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MV aktuell Jugendliche fordern bei Klima-Streik in MV: Kohlekraftwerk abschalten, Radwege bauen
Nachrichten MV aktuell Jugendliche fordern bei Klima-Streik in MV: Kohlekraftwerk abschalten, Radwege bauen
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19:34 31.05.2019
Alexia Wolf (15), Theresia Crone (16) und Carlotta Petersen (15, v.l.) vor dem Schweriner Landtag. Sie übergaben am Freitag Forderungen für mehr Klimaschutz an die Landesregierung. Quelle: Cornelius Kettler
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Schwerin/Rostock

Geht es nach den Jugendlichen, die seit Monaten in MV die „Fridays for Future“-Streiks organisieren, wird das große Kohlekraftwerk in Rostock spätestens 2025 vom Netz gehen, weil es umweltschädlich sei. Die Bewegung, der nach eigenen Angaben MV-weit rund 1000 Kinder und Jugendliche angehören, hat der Landesregierung einen Katalog mit Forderungen vorgelegt. Klimaschutz müsse künftig Priorität haben – überall in der Gesellschaft.

„Wir werden nicht aufhören, bis die Forderungen umgesetzt sind“

„Wir werden nicht aufhören, bis jede einzelne Forderung umgesetzt ist“, erklärt Alexia Wolf (15) aus Rostock unmissverständlich. Um ihren Hals trägt sie das Friedenssymbol als Anhänger. Mit zwei anderen jungen Frauen, Carlotta Petersen (15) aus Boizenburg und Theresia Crone (16) aus Schwerin, hat sie am Freitag umfassende Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung an die Landesregierung vorgetragen. An einem Ferientag, was Kritiker der globalen Schulstreiks, initiiert von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, festhalten sollten.

MV müsse „Vorreiter im Klimaschutz“ werden, sagt Wolf. Ihre Generation sei besorgt über die Entwicklung auf der Welt. Treibhausgase müssten reduziert, neue Klimaschutz-Ziele formuliert werden, um das Ziel der maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad erreichen zu können. Die jetzige Politik reiche nicht aus, um den Planeten zu retten. Dazu fordern die Jugendlichen ein Mitspracherecht, ein Wahlalter ab 16 bei Landtagswahlen. „Wir als Jüngere wollen mitreden.“

Rostocker Kohle-Kraftwerk soll Speicher für Öko-Strom werden

Sehr konkret sind die Vorstellungen der Bewegung, die in MV Schwerpunkte in Rostock, Schwerin, Wismar, Anklam und Boizenburg habe, zum Thema Kohle-Ausstieg. Spätestens 2025 solle das große Kohlekraftwerk in Rostock abgeschaltet oder umgebaut werden. Energiegewinnung solle hin zu erneuerbaren Ressourcen entwickelt werden. Das Kraftwerk könnte ein Speicher für Öko-Strom werden. Man erwarte mehr Investitionen in die Klimaforschung, den Ausbau eines Radwegenetzes, ein kostenloses Schülerticket für Bus und Bahn, Subventionen für regionale Produkte, nachhaltige Landwirtschaft, besseren Boden- und Gewässerschutz, klimafreundliche Innovationen, Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik-Müll. Zudem solle Klimaschutz umfangreich in das Bildungsangebot des Landes einziehen. „Denn Klimaschutz muss man lernen“, sagt Alexia Wolf. Bereits als Kind in der Schule.

Schwesig hält Hinweise für berechtigt

Die Bewegung „Fridays for Future“ in MV hat klare Forderungen an die Landespolitik übergeben.

Die Landesregierung hat reagiert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Umweltminister Till Backhaus (beide SPD) luden die jungen Klima-Aktivisten vor zwei Wochen in die Staatskanzlei ein. Man habe vereinbart, einen „Rat für Umwelt- und Nachhaltigkeit“ ins Leben zu rufen, über den die Jugendlichen Einfluss auf Politik nehmen sollen. Ob das was bringt? „Wir wollen mitgestalten und Resultate sehen“, sagt Theresia Crone. Der Rat dürfe „keine Alibi-Veranstaltung“ werden. „Ich stehe mit Herrn Backhaus ständig in Kontakt“, sagt Carola Petersen selbstbewusst. Die Forderungen seien berechtigt, so Schwesig. Backhaus erklärt: „Wir müssen besser werden, zum Beispiel bei der Mobilität und bei alternativen Antrieben.“

Den größten Schülerstreik gab es landesweit im März in verschiedenen Städten mit fast 5000 Teilnehmern. Im April mischte sich Schwesig in Schwerin unter demonstrierende Schüler. Kritik gab es im Nachgang, weil der Ministerpräsidentin zwei große Limousinen durch die Innenstadt folgten.

Grüne und Umweltverbände erheben Forderungen seit Jahren

Voller Enthusiasmus gehen die jungen Klima-Schützer in die Diskussion mit der Landesregierung. Unterstützung gebe es vom neu gegründeten Bündnis „Scientists for Future“ im Nordosten. Wissenschaftler helfen dabei, Argumente für Klimaschutz zusammenzutragen. Dabei sind die Forderungen nicht neu: Grüne und Umweltverbände haben jeden einzelnen Punkt wiederholt vorgetragen. Schwesigs SPD hat das Wahlalter ab 16 seit Jahren im politischen Programm. Die Umsetzung scheiterte zuletzt im Landtag an Meinungsverschiedenheiten.

Die Schüler wollen sich nicht mit Versprechen abspeisen lassen, stellt Theresia Crone klar. Die Bewegung „Fridays for Future“ werde weiter bestehen, auch nach den Sommerferien. Für September seien bereits zwei große Streiks geplant.

Frank Pubantz

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