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MV aktuell Wegen EU-Plastikverbot: Kicker in MV fürchten um Kunstrasenplätze
Nachrichten MV aktuell Wegen EU-Plastikverbot: Kicker in MV fürchten um Kunstrasenplätze
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11:48 23.07.2019
Dunkle Wolken über dem Paul-Greifzu-Stadion in Stralsund. In den Platz hat die Stadt vor zehn Jahren 1,2 Millionen Euro investiert. Er dürfte bei einem EU-Verbot ab 2022 nicht mehr bespielt werden. Quelle: Christian Rödel
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Rostock

Kopfschütteln auf den Fußballplätzen in MV: Im Land regt sich Widerstand gegen das geplante Verbot von Kunstrasenplätzen durch die Europäische Union. Demnach sollen Kickerwiesen, die aus verschiedenen Plastikbestandteilen aufgebaut sind, ab 2022 nicht mehr zulässig sein, weil sie aus Sicht der EU zu viel Mikroplastik an die Umwelt abgeben. Im Zentrum der Kritik steht ein Plastikgranulat, das zwischen die künstlichen Grashalme gestreut und von Zeit zu Zeit nachgefüllt wird.

In MV gibt es Angaben des Landesfußballverbandes zufolge 83 Kunstrasenplätze. Ein Verbot würde auf einen Schlag tausende Fußballer treffen, die bereits jetzt jede Woche in eng getakteten Platzzeiten auf Kunstrasen trainieren und spielen.

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Erst fördert die EU den Kunstrasen, dann verbietet sie die Plätze

So wie dem Doberaner FC würde es vielen Vereinen im Land gehen, sollte die EU an ihrer harten Linie festhalten. „Wir haben 15 Mannschaften. Wenn die alle auf unserem Naturrasen spielen, wäre der nach einer Woche hinüber“, sagt Vereinschef Andreas Jahncke. 374 000 Euro hat der Bad Doberaner Kunstrasenplatz 2016 gekostet. 140 000 Euro davon flossen aus der Vereinskasse. Die Krux an der Geschichte: Der mit 174 000 Euro größte Brocken ist von der EU übernommen worden. Jahncke: „Es versteht doch niemand, dass die EU vor drei Jahren noch einen Platz fördert, der künftig nicht mehr zulässig sein soll.“ Anders als ein Naturrasenplatz kann Kunstrasen bei jedem Wetter bespielt werden und braucht keine Erholungspausen.

In der Tat zählt Plastikrasen nach dem Abrieb von Autoreifen zu den größten Emittenten von Mikroplastik. Besonders bei Regen, Wind, durch das Räumen von Schnee, aber auch die Spieler selbst wird das Gummigranulat in der Umwelt verteilt. In jedem Platz stecken bis zu 35 Tonnen Gummikörner. Sie sorgen dafür, dass der Rasen so weich ist wie ein echter. Alternativ kann der Platz aber auch mit Sand oder Kork aufgefüllt, was unschädlich wäre.

Quelle: Benjamin Barz

DFB fordert generellen Bestandsschutz

Der DFB fordert einen Bestandsschutz für Kunstrasenplätze, die bereits in Betrieb sind. „Wir gehen davon aus, dass sich die Belastungswerte für die Umwelt geringer darstellen, als das an mancher Stelle derzeit spekuliert wird“, betont DFB-Vizepräsident Erwin Bugar.

In Stralsund plant die Stadtverwaltung aktuell einen zweiten Kunstrasenplatz. Angesichts der Verbotsabsichten aus Brüssel ist Sprecher Peter Koslik guten Mutes, „dass wir die Vorgaben noch berücksichtigen könnten“. Vier Plätze, die kürzlich in Rostock saniert worden sind, wurden bereits mit umweltfreundlichem Kork aufgefüllt.

Auch im Landtag sorgt das Thema für Entrüstung. „Ein striktes Verbot des Gummigranulats würde das Aus für den Spielbetrieb vieler kleiner Vereine bedeuten. Das kann aber nicht Sinn der Sache sein“, kritisiert der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Torsten Renz. Er ist zugleich Vorsitzender des Güstrower SC 09.

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