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MV aktuell Jetzt 100 Corona-Infizierte in MV: Das passierte am Mittwoch im Land
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Jetzt 100 Corona-Infizierte in MV: Das passierte am Mittwoch im Land 

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20:41 18.03.2020
An einer Zufahrtsstraße zur Ostseehalbinsel Fischland-Darß-Zingst kontrolliert die Polizei, ob die Fahrzeuge die Berechtigung zum Befahren des Gebiets haben. Alle norddeutschen Küstenländer haben den Tourismus wegen der Ausbreitung des Coronavirus stark eingeschränkt. Quelle: dpa
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Schwerin/Rostock/Ahlbeck

Am Mittwochabend hat das Gesundheitsministerium in Schwerin 31 neue Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Damit gibt es nunmehr landesweit 100 nachgewiesene Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Am Dienstag befanden sich fünf Patienten in stationärer Behandlung.

Die seit Mittwoch gültige Zwangsschließung von Geschäften hat die Innenstädte Mecklenburg-Vorpommerns merklich entvölkert. Alle Läden, die nicht unbedingt für die Versorgung der Bevölkerung notwendig sind, bleiben wegen der Coronavirus-Pandemie bis nach Ostern geschlossen.

Immer aktuell und kostenlos: Das ist die Zahl der Corona-Infizierten in MV

Gesundheitsminister: „Soziale Kontakte einschränken“

Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) appellierte an die Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen. „Die Gesundheit steht im Vordergrund. Wir müssen Infektionsketten unterbrechen und soziale Kontakte einschränken, um andere und uns selbst zu schützen“, betonte Glawe.

Die Abreise der Touristen aus den Urlauberorten lief am Mittwoch weiter. Bis spätestens Donnerstag müssen alle Quartiere geräumt sein, schreibt die von der Landesregierung erlassene zweiseitige Verordnung vor. Darin ist auch verankert, dass Veranstaltungen mit 50 und mehr Teilnehmern verboten sind, Spielplätze nicht mehr betreten werden dürfen und für Trauungen oder Beerdigungen maximal 20 Personen zugelassen sind.

Behindertenwerkstätten schließen

Nach Schulen und Kitas sollen jetzt auch die Behindertenwerkstätten schließen. Der Freitag soll nach Plänen des Sozialministeriums ein Übergangstag werden, ab Montag sollen die Einrichtungen mit zusammen mehr als 8000 Menschen dann ganz zu sein.

Beschlossen werden soll das Vorgehen auf einem Gesundheits- und Pflegegipfel von Landesregierung und Vertretern aus dem Bereich Gesundheit, Soziales und Pflege an diesem Donnerstag, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Das Leben der Betroffenen aus den Behindertenwerkstätten müsse aber strukturiert und betreut weitergehen, forderte der Landesverband der Lebenshilfe.

Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe

Die seit Mittwoch geltenden Verkaufsverbote sorgen nach Einschätzung des Handelsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern für Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe. „Die Ausfälle werden immens sein und gerade auch Kleinstunternehmen in größte Bedrängnis bringen können“, sagte Tino Beig vom Handelsverband Nord. Auch wenn die finanziellen Folgen erheblich seien, würden die drastischen Maßnahmen bei der großen Mehrheit der Händler aber auf Verständnis stoßen.

„Jeder der nachdenkt und die wachsenden Infektionszahlen sieht, kann die Vorgaben der Politik zum Schutz der Bevölkerung nicht ernsthaft in Zweifel ziehen“, sagte Beig. Zugleich machte er deutlich, dass der Handel für die betroffenen Unternehmen Hilfen von Bund und Land erwarte. „Dass es mehr als Kurzarbeitergeld geben soll, wurde ja bereits angekündigt. Nun müssen wir sehen, was konkret kommt“, sagte Beig. Nach seinen Angaben werden im Einzelhandel in MV pro Jahr Umsätze von mehr als acht Milliarden Euro erzielt.

Waren des täglichen Bedarfs weiter erhältlich

Vom Verkaufsverbot ausgenommen sind Supermärkte. Vor allem sie sollen dafür sorgen, dass sich die Menschen weiterhin uneingeschränkt mit Waren des täglichen Bedarfs eindecken können. Auch Wochen- und Getränkemärkte, Lieferdienste, Apotheken und Drogerien, Tankstellen, Banken, Poststellen und Baumärkte dürfen geöffnet bleiben.

Um zu vermeiden, dass sich die vor allem für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gefährliche Lungenkrankheit schnell weiterverbreitet, wurde auch die Reisetätigkeit zwangsweise eingeschränkt. Hotels und Pensionen dürfen für fünf Wochen keine neuen Gäste aufnehmen. Damit fällt das lukrative Ostergeschäft aus. Land und Bund haben Unternehmen, die wegen der Coronakrise in Schieflage geraten, Hilfe zugesichert.

Bewegungsfreiheit der heimischen Bevölkerung nicht eingeschränkt

Das Verbot touristischer Reisen soll nach Angaben des Innenministeriums in Schwerin aber die Bewegungsfreiheit der heimischen Bevölkerung nicht einschränken. „Jeder Bürger mit Hauptwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern darf sich natürlich auch nach wie vor innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern bewegen, also auch die Inseln besuchen“, erklärte Innenstaatssekretär Thomas Lenz nach einer Sitzung des Interministeriellen Führungsstabes. Auch Personen mit Zweitwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern, oder die im Nordosten arbeiten, könnten weiterhin ins Land kommen.

Die Polizei wird die Kontrollen an den Zufahrten von Rügen, Usedom, Poel und zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst am Donnerstag wieder aufheben. Laut Claudia Tupeit, Pressesprecherin der Landespolizei, sei die drastische Maßnahme gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus derzeit nicht mehr notwendig.

Alternativ hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) drastische Maßnahmen an den innerdeutschen Landesgrenzen von MV angekündigt. An wichtige Zufahrtsstraßen des Landes sollen Tafeln darauf hinweisen, dass Gäste aus anderen Regionen nicht willkommen sind. Die Polizei werde die Einhaltung überwachen und stichprobenartig Autos mit auswärtigen Kennzeichen stoppen. „Es macht ja keinen Sinn, die Inseln abzusperren, wenn immer noch jeder zum Beispiel nach Kühlungsborn fahren kann“, so Caffier.

Mehr Coronavirus-Testzentren gefordert

Unterdessen dringen die Landkreise auf mehr Coronavirus-Testzentren samt Personal. Ein Zentrum zusätzlich je Landkreis wäre optimal, sagte der Geschäftsführer des Landkreistags Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Köpp. In vorhandenen Zentren komme es zu Überlastungen und es gebe zum Teil Wartezeiten. Die kommunalen Gesundheitsämter könnten keine zusätzlichen Zentren besetzen, die Mitarbeiter seien bereits am Limit.

Die Stadt Rostock teilte am Abend mit, dass ein zweites Corona-Abstrichzentrum vorbereitet worden sei, um einem eventuell steigenden Bedarf an Tests gerecht werden zu können. Die Einrichtung könne in Absprache mit dem Land schnell aktiviert werden. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales werden in der größten Stadt des Landes täglich bis zu 500 Tests durchgeführt, in den anderen Testzentren etwa 100 bis 200. In jedem Fall müsse dafür aber eine ärztliche Verordnung vorliegen.

Stau an Grenze

Die polnischen Grenzkontrollen wegen der Coronakrise führten im Süden Vorpommerns zu langen Staus auf der A11 Berlin-Stettin (Szczecin). Lastwagen und Autos standen Richtung Polen bei Pomellen (Vorpommern-Greifswald) schon auf 36 Kilometern, wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch sagte. „Das reicht bald bis ans Kreuz Uckermark.“ Am Dienstag waren es noch 11 Kilometer. In Richtung Deutschland gebe es keine Probleme, hieß es von der Bundespolizei.

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Von Frank Pfaff

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