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MV aktuell Kirche: Viele Austritte nach Missverständnis mit Banken
Nachrichten MV aktuell Kirche: Viele Austritte nach Missverständnis mit Banken
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06:00 30.01.2014
Die evangelische Kirche in Mecklenburg-Vorpommern schlägt Alarm: Wegen eines Missverständnisses laufen ihr seit Jahresbeginn die Mitglieder davon.
Die evangelische Kirche in Mecklenburg-Vorpommern schlägt Alarm: Wegen eines Missverständnisses laufen ihr seit Jahresbeginn die Mitglieder davon. Quelle: Symbolbild: dpa
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Rostock

Die evangelische Kirche in Mecklenburg-Vorpommern schlägt Alarm: Wegen eines Missverständnisses laufen ihr seit Jahresbeginn die Mitglieder davon. „In einzelnen Gemeinden sind die Kirchenaustritte im Januar um 50 Prozent gestiegen“, sagt Christian Meyer, Sprecher des Kirchenkreises Mecklenburg.

Der Grund: Nach einer gesetzlichen Neuregelung wird ab 2015 die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer automatisch bei den Banken abgeführt und nicht mehr erst nach der Steuererklärung. Hört sich kompliziert an – und genau darin liegt das Problem: „Viele Gläubige denken, sie müssten mehr Kirchensteuer bezahlen. Dabei wurde nur die Art der Erhebung geändert“, sagt Meyer.

Ohnehin trifft die Abgeltungssteuer nur einen Bruchteil der Gläubigen. Bei den derzeitigen Zinssätzen müssten Alleinstehende mindestens 50 000 Euro auf der hohen Kante haben, bei Verheirateten ist es das Doppelte. Doch das kommt bei den Gläubigen offensichtlich nicht so an. „Die von den Banken verschickten Briefe enthalten sehr formelle Rechtstexte, damit können viele nichts anfangen“, sagt Meyer.

Teilweise fehle auch der Hinweis auf den Freibetrag in Höhe von 801 Euro bei Ledigen und 1601 Euro bei Verheirateten. In manchen Briefen werde auch nicht deutlich darauf hingewiesen, dass alle Daten vertraulich behandelt werden, kritisiert Meyer. Manchen sei zudem nicht klar, dass es nur die Kirchenmitglieder betrifft und nicht alle Bankkunden.

Als eine der Ersten bemerkte Pastorin Melanie Dango in Stavenhagen die Verunsicherung der Kirchenmitglieder. „Ich war Anfang des Jahres zufällig im Standesamt. Dort erfuhr ich, dass es ungewöhnlich viele Austritte gab.“

Sie ging der Sache auf den Grund und stieß auf die Anschreiben mehrerer Banken: „Sie sind in bestem Bürokraten-Deutsch gehalten“, stellte sie fest. „Aber ich mache den Banken keine Vorwürfe, das liegt wohl in der Natur der Sache.“

In zahlreichen Gemeindeveranstaltungen bemüht sich die Pastorin seitdem um Aufklärung und auch im Standesamt hängt ein Informationsschreiben aus, um Austrittswillige in letzter Minute abzuhalten. „Seitdem ist die Austrittswelle gestoppt“, freut sich Dango. Allerdings gelang es ihr nicht, die bereits Ausgetretenen zur Rückkehr zu überreden.

Das größte Geldhaus in MV, die Ostseesparkasse in Rostock, bereitet sich derzeit auf seine Informationskampagne zu dem Thema vor. In persönlichen Gesprächen, auf Flyern und Plakaten sowie auf den Kontoauszügen sollen die Kunden ab dem 4. Februar aufgeklärt werden. Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass die Kunden verunsichert seien, sagte Sprecher Mathias Bohn. „Wir bieten jedoch jedem Kunden an, im persönlichen Gespräch auftretende Fragen immer gern zu beantworten.“



Axel Büssem