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MV aktuell Zu wenig Justiz-Beamte: Sind Gefängnisse in MV noch sicher?
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07:15 01.10.2019
Die Justizvollzugsanstalt Stralsund. Mitarbeiter sorgen sich auch in anderen Gefängnissen um Qualität der Arbeit und Sicherheit. Grund: zu wenig Personal. Quelle: Christian Rödel
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Bützow/Schwerin

Hoher Krankenstand, Unterbesetzung, schlechte Bezahlung: Mitarbeiter sind in Sorge um die Sicherheit in Haftanstalten in MV. Die Personaldecke sei so dünn, dass Gefängnisse, in denen Verbrecher resozialisiert werden sollen, nur noch als „Verwahranstalten“ geführt werden könnten.

Laut Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD) sind in MV etwa zehn Prozent der Stellen im allgemeinen Vollzugsdienst unbesetzt. Zusätzlich liege der Krankenstand „bei etwa 25 Prozent“, so BSBD-Landesvorsitzender Hans-Jürgen-Papenfuß.

Unzufriedene Gefangene – die Angst vor einer Revolte geht um

JVA-Mitarbeiter schildern „prekäre Verhältnisse“: Henning Petri, Heike Roß (beide JVA Waldeck), Matthias Nicolai, Matthias Kleemann (beide Neustrelitz), Denise Berndt (Stralsund, v.l.). Quelle: Frank Pubantz

Sind die Gefängnisse noch sicher? Papenfuß formuliert es so: „Wir haben Glück, dass wir in Mecklenburg sind und nicht im Westen. Dann hätten wir ein Problem.“ Denn auch Häftlinge wüssten genau um die Unterbesetzung beim Personal.

Mitarbeiter verschiedener Haftanstalten schildern katastrophale Zustände. Überall fehlten Leute. Folge: Therapien, Freizeitangebote oder Risiko-Bewertungen von Gefangenen entfielen. „Die Lage ist prekär“, sagt Denise Berndt, die in Stralsund arbeitet. Vier Beamte auf 180 Gefangene seien Realität. „Wir können den Laden ja nicht dicht machen.“

Auch in Neustrelitz würden permanent „Löcher gestopft, indem woanders welche gerissen werden“, sagt Matthias Nicolai. Viele Kollegen seien ausgebrannt. Henning Petri, JVA Waldeck, berichtet: Kollegen wüssten sich in ihrer Not nur zu helfen, indem sie sich krank meldeten.

Am schlimmsten sei es in Bützow, die größte JVA des Landes sorgte zuletzt mit Drogenkonsum von Häftlingen für Schlagzeilen. Ein Beamter sagt: Die Frage der Sicherheit müsse gestellt werden. Die Angst vor einer Revolte geht um. Birgit Czarschka vom Anstaltsbeirat erklärt: „Die Gefangenen werden aggressiver. Sie sind unzufrieden mit dem Personalmangel.“ Matthias Nicolai, Neustrelitz, hofft, „dass nichts passiert“.

Gewerkschaft fordert 70 zusätzliche Mitarbeiter in den JVA

Die Personalnot in Gefängnissen ist seit Jahren Thema. Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) versprach Besserung. Doch es sei weiter abwärts gegangen, berichten Mitarbeiter. Mit der Neubewertung von Dienstposten klebten die Beamten in den Besoldungsstufen A7 und A8 fest. Heißt: 2300 bis 3000 Euro brutto monatlich. Zu wenig für Verantwortung und psychische Belastung durch die Arbeit mit Straftätern rund um die Uhr. Weiteres Problem sei fehlende Planbarkeit. Heute hier, morgen da - so würden Dienste geschoben. „Wir brauchen 70 Leute mehr“, sagt Papenfuß. Die Zeit dränge. Mehrere Mitarbeiter hätten bereits gekündigt, um zum Zoll zu gehen.

Die Abwerbungen bringen Ministerin Hoffmeister (CDU) auf die Palme. Damit habe der Bund „eine rote Linie überschritten“. Derzeit betreuten MV-weit 553 Beamte 1082 Gefangene – auf dem Papier. Laut Ministerium waren am Montag 16,5 Prozent krank. Hoffmeister verweist auf 31 Berufsanfänger, die sie eingestellt habe. Auf andere Vorwürfe reagiert sie nicht.

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Von Frank Pubantz

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