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MV aktuell Cowgirl-Romantik: In diesem Dorf reiten Frauen auf Kühen im Galopp
Nachrichten MV aktuell Cowgirl-Romantik: In diesem Dorf reiten Frauen auf Kühen im Galopp
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17:00 06.06.2019
Paulina Zargus, Auszubildende bei der Peeneland Agrar GmbH in Hohendorf, reitet auf Kuh Mambo. Quelle: Tilo Wallrodt
Hohendorf

Mambo No. 5? Vergessen Sie Lou Bega und seinen einstigen Sommerhit! Mambo No.1, diesen Namen sollten Sie sich merken. Wenn Mambo richtig in Fahrt ist, gibt es kein Halten mehr, dann wird aus einem Getänzel ein flotter Galopp. Denn Mambo ist – eine Kuh. Und die 18-jährige Paulina Zargus reitet auf ihr, als sei es das Natürlichste der Welt.

Paulina ist Auszubildende in der Peeneland Agrar GmbH Hohendorf bei Wolgast. Sie lernt Tierwirtin, für sie der schönste Beruf der Welt. Bei der Peeneland Agrar GmbH gibt es Milchkühe. 1000 an der Zahl. Als sie vor einem Jahr ihre Lehre begann, wurde sie von Junior-Chef Philipp Kowolik gefragt, ob sie sich vorstellen könne, eine Kuh zu reiten. „Ich kann auf Pferden reiten, aber eine Kuh? Ich war schon ein bisschen skeptisch“, gesteht sie.

Bildergalerie: Auf einer Kuh im Galopp durchs Dorf

Diese Bilder zeigen, wie Azubi Paulina Zargus in Zarnow bei Wolgast auf Kuh „Mambo“ reitet.

Aber Mambo machte einen ausgesprochen friedlichen Eindruck, denn das Reiten war sie schon gewöhnt. Ein früherer Lehrling des Unternehmens war seinerzeit mit der Idee zu Philipp Kowolik gekommen, weil der Pferdesport ein teures Hobby ist und sich nicht jeder ein Pferd leisten kann. Der Chef hatte nichts dagegen und so wurde Mambo zur Reitkuh. Und nicht nur sie, auch eine zweite Kuh wurde zum Reittier. Ihr Name ist Programm: Die wilde Hilde. „Wenn die Dame nicht will, dann ist nichts zu machen. Sie muss noch ordentlich üben, damit sie alles so hin bekommt wie Mambo“, sagt Paulina.

Die „Wilde Hilde“ macht ab und zu auf stur

Und richtig, als Paulina zusammen mit Annika Binz, die wie sie Tierwirtin lernt und aus der Region stammt, demonstrieren möchte, wie das mit dem Reiten abläuft, macht die „Wilde Hilde“ auf stur und haut ab – quer über die Koppel, auf der sie und Mambo normalerweise grasen. Denn die beiden Tiere gehören nicht zum Milchkuhbestand der Peeneland Agrar GmbH, es sind sogenannte Zwicken, also weibliche unfruchtbare Rinder. Paulina versucht es mit einem Trick: Sie klappert mit dem Eimer, in dem ab und zu Futterpellets sind. Aber es geht den Tieren wie den Menschen, es ist momentan einfach zu warm und die wilde Hilde will ihre Ruhe haben. Zwar trottet sie hinter Mambo her und schaut neugierig, wie sich der Vierbeiner als Foto-Star präsentiert, doch reiten – Fehlanzeige.

Mit Mambo zackig querfeldein

Dafür demonstriert Mambo, was sie schon alles mit Paulina gelernt hat: Stillstehen zum Aufsitzen. Die zierliche junge Frau hat etwas Mühe, auf das 650-Kilo-Rind aufzusitzen, aber Ole Masan, frisch ausgelernter Tierwirt, ist behilflich. Noch ein Stock für einen kleinen Klaps aufs Hinterteil, dann geht’s los. Zuerst Trapp. Schön gemütlich. Plötzlich ruft Paulina „Galopp“. Mambo setzt an und dann geht’s zackig querfeldein. „Es macht riesigen Spaß. Mambo ist drei Jahre alt und hört sehr gut, was ich ihr sage“, berichtet Paulina. Die beiden Rinder geben während des Ausritts keinen Laut, kein einziges Muh von sich. Einzig, wenn besonders leckeres Gras am Wegesrand steht, lassen sich Mambo und Wilde Hilde als Wiederkäuer nicht beirren und machen Fresspause. Paulina wertet das Verhalten der Tiere als Zeichen, dass sie rundum glücklich sind.

Wenn sie im Landwirtschaftsbetrieb in Zarnitz arbeitet, bekommt sie alle zwei Tage Zeit, sich gemeinsam mit Annika um die Reitkühe zu kümmern. Auch Ole hilft, sichert den Weg ab und schließt den Elektrozaun an der Koppel. Sicherheit hat oberste Priorität, die Tiere sollen ja nicht ausbüchsen. Dennoch ist das Reiten vorwiegend Vergnügen. „Zwischen der Reiterei sitzen wir auch mal auf der Wiese, ich kraule sie. Das gefällt beiden“, so die junge Frau.

Mambo liebt Bad in der Peene

Mittlerweile reitet Annika mit Mambo nicht nur auf dem Gelände ihres Ausbildungsbetriebes, sondern auch querfeldein durchs Dorf, über die Straße, dann durch die Wiesen bis zur Peene. „Mambo liebt es, in der Peene zu baden. Also gehe ich mit ihr ins Wasser. Und dann reite ich im Abendrot zurück zur Koppel. Cowgirl-Romantik pur“, schildert Paulina und grinst. Sie findet es lustig, wenn sie durchs Dorf reitet und Leute an der Straße stehen bleiben. „Manche zücken sofort ihr Handy und machen Fotos. Wahrscheinlich kommen wir noch irgendwann groß raus“, meint die 18-Jährige mit einem Augenzwinkern. Philipp Kowolik verweist darauf, dass Kühe übrigens sehr gute Schwimmer sind, wie viele andere Tiere auch. „Jetzt bei der Hitze ein kühles Bad genießt eine Kuh genauso wie ein Mensch“, versichert er.

Der wunderbare Beruf der Tierwirtin

Zum Reiten verwendet Paulina ein Sattelpad. „Es ist kein richtiger Sattel, eigentlich nur ein Schutz, damit ich auf dem glatten Rücken nicht hin und her rutsche. Am Sattel sind an den Seiten Steigbügel, damit ich ordentlich aufsitzen kann. Und von oben die Welt zu genießen, ist herrlich. Da gibt es keinen Unterschied zum Pferd“, erzählt sie. Reiten sei einfach was ganz Tolles – genau wie ihr Beruf als Tierwirtin. „Wir sind beide mit Tieren auf dem Dorf aufgewachsen und wollten nach der Schule immer was mit Tieren machen“, sagt Annika Binz. Sie darf zur Arbeit sogar ihr wenige Wochen altes Hündchen Specki mitbringen. Wenn es ans Ausreiten geht, hat Mambo nichts dagegen, dass der kleine Vierbeiner ebenfalls auf dem Sattel Platz nimmt. „Der Hund hat mehr Angst als die Kuh“, meint Annika und lacht.

Die beiden jungen Frauen verstehen nicht, warum sich viele Schulabgänger nicht für eine Ausbildung in der Landwirtschaft interessieren. „Hart arbeiten muss man überall. Leistung zählt“, sagt Paulina. Aber ihre Aufgaben als Tierwirtin seien vielfältig und sehr interessant ... füttern, pflegen, melken, Kälber versorgen. „Wenn man jeden Tag Umgang mit Kühen hat, bekommt man bald den Charakter jedes Tieres mit. Einzig Angst darf man angesichts der Größe und des Gewichts der Tiere nicht haben. Aber wir packen fest zu, das klappt gut“, sagen Paulina und Annika.

Ließe sich das Kuhreiten auch erweitern und für jedermann anbieten? Das wollen weder Philip Kowolik noch Paulina und Annika. Es ist was Besonderes und soll es auch bleiben. „Wenn jeder auf ner Kuh daherkommt, ist der Reiz doch weg. Und auch wenn man jede Kuh reiten kann – bei Bullen wäre ich da vorsichtiger – bleiben es doch Tiere, für deren Umgang man ein ganz besonderes Gespür entwickeln muss. Wir haben Glück, Paulina und Annika haben dieses Gespür“, sagt der Junior-Chef.

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