Doch auch die hat ihre Grenzen: „Menschen mit Demenz oder schwerer Pflegebedürftigkeit können wir in diesem Programm nicht behandeln.“ Für diese sei es schwieriger, aber nicht unmöglich, Hilfe zu finden.

Zu wenig Therapieangebote für Ältere

Ausreichend angemessene therapeutische Angebote gibt es nach Beatrix Waehnke, Beraterin in der Sucht- und Drogenberatungsstelle Stralsund der Evangelischen Suchtkrankenhilfe MV, im Land noch nicht. „Altersbedingte Einschränkungen erfordern nicht nur einen zeitlich höheren Beratungsaufwand, ältere Klienten zeigen auch eine geringere Einsicht für ihr Problem.“

Im Vergleich zu Jüngeren reicht bei Senioren deutlich weniger Alkohol aus, um die Gesundheit zu gefährden. „Der Körper im Alter verändert sich, der Stoffwechsel wird langsamer und Leber und Nieren können Alkohol schlechter verarbeiten“, sagt Birgit Grämke. Folgen: Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt schneller nach, Erkrankungen wie Diabetes verschlimmern sich und die Gefahr von Stürzen und Unfällen im betrunkenen Zustand steigt, so KKH.

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