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MV aktuell Ironman auf Rügen abgesagt
Nachrichten MV aktuell Ironman auf Rügen abgesagt
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19:15 28.02.2019
Der Ironman auf Rügen wurde abgesagt. Hier feiert der Sieger des 4. Ironman 70.3 in Binz Patrick Lange. Quelle: Niklas Kunkel
Binz

Der Ironman in Binz – eines der größten sportlichen Höhepunkte im Land – wurde abgesagt. Der Veranstalter und die Gemeinde konnten sich nicht auf eine Fortführung des Extrem-Triathlons einigen. Das teilte „Ironman Germany“ auf Facebook mit. „Trotz aller Bemühungen konnten wir mit dem ausrichtenden Ort hinsichtlich einer Fortführung des Events keine Einigung erzielen“, heißt es dort. Man könne die Enttäuschung bei den Teilnehmern verstehen. Eine Rückkehr der Veranstaltung nach Rügen zu einem späteren Zeitpunkt werde derzeit ausgelotet.

Der Rügener Triathlon zählt zu den attraktivsten bei den Eisenmännern und -frauen – und das gegen eine Konkurrenz wie Hawaii oder Nizza. Welches Schwergewicht dieser sportliche Wettkampf hat, zeigt allein die Teilnehmerzahl aus dem vergangenen Jahr. Beim „5. Strandräuber Ironman 70.3 Rügen“ 2018 hatten sich 1500 Profi- und Freizeitsportler aus 41 Nationen als Einzelstarter oder in der Staffel über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen der Konkurrenz gestellt. Der prominenteste Teilnehmer damals: Patrick Lange. Der zweifache Ironman-Weltmeister und aktueller Sportler des Jahres hatte auch für den Termin im September 2019 zugesagt.

Insgesamt 1000 Sportler sind beim Triathlon-Wettbewerb am 11. September 2016 in Binz an den Start über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und einen Halbmarathon gegangen.

Für den Triathlon-Verband MV ist der Wegfall dieses Ereignisses eine herbe Enttäuschung. „Für uns Sportler ist es ein Schlag ins Gesicht. Ich finde es unverantwortlich, dass die Gemeinde den Ironmen mit ihrem Beschluss ausgehebelt hat. Leute, die dies entschieden haben, können mit Sport nicht viel zu tun haben“, so Frank Heimerdinger, Landestrainer beim Triathlon-Verband. Es gab an jedem dieser Sport-Wochenenden Einschränkungen im Verkehr. „Wenn man aber nicht bereit ist, ein paar Stunden lang die Straßensperrungen in Kauf zu nehmen, ist es echt schade.“ Für Frank Heimerdinger waren diese Wettkämpfe ein gutes Mittel, den Bekanntheitsgrad des Bundeslandes zu erhöhen. Sportler aus aller Welt haben hier teilgenommen, „viele von ihnen wissen seitdem erst, wo Rügen überhaupt liegt“.

Diskutiert wird im Ostseebad schon länger, ob sie den 2014 geschlossenen Vertrag mit dem Veranstalter fortsetzen wollen. Nachdem der Fünfjahresvertrag 2018 ausgelaufen war, gab es Gespräche und Verhandlungen zwischen Gemeinde, Kurverwaltung, Kreis und dem Veranstalter. Vor allem in den Bereichen Kostenübernahme und Streckenführung war man sich nicht einig. In der Sitzung der Gemeindevertreter im Dezember gab es für dieses Event keine Mehrheit. Acht Gemeindevertreter hatten für weitere Vertragsverhandlungen gestimmt, acht Vertreter waren dagegen. Diese Patt-Situation habe man mittlerweile rechtlich prüfen lassen. Die Rechtsaufsichtsbehörde des Kreises hat bereits bestätigt, dass die Abstimmung gleichbedeutend mit einer Ablehnung ist. „Eine so große Veranstaltung muss auch durch eine große Mehrheit getragen werden“, sagte Bürgermeister Karsten Schneider im Dezember. Er befürworte den Triathlon, respektiere aber die demokratische Entscheidung.

„Kosten sollte man nicht allein den Binzern überlassen“

Ronald Rambow, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereines Binz, sieht die Absage der Veranstaltung mit gemischten Gefühlen. „Nachdem der Ironmen 2014 eingeführt wurde, wuchs auch die Begeisterung für diesen Sport. Auch die Organisation lief von Jahr zu Jahr besser“, sagt er. Doch ein Wettkampf in dieser Größenordnung sei mit viel Geld verbunden. Kosten, die man nicht allein den Binzern überlassen sollte. „Ich glaube daran, dass ein Ironmen wieder auf Rügen stattfinden wird. Hier gibt es viele Möglichkeiten, auch was die Streckenführung angeht. Nur dann müssten alle Gemeinden auf der Insel an einen Tisch und darüber entscheiden“, sagt er.

Für Ulf Dormann, Vorsitzender des Betriebsausschusses Kurverwaltung der Gemeindevertretung, war es zwar eine Veranstaltung, die „brutal in den Ort eingreift“, aber dennoch erinnert er sich an die Strahlkraft des Strandräuber Ironman 70.3 Rügen. „Viele Einheimische und Urlauber haben sich auch trotz der Einschnitte wohlgefühlt. Vor allem war es aber große Werbung für Binz. Weit über die Grenzen von Deutschland hinaus wurde vom Ironman berichtet“, sagt er. Trotzdem versteht er die Entscheidung der Politiker im Ort, die gegen diese Veranstaltung gestimmt haben.

OZ