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MV aktuell Junge Bürgermeisterin in Heringsdorf: Es herrschte eine große Unzufriedenheit
Nachrichten MV aktuell Junge Bürgermeisterin in Heringsdorf: Es herrschte eine große Unzufriedenheit
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06:53 18.06.2019
Laura Isabelle Marisken ist die neue Bürgermeisterin in den drei Kaiserbädern auf Usedom. Quelle: privat
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Heringsdorf

Überraschungserfolg auf Usedom: In den Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin hat künftig erstmals überhaupt eine Frau das Sagen. Und nicht nur das: Laura Isabelle Marisken ist erst 31 Jahre alt – damit wohl die jüngste hauptamtliche Bürgermeisterin in MV. Hinzu kommt, dass sie bislang weder in Heringsdorf lebt, noch dort politisch aktiv war, sondern in Greifswald wohnte und dort an der Universität arbeitete.

Geht man nach überregionalen Untersuchungen, ist die Juristin das genaue Gegenteil vom typischen, deutschen Bürgermeister. Denn der ist männlich, verheiratet, hat Kinder und ist deutlich älter als 31. Die Einzelbewerberin hatte am Sonntag in der Stichwahl knapp 470 Stimmen mehr als der Amtsinhaber Lars Petersen (CDU, 54) und löst ihn somit zum 1. August ab.

Einwohner sind frustriert über Entwicklung der Gemeinde

Die parteilose Juristin erklärt sich ihren Wahlerfolg vor allem mit dem Frust der Menschen in den Orten: „Er resultiert meines Erachtens aus einer großen Unzufriedenheit mit den derzeit vorherrschenden politischen Verhältnissen in der Gemeinde. Insbesondere die intransparenten Strukturen und Vergabeentscheidungen sowie die undurchsichtige Personalpolitik haben den Ausschlag gegeben, jemandem Unabhängigen von außen die Chance zu geben, das Amt auszuüben.“

„Unsere Gemeinden darf nicht enden wie Sylt

Hinzu komme die Frustration mit der Entwicklung der Gemeinde, insbesondere die ungelösten Probleme im Bereich der Kurabgabe, des Verkehrs und der medizinischen Versorgung. Auch ihre Aussagen zur touristischen Entwicklung der Bäder dürften ihr Pluspunkte bei vielen Einheimischen gebracht haben: „Der zukünftige Ausbau sollte höchst achtsam erfolgen. Unsere Gemeinde darf nicht wie Sylt enden.“

Auf ihrer offiziellen Facebookseite ist sie vor der Wahl zudem auf humorvolle Art auf Gerüchte über ihre Person eingegangen, stellte dort offensiv ihre „Lieblingsgerüchte der Woche“ vor – und nahm Gegnern möglicherweise so den Wind aus den Segeln.

Das Amt frei und unabhängig ausüben

Sie freue sich riesig über den Wahlsieg und setze auf eine einwohnerorientierte Politik für die Gemeinde, sagte Marisken gestern zur OZ. „Ich gehöre keiner Partei an, aber gehe davon aus, dass alle Amtsinhaber öffentlich gewählter Ämter die Verpflichtung sehen, zuallererst ihr Amt unabhängig und frei auszuüben. Ich werde dies tun“, verspricht sie.

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