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MV aktuell Japaner shoppen bei Masson-Wawer
Nachrichten MV aktuell Japaner shoppen bei Masson-Wawer
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06:00 29.03.2018
Masson-Deko-Chef Marco Knabe, Daiji Inoue, Assistentin Ilka Pohle-Knabe und Masahiro Sakata (v.l.) fachsimpeln über die Möglichkeiten von Fiberglas.
Masson-Deko-Chef Marco Knabe, Daiji Inoue, Assistentin Ilka Pohle-Knabe und Masahiro Sakata (v.l.) fachsimpeln über die Möglichkeiten von Fiberglas. Quelle: Ines Sommer
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Groß Lüdershagen/Stralsund

Daiji Inoue und Masahiro Sakata strahlen übers ganze Gesicht. Die beiden Japaner halten gerade ihre Bestellung in den Händen: 164 weiße Fiberglas-Teile in verschiedenen Größen haben sie bei Masson-Wawer in Groß Lüdershagen in Auftrag gegeben. Die 1990 gegründete Firma ist weltweit der einzige Hersteller von Fiberglas-Dekoration. Und da ist die Welt auch schon mal in Vorpommern zu Gast. So wie gestern Morgen die beiden Deko-Spezialisten aus dem Kaiserreich, die schon um 9 Uhr mit dem Zug aus Berlin in Stralsund eintrudelten. Übrigens die ersten Kunden aus Asien, die sich in den Groß Lüdershäger Hallen neugierig umschauen – und per Smartphone-Foto alles festhalten. Da können Japaner eben nicht aus ihrer Haut...

Um bei der Firma in Groß Lüdershagen (Vorpommern-Rügen) Fiberglas-Dekoration für einen Freizeitpark-Geburtstag nahe Osaka zu kaufen, kamen Geschäftsleute aus Japan mal fix nach Deutschland geflogen.

Deko für den Freizeitpark

Daiji Inoue erklärt, dass die deutsche Deko für eine „Adventure World“ gedacht ist. Das ist ein Freizeitpark mit viel Show und Freizeitspaß, aber auch mit einem von drei Zoos in Japan, die Pandabären zeigen, berichtet der 41-Jährige. Er ist Chef von „Josho“ aus Osaka, ein Unternehmen, das sich aufs Dekorieren von Einkaufscentern, öffentlichen Gebäuden oder Ausstellungen spezialisiert hat. Sein 38-jähriger Freund Masahiro Sakata, ein Im- und Export-Fachmann, der nicht in Japan, sondern in Oregon lebt, begleitet ihn und schafft als Wahl-Ami auch schon mal ein paar Sprachbarrieren aus dem Weg.

Die Masson-Wawer-Teile, die von den Abmessungen mit maximal 1,60 Meter Höhe gerade noch in den Laderaum eines normalen Flugzeuges passen und so für „nur“ 3000 Euro Transportkosten den Kontinent wechseln, werden später in Japan zusammengebaut und verzieren dann bestimmte Gebäude. Das Tüpfelchen aufs I ist die entsprechende Licht-Illumination. Und die kaufen die beiden Japaner fix noch in Frankreich ein. Gleich nach dem Lüdershagen-Trip geht es nach Frankfurt, weiter per Flug nach Paris. 20 000 Kilometer in drei Tagen. Hut ab!

Vorteile von Fiberglas

Doch warum soll es gerade Dekoration aus Fiberglas sein? „Das Material ist leicht, für außen bestens geeignet, weil es wetterbeständig ist. Und das Material gibt mehr Sicherheit“, übersetzt Marco Knabe die Aufzählung der Gäste und nickt. „Ja, das sind für viele unserer Kunden die schlagkräftigen Kaufargumente“, so der Export-Manager von Masson Decoration, eine der drei Firmen des Masson-Wawer-Unternehmens. Er weiß auch noch ganz genau, wann er die Japaner kennen gelernt hat. „Das war 2015 auf der größten Messe für Weihnachtsdekoration in Frankfurt am Main. Seitdem sind wir ständig in Kontakt. Aber so ist das in unserer Branche: Die Leute sehen unsere Teile, wollen etwas draus machen, doch bis das entsprechende Projekt gereift ist, vergehen manchmal Jahre.“

Proben fürs Handgepäck

Die beiden Japaner haben sich von den Masson-Wawer-Arbeitern erst mal zwei, drei kleinere und mittlere Dekoplatten einpacken lassen, sozusagen zum Vorzeigen in der Heimat. Eckhard Diebowski, Prokurist der Masson-Wawer-Gruppe, misst sicherheitshalber schnell noch mal nach, damit es auf dem Flughafen keiner Ärger gibt. Und Ilka Pohle-Knabe, rechte Hand des Verkaufschefs, bereitet fix die Rechnung vor. Die große Fracht geht dann nächste Woche per Flugzeug auf die Reise. Denn Ende April müssen die Masson-Wawer-Produkte pünktlich zum 40. Geburtstag im Vergnügungspark nahe Osaka hängen.

Aber die nun fertiggestellten Paletten sind nur der Anfang der deutsch-japanischen Geschäftsbeziehung. „Sie haben sich auch in unsere Wellen verliebt und wollen die später bestellen“, grinst Marco Knabe. Zu dem jetzigen Auftragsvolumen von rund 8000 Euro kommt also bald mehr dazu.

Masson-Wawer produziert seit 28 Jahren

Masson-Wawer wurde 1990 in Groß Lüdershagen gegründet. Klein war das Firmengebäude, groß die die Nachbarschaft mit reichlich grüner Wiese. Heute ist es umgekehrt. Ob Herstellung von Wintergärten, Fiberglas-Möbelproduktion oder Dekoration - in drei Geschäftsbereichen ist die Groß Lüdershäger Masson-Wawer GmbH aktiv. Geschäftsführerin aller drei Firmen ist Susanna Masson-Wawer. 65 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Es sind Monteure, Metallbauer, Konstrukteure, Verkäufer, aber auch Maler, Fliesenleger usw. „Unsere Produktion ist so speziell, dass wir die Leute anlernen und ausbilden müssen. Insofern sind alle Ungelernte“, sagt Prokurist Eckhard Diebowski im OZ-Gespräch. 25 der 65 Mitarbeiter sorgen übrigens allein in der Fiberglas-Produktion bei Masson-Wawer sowohl für die Weihnachtsdeko als auch für die Möbel. 2 Azubis machen bei Masson-Wawer ihre Lehre als Verfahrensmechaniker für Kautschuk- und Kunststofftechnologie. 37 Länder werden mit den Produkten aus Groß Lüdershagen beliefert – von Neuseeland bis Finnland, von Südafrika über die USA bis Brasilien und Japan. Natürlich sind auch deutsche Kunden dabei. 2016 gewann die Masson-Wawer Group den Großen Preis des Mittelstandes.

Sommer Ines