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MV aktuell In MV leben die dicksten Bürger: Mediziner fordern jetzt Kurskorrektur
Nachrichten MV aktuell In MV leben die dicksten Bürger: Mediziner fordern jetzt Kurskorrektur
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13:27 09.03.2019
Sie laufen für sich „fit und gesund“. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Der beginnende Frühling lädt zur Bewegung im Freien geradezu ein. Ob joggen, walken oder Rad fahren – jeder Aktivität zählt! Die OSTSEE-ZEITUNG startet heute ihre 14-tägige Serie „Fit und Gesund“. Im Fokus stehen Tipps für gesunde Ernährung, das Training für Einsteiger, Ursachen für Volkskrankheiten und neue Therapien.

Denn Fettleibigkeit, Diabetes und Herzschwäche bilden ein tödliches Trio: In keinem anderen Bundesland sind so viele Frauen und Männer von diesen schweren Erkrankungen betroffen wie in MV. Die Mediziner schlagen Alarm: „Jeder vierte Erwachsene im Nordosten leidet unter Adipositas. Mehr als 80 000 Bürger bringen gar 120 bis 180 Kilogramm auf die Waage“, sagt Prof. Dr. Hans-Christof Schober, Chefarzt der Inneren Medizin I des Klinikums Südstadt in Rostock. Der Mediziner warnt vor einem Domino-Effekt. Denn die Zahl der Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und chronische Herzerkrankungen wächst dramatisch an.

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So wie sein Rostocker Kollege fordert auch Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg, eine Kurskorrektur in der Gesellschaft. Mit Blick auf eine „Diabetes-Lawine“, die in Deutschland rollt, „braucht es endlich mehr Aufklärung und eine weitsichtige Politik. Wir stehen vor einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Diese reicht von der richtigen Erziehung im Elternhaus bis hin zur Fahrradfreundlichkeit der Region“, so der Klinik-Chef. Allein bei der AOK Nordost werden hierzulande derzeit 46 000 Versicherte in speziellen Behandlungsprogrammen betreut, um die lebensgefährlichen Auswirkungen der Zuckerkrankheit beispielsweise auf das Herz-Kreislauf-System zu minimieren.

„Etwa elf Prozent der Erwachsenen – mehr als 130 000 Bewohner in MV – kämpfen mit den Folgen von Diabetes. Bundesweit geht man von neun bis zehn Prozent aus“, betont Prof. Motz. Die Patienten haben unter anderem ein vierfach höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden als gesunde Menschen. Das Schweriner Gesundheitsministerium setzt auf individuelle Programme, die die Verantwortung des Einzelnen betonen. Sie sollten sich bereits „so früh wie möglich an Kinder und Jugendliche sowie ihre Eltern richten“.

Laut Deutschen Herzbericht weist MV nach Sachsen-Anhalt und Bremen die höchste Sterblichkeit bei Herzkrankheiten auf. Hinsichtlich der Erkrankungshäufigkeit liegt der Nordosten auf einem Spitzenplatz. 2018 mussten sich deshalb allein knapp 4500 Versicherte der IKK Nord einem jeweils rund sieben Tage währenden Krankenhausaufenthalt unterziehen. „Wir bieten unseren Versicherten individuelle Konzepte an, mehr für die eigene Gesundheit zu tun“, erklärt IKK-Nord-Vorstand Ralf Hermes. Sie könnten ab dem 35. Lebensjahr Tests zur Früherkennung von Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen nutzen.

„Ein Problem ist die Zunahme von Patienten, die an einer Herzschwäche leiden“, sagt Prof. Stephan Felix, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B der Unimedizin Greifswald. Neben ungesunder Ernährung wirkten sich die Riskofaktoren Rauchen und Bewegungsarmut verheerend aus.

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Volker Penne

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