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MV aktuell Blankes Entsetzen: Kaufhof-Mitarbeitern droht massiver Stellenabbau
Nachrichten MV aktuell Blankes Entsetzen: Kaufhof-Mitarbeitern droht massiver Stellenabbau
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06:52 29.01.2019
Galeria Kaufhof betreibt in Mecklenburg-Vorpommern zwei Standorte: eine Filiale in Rostock (Foto) und eine in Neubrandenburg. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock/Essen

Harte Einschnitte bei Kaufhof: Nach der Fusion mit Karstadt sollen bei Galeria Kaufhof rund 2600 Stellen abgebaut werden. Diese Ankündigung sorgt bei den Mitarbeitern im Norden für „blankes Entsetzen“, sagt der Sprecher der Gewerkschaft Verdi Nord, Frank Schischefsky, am Montag gegenüber der OZ. „Die Mitarbeiter sollen jetzt die Zeche zahlen“, kritisiert Schischefsky. Die Pläne des Konzerns seien „untragbar“. In Mecklenburg-Vorpommern betreibt das neue Gemeinschaftsunternehmen zwei Kaufhof-Standorte in Rostock und Neubrandenburg, sowie in Wismar das Stammhaus von Karstadt.

Konzern muss Kosten senken

„In seinem derzeitigen Zustand ist Galerie Kaufhof langfristig nicht überlebensfähig“, sagt Konzernchef Stephan Fanderl. Die Kosten bei Kaufhof müssten „nachhaltig auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden“. So sollen die wichtigsten Führungs- und Verwaltungsstrukturen beider Warenhäuser künftig in Essen gebündelt werden und dadurch rund 1000 Vollzeitstellen wegfallen. Weitere 1600 Vollzeitstellen sollen in den Filialen gestrichen werden.

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Verluste im Weihnachtsgeschäft

Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter dürfte jedoch wesentlich höher liegen, da im Handel viele Mitarbeiter nur in Teilzeit arbeiten. Medienberichten zufolge sind die Jobs von bis zu 5000 Mitarbeitern bedroht. Entsprechende Befürchtungen gab es schon länger. Dem Konzern zufolge habe man Kaufhof bereits durch eine Finanzspritze „in signifikanter Millionenhöhe“ stabilisieren müssen; auch das Weihnachtsgeschäft 2018 habe in den Filialen mit „einem Minus von fast vier Prozent“ im Vergleich zum Vorjahr „deutlich unter den Erwartungen“ gelegen. Um Kaufhof zu retten seien „weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe im Frühjahr notwendig“.

Derart tiefe Einschnitte bei den Beschäftigten seien nicht hinnehmbar, kritisiert Verdi-Sprecher Schischefsky. Früheren Angaben zufolge arbeiten in den drei Standorten von MV insgesamt rund 200 Beschäftigte. „Wir lassen keine Sanierung zu, die ein Gesundstoßen des Konzerns allein auf dem Rücken der Beschäftigten vorsieht“, sagt Frank Schischefsky und kündigt an: „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“

240 Filialen und 32 000 Mitarbeiter

Seit dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof Ende November vergangenen Jahres hält der bisherige Karstadt-Eigentümer René Benko die Mehrheit am neuen Gemeinschaftsunternehmen, das in rund 240 Filialen etwa 32 000 Mitarbeiter beschäftigt. Karstadt hat auch die operative Führung übernommen. Der Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company blieb aber als Minderheitseigentümer an Bord.

Die Fusion ist aus der Not geboren. Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition.

Welche Auswirkungen der Stellenabbau für die Kaufhof-Filialen in Rostock und Neubrandenburg hat, ist ungewiss. „Wir wissen noch nichts Konkretes“, erklärt der Verdi-Sprecher. Im Gegensatz zu einigen Großstädten, wo Karstadt und Kaufhof in Nachbarschaft um Kundschaft konkurrieren, gebe es in MV „zum Glück keine Doppelstandorte“. Auf Schließungen von Kaufhof-Filialen (bundesweit: 96 Standorte) will der Konzern eigenen Angaben zufolge aber „zunächst“ verzichten.

Einschnitte bei den Gehältern

Die Mitarbeiter müssen sich auch auf Einschnitte bei ihren Gehältern einstellen. Um Kosten zu sparen, werde der Kaufhof umgehend aus der Tarifbindung aussteigen, teilte das Unternehmen mit. Man strebe eine individuelle Tariflösung an, die der wirtschaftlichen Notsituation von Kaufhof Rechnung trage. „Dem wird die Arbeitnehmerseite nicht zustimmen“, betont Verdi-Sprecher Schischefsky.

Axel Meyer