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MV aktuell 90-Millionen-Hotelprojekt an der Müritz droht das Aus
Nachrichten MV aktuell 90-Millionen-Hotelprojekt an der Müritz droht das Aus
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05:00 15.01.2019
So sehen die Pläne für das Mega-Projekt „Aqua Regia Park“ aus. Nun droht das Scheitern. Quelle: FOTO: RP Entwicklungsgesellschaft mbH
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Waren

Dem derzeit größten Tourismus-Projekt an der Mecklenburgischen Seenplatte, dem 90 Millionen Euro teuren „Aqua Regia Park“ in Waren/Müritz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), droht nach jahrelanger Planung nun das Aus. Wie Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Stadtpräsident Rene Drühl (CDU) beim Neujahrsempfang am Samstag erklärten, soll an diesem Mittwoch entschieden werden, ob das seit 2015 bestehende Vorkaufsrecht für die Grundstücke ein letztes Mal verlängert wird. Basis für die Entscheidung der Stadtvertreter wäre ein nachprüfbares Finanzierungsmodell. Dies hatte Investor Gregor Schmidt von der RP Entwicklungsgesellschaft mbH (Radolfzell, Baden-Württemberg) schon mehrfach angekündigt, aber bisher nicht vorgelegt, wie es auf dem Neujahrsempfang hieß. Am 31. Dezember wäre die Frist dafür eigentlich abgelaufen, die Stadtvertreter hatten sie aber auf einer Sondersitzung noch einmal verlängert.

Kern des „Aqua Regia Parks“ soll ein 35 Meter hoher Tauchturm sein – der laut Investor größte in Deutschland – umgeben von einem sternförmigen 140-Zimmer-Luxushotel. Die Stadt hofft, nach dem Abriss des Müritz-Hotels mit Schwimmhalle in Klink, außerdem seit Jahren auf ein Schwimmbad mit 25-Meter-Schwimmbahnen, dessen Bau der Investor ebenfalls angekündigt hat. Eines aus städtischen Mitteln zu bauen und zu betreiben, wäre laut Stadtpräsident nicht möglich: „Der Betrieb würde rund 800 000 Euro im Jahr kosten, das würde die Stadt selbst nicht schaffen.“ Zum Plan gehören zudem ein Veranstaltungszentrum sowie Gebäude mit Therapie- und Wellnessangeboten, darunter auch Kurse mit Pferden.

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Die größten Tauchtürme

20 Meterhoch beziehungsweise tief ist der bislang größte kommerzielle Tauchturm in Deutschland: Das Becken im dive4life Tauchcenter Siegburg (Nordrhein-Westfalen) hat 18 Meter Durchmesser und fasst drei Millionen Liter Wasser. Der Tauchturm der Bundeswehr in Neustadt (Schleswig-Holstein) ist sogar 33,5 Meter tief. Dort werden Notausstiege aus U-Booten trainiert. Auch die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) betreibt einen Tauchturm. Er steht in Berlin und ist nur acht Meter tief. Allerdings verfügt er über eine Dekompressionskammer, so dass darin Tauchgänge bis 150 Meter Tiefe simuliert werden können. Auch Tauchunfälle werden dort behandelt.

Schmidt hatte noch im Dezember vor den Stadtvertretern für das Projekt geworben und eine Finanzierung in Kürze angekündigt. Ihm seien allerdings auch schon zwei Modelle zur Finanzierung geplatzt. Tourismus-Experten zweifeln grundsätzlich an der Umsetzbarkeit des Konzepts: Das Projekt sei in dieser Form zu breit gefächert und könne deshalb keine umfassende Landesförderung erhalten, heißt es. Zudem hatte der Investor in einem Schreiben nach der Dezember-Sitzung der Stadtvertreter schon mit mehr als zwei Millionen Euro Schadensersatz für seinen Planungsaufwand gedroht, sollte der „Optionsvertrag“ mit dem Vorkaufsrecht nicht verlängert werden.

Das hatte wiederum die Stimmung unter den Verhandlungspartnern merklich getrübt, wie unter anderem der frühere Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) bemerkte, der in der Warener Stadtvertretung sitzt. Die Schadensersatzforderungen werde man abwenden, kündigte Möller an. Er hoffe aber weiter auf eine Umsetzung des „Aqua Regia Parks“, weil dies Waren und der gesamten Tourismusregion ein Alleinstellungsmerkmal“ verschaffen würde.

Zum Neujahrsempfang war Schmidt in diesem Jahr nicht an die Müritz gekommen. Auch für eine telefonische Stellungnahme war er nicht erreichbar.

Winfried Wagner