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MV aktuell Jeder achte Oberschüler in MV schafft das Abi nicht
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05:00 26.08.2019
Abitur-Prüfung in Grevesmühlen (Symbolfoto): Fast jeder achte Schüler der Oberstufe hat in diesem Jahr MV-weit die Prüfungen nicht gepackt oder ging vorher ab. Quelle: Michael Prochnow
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Rostock

Hiobsbotschaft aus Schulen des Landes: Etwa jeder achte Oberschüler – 11. und 12. Klasse an Gymnasien und Gesamtschulen – hat zum Ende des vergangenen Schuljahres die Schule vorzeitig verlassen oder die Prüfungen vergeigt. Eltern, Lehrergewerkschaft und Linke im Landtag machen dafür Fehler im Bildungssystem verantwortlich.

4978 junge Frauen und Männer hab sich 2019 landesweit den an Abitur-Prüfungen gestellt, davon 4654 bestanden, teilt das Bildungsministerium mit. 324 Schüler schafften dies nicht. Das sind 6,5 Prozent. Darüber hinaus haben aber bereits 354 Schüler ein Jahr zuvor die Schule nach der 11. Klasse verlassen. Möglich ist dies, um die Fachschulreife zu erlangen, während Abiturienten Hochschulreife haben. In einigen Schulen lag die Durchfaller-Quote bei 15 bis 20 Prozent, an einem Pasewalker Gymnasium rauschte gar ein Drittel der Schüler durch die Prüfung (die OZ berichtete).

Gründe: überlastete Lehrer, Stundenausfall, miese Vorbereitung

Entsetzliche Zahlen, findet Simone Oldenburg, Bildungsexpertin der Linken im Landtag. „MV ist das Land der Durchfaller und Abbrecher“, sagt sie. Dies sei „Ausdruck der Sparpolitik der Landesregierung“. Denn in Summe hätten fast 13 Prozent der Schüler die höchste Schulkarriere ohne Abschluss beendet. Es sei ein „Armutszeugnis der Regierung“, tatenlos zuzusehen. Oldenburg: „Anstatt zu handeln, fällt immer mehr Unterricht aus, werden die Klassen größer, fehlen ausgebildete Lehrkräfte.“ Fehlende und überlastete Lehrer sieht auch Maik Walk, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft MV, als Ursachen für die hohe Abitur-Versager-Quote. Eine Studie zeige, dass kaum individuelle Förderung der Schüler erfolgt.

Kay Czerwinski, Chef des Landeselternrates, nennt Stundenausfall und ein kurzes Schuljahr als Ursachen. Ein Problem seien auch umstrittene Mathe-Aufgaben gewesen. Schüler beklagtenschlechte Vorbereitung. MV habe im Vergleich der Bundesländer ein „fachlich hochwertiges Abitur“, so Czerwinski. Oldenburg sieht den Ausweg in der Stärkung der Regionalen Schulen. Aus ihrer Sicht seien viel zu viele Schüler ohne entsprechende Eignung in der gymnasialen Bildung. An Gymnasien müsse mehr Auslese her: etwa durch eine Prüfung nach der 10. Klasse für alle Schüler mit einem Notendurchschnitt schlechter als 3,0.

MV prozentual mit den meisten Abi-Versagern der Bundesländer

Das Bildungsministerium äußert sich nicht zu konkreten Ursachen und Stellenwert des Schwundes beim Abitur. Der Abschluss sei halt schwer, lässt Ministerin Bettina Martin (SPD) mitteilen. Allerdings seien Prüfungsversagen und Abgang nach der 11. Klasse nicht gleichzusetzen. Manche Schüler entschieden sich bewusst zum Fachabitur nach Klasse 11.

Dennoch macht MV in Statistiken zu Abi-Prüfungen keine gute Figur. Im Vergleich aller Bundesländer belegte es laut Kultusministerkonferenz 2017 den letzten Platz. 7,0 Prozent der Schüler patzten. Bei Spitzenreiter Thüringen waren es nur 2,1 Prozent.

Bedenklich seien auch die Durchfaller- und Abbrecherzahlen an Regionalen Schulen, so Oldenburg. Gut 2,5 Prozent der Schüler schafften die Prüfungen 2019 nicht. Hinzu kämen aber noch gut fünf Prozent von Schülern, die überhaupt keinen Abschluss haben.

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