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MV aktuell Das soll die Landeshymne für ganz MV sein: Kally Darm gewinnt Wettbewerb
Nachrichten MV aktuell Das soll die Landeshymne für ganz MV sein: Kally Darm gewinnt Wettbewerb
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09:03 11.04.2019
Dr. Cornelia Nenz (l), Vorsitzende des Heimatverbandes gratulierte als Erste – Kally Darm (m) schrieb den Siegertitel im Wettbewerb für die Landeshymne MV Quelle: J. Schultz
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Stralsund

 „Mein Mecklenburg-Vorpommern“ heißt die erste gemeinsame Hymne des Landes MV. So jedenfalls lautet der Wunsch des Heimatverbandes. Komponiert und getextet hat das Lied Kally Darm aus Tessin bei Boizenburg. Mittwochabend sang er - begleitet vom Landespolizeiorchester – das Lied auf der Bühne des Stralsunder Theaters. Es hätte ein historischer Moment sein sollen, immerhin die Uraufführung einer neuen Landeshymne. Doch nur wenige Zuschauer wurden Zeuge dieser Geburtsstunde.

Die Ränge blieben leer. Etwa 100 Menschen waren zur Gala gekommen – darunter die Presse und die Wettbewerbsjury. Gegenüber auf der Bühne das gut besetzte Orchester unter der Leitung von Christoph Koert. Die Profis begleiteten die Lieder der Endauswahl – vier hatte eine Jury vorab ausgewählt.

Die Geschichte des Wettbewerbs

Der Heimatverband des Landes hatte 2017 zur Einsendung von Vorschlägen für eine gemeinsame Landeshymne aufgerufen. Unterstützt wurden sie dabei mit Geld des Landes. So konnten sie dem Sieger auch das stolze Preisgeld in Höhe von 20 000 Euro in Aussicht stellen. Fast 150 Lieder gingen daraufhin ein.

Eine Jury wählte daraus vier Beiträge aus. Diese wurden auf der Internetseite des Verbandes zur Abstimmung gestellt – 2300 Menschen beteiligten sich. Am Mittwochabend floss ihr Votum ein in die abschließende Entscheidung der Jury. Sie bestand aus 26 Vertretern verschiedener Verbände und Musikern.

„Ziel muss sein, dass es offiziell wird.“

Zu ihr gehörte auch Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Er habe einen Favoriten, wolle aber noch nichts verraten, sagte er vorab. Nur so viel: „Eine Hymne muss man mitsingen können, aber sie muss auch ausschließlich instrumental gespielt funktionieren.“ Auf die Frage, ob das auserwählte Lied die offizielle Landeshymne per Landtagsbeschluss werden sollte, zögerte er nicht: „Wenn man diesen Aufwand betreibt, wie hier geschehen, dann muss es schon Ziel sein, dass es offiziell wird.“ Dass kein Kabinettsmitglied aus Schwerin angereist war, ließ ihn vermuten: „Sich mit einem Lied zu identifizieren, ist es bedeutsamer Schritt. Vielleicht schrecken sie davor zurück.“

Ein kurzweiliger Abend

Sie verpassten mithin einen kurzweiligen Abend. Radiomoderatorin Dörthe Graner führte aufmunternd durch das Programm. Das Polizeiorchester spielte durchaus mitreißend einige Potpourris. Bei „Über sieben Brücken“, schien sogar zeitweise die Spielfreude mit ihnen durchzugehen.

Mit Spannung erwartet, schließlich die vier Lieder der Endauswahl: Den Anfang machte ein plattdeutscher Folksong von Gerd Brummund, alias Willy Freibier. Er wurde von Violine, Kontrabass und Akkordeon begleitet und nicht vom Polizeiorchester. Verwunderlich, denn eine Bedingung zur Teilnahme an der Ausschreibung war, dass die Hymne von einem Orchester gespielt werden kann – etwa zum MV-Tag und weiteren offiziellen Anlässen.

Der feierliche Beitrag von Wolfgang Bernstein aus Eisenhüttenstadt wurde fast opernhaft von Sängerin Antje Medwed vorgetragen.

Es folgte Kally Darm. „Mein Mecklenburg-Vorpommern“ schwingt im 3/4-Takt – lädt also zu einem Walzer ein. Den Refrain hat er in hoch- und plattdeutsch geschrieben. Insgesamt habe er das Lied in etwa 2 Stunden komponiert, sagte er später. Seine Aufregung hörte man der zitternden Stimme an.

Zum Abschluss Ditte Clemens und Gerald Uhlendorffs Komposition. Wahrlich hymnisch erhob der vortragende Chor seine, manchmal etwas schiefen, Stimmen.

Noch kein Fahrplan für die Hymne

Am Ende war es der bescheiden auftretende Kally Darm, der die Herzen der Jury eroberte. Überwältigt von der Ehre, schenkte er die Nutzungsrechte an seinem Lied in einer kleinen Dankesrede dem Heimatverband. Fortan werde er keinen Cent mehr an seiner Hymne verdienen. „Noch sei es nur ein unbekanntes Lied. Erst wenn es in Kindergärten und bei Feuerwehrfesten gesungen wird, ist es eine echte Hymne.“

Wie es nach Bekanntgabe der Juryentscheidung weitergeht, ist noch unklar. Dr. Cornelia Nenz, Vorsitzende des Heimatverbandes gibt zu: „Wir haben noch keinen Fahrplan, über diesen Abend hinaus. Wir haben so viel ehrenamtliche Arbeit für den heutigen Tag geleistet und sind erst mal froh, dass es vorbei ist. Bei unserem Chortreffen des Verbandes werden wir das Lied gewiss singen.“

Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte: „So ein Lied muss von der Mehrheit getragen werden. Wichtiger ob es offiziell vom Landtag per Beschluss bestätigt wird, ist die Frage, ob die Menschen es singen. Das wäre ein Beleg dafür, dass es angenommen wird.“

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