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MV aktuell Rostocker Maschinenbau-Ingenieur bringt seine Heimat groß in Mode
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14:54 30.01.2019
Johannes Wahrendorf und sein Sohn Emil zeigen eine Auswahl der White&Sandy-Kollektion. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Wer in die Kreationen von Johannes Wahrendorf (28) schlüpft, trägt nicht nur Stoff, sondern ein Stück Heimat auf der Haut. Der Rostocker bringt mit seinem Label „White&Sandy“ Maritimes groß in Mode. Beruflich konstruiert der Maschinenbauingenieur Teile für Kreuzfahrtschiffe. Privat entwirft er Prints für seine urbane Streetware-Linie, zu der er sich von der Natur inspirieren lässt. Möwen, Wellen und exotische Ostseegäste wie Wale setzt er auf T-Shirts und Kapuzenpullis in Szene. Mittels Siebdruck bannt Wahrendorf Grafiken auf fair gehandelte Textilen und bedient damit den Trend zu nachhaltiger Mode. „Es ist sehr erfüllend, den Leuten etwas geben zu können, das sie woanders so nicht bekommen können.“

„Ich bin da irgendwie so reingerutscht“

Dass die Produkte seiner Kreativität einmal die Garderoben vieler Modeliebhaber bereichern würden, hätte Johannes Wahrendorf vor fünf Jahren nicht träumen lassen. „Ich bin da irgendwie so reingerutscht“, sagt er und lacht.

Eigentlich will er mit selbstbedruckten Shirts nur die Kinder erfreuen, die er im Seglerverein Turbine trainiert. Dann wünscht sich einer seiner Kumpels ein individuelles Kleidungsstück. Immer mehr Freunde finden Gefallen an Wahrendorfs Kreationen. Er druckt die ersten Oberteile in einer Kleinstauflage. Dann will der erste Händler die Unikate ordern. Quasi über Nacht gründet Wahrendorf 2014 sein Modelabel, eröffnet einen Onlineshop und meldet ein Gewerbe an. Den passenden Namen steuert sein damaliger WG-Mitbewohner bei: „White&Sandy“ ist geboren.

Handarbeit, in die er Herzblut steckt

Weiß und sandig – die Worte verraten, wo Johannes Wahrendorf sich inspirieren lässt: am Strand. In seiner Mode verewigt er, was ihm die Ostsee quasi vor die Füße spült. Er fotografiert Möwen und Wellen, nimmt sie als Vorlage für Zeichnungen her und wandelt diese dann am Computer in schnörkellose Prints um. Der passionierte Segler liebt es maritim, sammelt aber auch auf Radtouren Ideen ein. Rehkitz und Fuchs finden sich als Grafiken auf Kleidungsstücken wieder. Manchmal küsst Wahrendorf die Muse auf dem Heimweg nach einer langen Partynacht. Dann skizziert er vorm Schlafengehen noch grob, was ihm durch den Kopf geistert, um am nächsten Morgen daraus ein neues Motiv für seine Linie zu entwickeln. Bis aus einem Gedanken etwas Druckreifes wird, vergehen mitunter Wochen.

Die meisten Prints druckt er in kleiner Auflage von bis zu 100 Stück. Daneben gibt es aber ein paar Klassiker, die, weil sie so beliebt sind, seit Jahren Teil der Kollektion sind. Wahrendorfs Bestseller ist ein T-Shirt, unter dessen Rundhalsausschnitt ein Schwarm Kraniche hinweg flattert. Zum Schnäppchenpreis sind solche Kreationen nicht zu haben. Es sei eben keine Massenware, sondern Handarbeit, in die er viel Herzblut stecke, sagt Wahrendorf. „Ich fasse jedes Teil 20 Mal an, bevor es fertig auf dem Kleiderbügel hängt.“ Seine Klamotten vertreibt er über seinen Onlineshop, über ein paar Rostocker Läden, ein Hostel und seit neustem über einen Shop in Berlin.

„Ich bin weit davon entfernt, Künstler zu sein.“

Trotz wachsender Nachfrage soll sein Label ein Hobby bleiben. Dabei geht Wahrendorf seine Frau zur Hand. Wenn ihr Studium ihr Zeit dafür lässt, näht sie „White&Sandy“-Schilder an Mützen oder Brusttaschen auf Shirts. Dabei mischt Sohn Emil mit. Der Lütte ist fast ein Jahr alt „und im Etikettenverteilen ganz groß“, scherzt Wahrendorf. Damit seine Frau ihr Studium fortsetzen und Wahrendorf selbst berufstätig bleiben kann, teilen sich die Eltern die Kinderbetreuung. Die Hälfte der Woche ist der Ingenieur Vollzeit-Papa. „Die Zeit mit Emil genieße ich sehr.“

Dass er mit Mode Erfolg hat, erklärt sich Wahrendorf mit der Philosophie, die in seinen Stücken steckt: Er lege Wert auf umweltfreundliche Textilen. Als Leinwand für seine Designs verwendet er Bambus-Viskose, Eukalyptusfaser oder zu Geweben recycelte Plastikflaschen. Darauf bildet er das Leben an der Küste ab, ohne den Anziehsachen den Rostock-Stempel aufzudrücken. „Deshalb kommen sie wohl auch in anderen Hafenstädten gut an“, meint Wahrendorf und räumt ein: „Ich bin weit davon entfernt, Künstler zu sein.“ Wo seine Kreativität an handwerkliche Grenzen stößt, springt eine Freundin ein. Gegen ihre Zeichnungen tauscht Wahrendorf dann die damit gedruckten Shirts ein. „Das ist ein Geben und Nehmen.“ Ohnehin sei es nicht sein Ziel, mit „White&Sandy“ den großen Reihbach zu machen. Dass er sich kreativ austoben darf und damit sich und andere erfreut, ist ihm Bereicherung genug.

Antje Bernstein

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