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MV aktuell Nach 50 Jahren – kehrt der Blauflossen-Thunfisch in die Ostsee zurück?
Nachrichten MV aktuell Nach 50 Jahren – kehrt der Blauflossen-Thunfisch in die Ostsee zurück?
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06:00 29.04.2019
Überfischt: Der Blauflossen-Thunfisch ist ein weltweit begehrter Speisefisch. Quelle: GREENPEACE
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Rostock

Der Blauflossenthun kehrt in die Nordsee zurück – und kommt vielleicht sogar in die Ostsee. Im Skagerrak wurden unlängst 18 dieser weltweit begehrten Speisefische – auch Roter Thun genannt – gefangen, mit Satellitensendern markiert und wieder ausgesetzt. Der Naturschutzorganisation WWF zufolge waren die von Sportfischern geangelten Tiere zwischen 130 und 300 Kilogramm schwer. Dänische Medien berichteten zudem von weiteren rund 80 Thunfischen, die im vergangenen Herbst gefangen und markiert worden seien.

WWF: Ein großartiger Erfolg

Die sensationellen Fänge waren das Ergebnis eines Forschungsprojekts, das der WWF sowie Universitäten in Dänemark und Schweden vor gut eineinhalb Jahren aufgelegt hatten. „Das Comeback des Blauflossenthuns ist ein großartiger Erfolg“, teilt der WWF mit. Der Thun sei einer „der wirtschaftlich wertvollsten Fische der Welt, dessen Bestand jahrzehntelang überfischt und illegal geplündert wurde“.

Und dabei kam der Rote Thun einst hier so häufig vor, dass im Jahr 1929 in Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, sogar eine Thunfischfabrik eröffnet wurde, sagt WWF-Fischereiwissenschaftler Philipp Kanstinger. Er verweist auf einen Bericht, demzufolge Sportfischer damals sogar aus Großbritannien angereist kamen, um den Fischen im Skagerrak und Kattegat nachzustellen.

Dänischer Rekord-Thun wog 372 Kilogramm

So wird in einem Kopenhagener Museum das Skelett eines um 1880 in der dänischen Ostsee gefangenen Blauflossen-Thunfischs ausgestellt. Teilweise seien Exemplare von mehr als 300 Kilogramm gefangen worden. Der Rekord-Thun soll 372 Kilogramm auf die Waage gebracht haben.

Auch bis in deutsche Gewässer drangen die Fische einst vor: Im Jahr 1962 wurde beispielsweise in der Hohwachter Bucht bei Kiel ein prächtiges Exemplar aus dem Wasser gezogen. Der Schädel des vier Meter langen Thuns kann heute im Zoologischen Museum Kiel bestaunt werden.

Population nimmt wieder zu

Dass die Tiere in den 1960er Jahren aus dänischen und schwedischen Gewässern verschwanden, führen Wissenschaftler laut WWF vor allem auf eine „zu starke Befischung von Thunfischen und ihrer Beute sowie veränderte Lebensbedingungen im Meer zurück“. Warum die Fische jetzt zurückkehren, sei noch unklar. Experten nehmen an, dass entsprechende Schutzmaßnahmen geholfen haben.

„In der Nordsee, dem Skagerrak und dem Kattegat gibt es mittlerweile wieder einige Blauflossen-Thunfische“, sagt auch der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann. Der Grund dafür sei eher nicht der Klimawandel, sondern wohl die Zunahme der Population dieser Fischart im Ostatlantik und Mittelmeer. Allerdings seien die Thun-Vorkommen im Bereich zwischen Dänemark und Schweden „noch weit davon entfernt, dass sie kommerziell befischt werden könnten“.

Irrgäste könnten in die Ostsee schwimmen

Doch genau damit liebäugeln dänische Behörden offenbar schon. Laut Medienberichten habe das dänische Fischereiministerium bereits in Brüssel wegen eventueller Fangquoten für den Blauflossenthun angefragt. Es würden sich neue und spannende Möglichkeiten für die Fischerei abzeichnen, hieß es. Bis zu 14 000 Euro bringe ein solcher Fisch auf dem internationalen Markt. Auch Angeltouren könnten angeboten werden.

Ein Thunfisch für 2,7 Millionen Euro

Der Blauflossen-Thunfisch – auch Roter Thun genannt – kann bis zu 4,50 Meter lang und 650 Kilogramm schwer werden. 85 Prozent des im Mittelmeer gefangenen Thunfisches wird nach Japan exportiert und dort häufig zu Sushi verarbeitet.

Anfang 2019 wurde in Japan ein Blauflossen-Thunfisch zu einem Rekordpreis verkauft. Für das 278 Kilogramm schwere Tier zahlte eine Restaurantkette umgerechnet 2,7 Millionen Euro. Einige Jahre zuvor hatte der Besitzer der Kette einen Thun für 1,3 Millionen ersteigert. Grund für die hohen Preise ist allerdings weniger die Qualität, sondern vielmehr eine Werbe-Aktion zum Auftakt des neuen Geschäftsjahres.

Mit der Zunahme der Bestände im Skagerrak und Kattegat wächst auch die Möglichkeit, dass der Thunfisch seinen Weg in die Ostsee und somit vielleicht bis in die Gewässer Mecklenburg-Vorpommerns findet – allerdings nur als Irrgast. „Eigentlich gehört er nicht hierher“, erklärt Zimmermann. Für die sehr schnellen Schwimmer, die viel Platz brauchen, sei die westliche Ostsee zu eng.

Laichgebiete im Mittelmeer und im Golf von Mexiko

Auch WWF-Fischereiwissenschaftler Kanstinger betont, dass die Fische nur als Einwanderer in die Ostsee kommen würden. „In der Ostsee könnten sich die Fische wegen des geringen Salzgehalts nicht reproduzieren“, so der Experte. Die Laichgebiete des Blauflossenthuns liegen im Mittelmeer und im Golf von Mexiko.

Auch wenn sich keiner dieser Fische seit Jahrzehnten in der Ostsee hat blicken lassen, ging doch im Jahr 2014 ein kleiner Verwandter einem Fischer bei Kiel ins Netz. Im Rostocker Thünen-Institut wurde der etwa 40 Zentimeter lange Fisch damals als ein sogenannter Unechter Bonito aus der Familie der Makrelen und Thunfische identifiziert, der normalerweise in den Tropen oder Subtropen beheimatet ist.

Axel Meyer

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