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MV aktuell „Karls“ und „Glantz“: Zwei Erdbeergiganten aus MV im Vergleich
Nachrichten MV aktuell „Karls“ und „Glantz“: Zwei Erdbeergiganten aus MV im Vergleich
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07:09 10.05.2019
„Karls Erlebnisdorf“ hat die Erdbeersaison in MV eröffnet. Joanna Frydryon (27) aus Polen ist dort Erntehelferin. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rövershagen/Hohen Wieschendorf

 Enteignet, aus der mecklenburgischen Heimat vertrieben, in Schleswig-Holstein eine neue gefunden und dann zu den Wurzeln zurückgekehrt. Dieses Schicksal teilen die Familien Dahl und Glantz. Doch sie haben noch mehr gemeinsam: Die Leidenschaft für Erdbeeren.

Seit Jahrzehnten sind die beiden Familien im Erdbeeranbau tätig. Robert Dahl (48) führt bereits in der dritten Generation das Erdbeerimperium „Karls“ mit Sitz in Rövershagen, Enno Glantz (74) gehören die ErdbeerhöfeGlantz“ in Hohen Wieschendorf (Nordwestmecklenburg) und Delingsdorf (Schleswig-Holstein).

Aufbau der „Glantz“-Höfe

Bereits 1961 machte sich Familie Glantz in Delingsdorf erneut im Ackerbau selbstständig. „Als ich das Unternehmen 1972 übernommen habe, habe ich auf Erdbeeren gesetzt und deren Anbau weiter spezialisiert“, erzählt Enno Glantz.

Rezeptideen: Bowle, Schnitten und Nachspeisen aus Erdbeeren

Nach der Wende, 1991, gelang es ihm dann schließlich, die Alteigentümer in Hohen Wieschendorf zurückzuerlangen und auch an diesem Standort einen Erdbeerhof aufzubauen. Der Schwerpunkt liegt heute dort auf dem Anbau, der Standort Delingsdorf ist dagegen auf den Vertrieb spezialisiert.

Erdbeeren als Kerngeschäft

Rund 620 Hektar werden insgesamt bewirtschaftet, wobei nicht nur Erdbeeren sowie Himbeeren angebaut werden, sondern auch normaler Ackerbau betrieben wird. Zudem gibt es Blumenwiesen zum Selbstpflücken und Weihnachtsbaumkulturen. „Das Kerngeschäft ist und bleibt aber der Erdbeeranbau“, betont Glantz. Immerhin mache dieser rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Sowohl bei Karls als auch bei Glantz steht die Erdbeere im Mittelpunkt. Doch die beiden Höfe unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht.

Startschuss des Erdbeerhofs „Karls“

Die Geschichte von „Karls“ mutet ähnlich an. Die Familie Dahl kehrte ebenfalls Anfang der 90er nach landwirtschaftlicher Tätigkeit in Schleswig-Holstein nach Mecklenburg zurück. „Mein Vater meinte damals, ich solle mich doch dort selbstständig machen, wo wir ursprünglich hergekommen sind“, erzählt Robert Dahl. 1993 wurden auf den ersten zehn Hektar Land wieder Erdbeeren in Mecklenburg von Familie Dahl geerntet. Namensgeber für das Unternehmen war Großvater Karl Dahl.

Die Erdbeere bleibt im Mittelpunkt

Daraus ist mittlerweile ein regelrechtes Imperium geworden: Sieben Standorte in drei Bundesländern. Begonnen hat alles mit einem kleinen Hofladen. „Die Idee von Karls Erlebnisdorf gab es damals nicht. Irgendwann hat es sich automatisiert“, meint Dahl. Heute sind daraus kleine Freizeitparks mit vielen Extras geworden.

Dennoch steht die Erdbeere weiterhin im Mittelpunkt. „Diese süße Frucht stiftet unsere Identität. Und letztendlich macht das Erdbeergeschäft auch noch 30 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus“, berichtet der gebürtige Lübecker. Auf rund 400 Hektar rund um Rövershagen werden jedes Jahr Erdbeeren angebaut. Die Ernte geht nicht nur in den Direktverkauf, sondern wird auch weiterverarbeitet. „In rund 70 unserer verkauften Produkte befinden sich unsere eigenen Erdbeeren“, sagt Dahl.

Enge Freundschaft beider Familien

„Wir decken mit unseren Verkaufsständen den Großraum Hamburg, Nordwestmecklenburg und einen Teil Brandenburgs sowie Sachen-Anhalts ab“, berichtet Glantz. Das Verbreitungsgebiet von „Karls“ reiche von der dänischen bis zu polnischen Grenze.

Dennoch sind die beiden Unternehmen keine Konkurrenten – im Gegenteil: Die Familien Glantz und Dahl verbindet eine enge Freundschaft. „Mein Vater und Enno kannten sich bereits aus Schleswig-Holstein und auch ich pflege eine väterliche Freundschaft zu ihm“, erzählt Dahl. Daher finde auch fachlich ein enger Austausch statt. Sowohl Glantz als auch Dahl setzen auf fast dieselben Erdbeersorten.

Die Erdbeerhöfe „Karls“ und „Glantz“ setzen auf ganz bestimmte Erdbeersorten. Hier kann man eine Auswahl der beliebtesten Erdbeerpflanzen sehen, die einen durch die Saison begleiten.

Beste Qualität als Priorität

Sechs verschiedene Gewächse dominieren auf beiden Höfen nacheinander die Erdbeersaison, die im Mai beginnt und bei „Karls“ bis Oktober andauert. Glantz ernte meist Mitte September das letzte Mal.

Jede Sorte hat eine Erntezeit von circa vier Wochen. „Wir sind ständig dabei, viele weitere Sorten nebenbei anzubauen, zu beobachten und zu verkosten. Unser Ziel ist es, die geschmacklich besten Erdbeeren in unserem Sortiment zu haben“, berichten beide Landwirte. Dahl habe außerdem den Anspruch, dass keine Erdbeere, die an den Kunden geht, älter als 24 Stunden ist.

Umweltschutz spielt große Rolle

Auch ökologisch sind die Erdbeerhöfe „Karls“ und „Glantz“ auf einer Wellenlänge. „Wir haben erkannt, dass es wichtig ist, etwas für unsere Insekten, vor allem die Bienen, zu tun und versuchen unseren Anbau so naturnah wie möglich zu gestalten“, erklärt Glantz. Aus diesem Grund werden an den Rändern der Felder sogenannte Blühstreifen angepflanzt. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel gehe es leider nicht, wie der 74-jährige Landwirt sagt.

Dahl verzichte mittlerweile auf Herbizide gegen Unkraut, verwende dafür aber Mulchfolie. „Es ist ein Für und Wider. Wir können chemische Stoffe vermeiden, haben nun aber das Problem, dass wir Folie verwenden“, bedauert der „Karls“-Chef. Denn auch die Vermeidung von Verpackungsmaterial, insbesondere Plastik, stehe auf der To-do-Liste. „Bis 2021 – dem 100-jährigen Jubiläum von Karls – möchten wir keine Umweltbelastung mehr darstellen“, kündigt Dahl an.

Gute Prognosen für 2019

Beide Erdbeerbauern blicken diesem Jahr optimistisch entgegen. „Nach dem Jahr 2017 mit zu viel Regen und dem vergangenen Jahr mit großer Hitze, in denen wir Verluste machten, sieht dieses Jahr alles optimal aus“, freut sich Glantz. Dahl habe 2018 dank riesiger Auffangbehälter für Regenwasser, die im Winter befüllt werden, kein Problem mit der Bewässerung gehabt, dennoch sähe die aktuelle Wetterlage für eine gute Ernte diesmal vielversprechender aus: „Wir erwarten bis zu 8000 Tonnen Ertrag.“

5 Expertentipps zum Erdbeeranbau

1. Tiefes Einpflanzen der Erdbeergewächse. Zu hohes Einpflanzen birgt die Gefahr des Vertrocknens.

2. Austausch der Pflanzen im Zweijahrestakt. Die Früchte werden von Jahr zu Jahr kleiner.

3. Unterlegen von Stroh im Frühjahr. Die Erdbeeren sind so vor Unkraut geschützt und liegen schmutzfrei.

4. Anpflanzen dreier Sorten – früh-, mittel- und spätreifende Gewächse. So hat man den ganzen Sommer über frische Erdbeeren.

5. Pflücken und nicht reißen, legen und nicht schmeißen. Erdbeeren müssen bei der Ernte sorgsam behandelt werden, um länger zu halten.

Maria Baumgärtel