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MV aktuell Kita-Schock: Eltern-Beträge in Mecklenburg-Vorpommern im Höhenflug
Nachrichten MV aktuell Kita-Schock: Eltern-Beträge in Mecklenburg-Vorpommern im Höhenflug
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11:38 10.12.2018
Kitas besucht Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) gern, wie hier die „Gipfelstürmer" in Neubukow. Die versprochene Senkung der Elternkosten ab 2019 dürfte aber nach Expertenmeinung geringer ausfallen.
Kitas besucht Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) gern, wie hier die „Gipfelstürmer" in Neubukow. Die versprochene Senkung der Elternkosten ab 2019 dürfte aber nach Expertenmeinung geringer ausfallen. Quelle: Anja Levien
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Rostock

Schlechte Nachricht für Familien in MV: Die von der Regierungskoalition versprochene Entlastung durch Wegfall von Elternbeiträgen in Kitas ab dem zweiten Kind dürfte 2019 deutlich schmaler ausfallen. Grund: Nach OZ-Informationen verhandeln Kita-Träger derzeit landesweit hart um eine Anerkennung höherer Personalkosten. Damit könnte sich das Versprechen Nummer eins der SPD teils als Makulatur erweisen. Denn für das erste Kind müssen Eltern 2019 weiter zahlen. Von bis zu 20 Prozent höheren Kosten ist die Rede.

142 und 111 Euro pro Kind und Monat zahlen Eltern in MV derzeit im Schnitt für Kita und Krippe in Vollzeit. Ab Januar soll dies nur noch für das erste Kind in der Betreuung gelten; ein Landtagsbeschluss steht noch aus. Laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) die „größte Familienentlastung in der Geschichte unseres Landes“.

Irrtum!, signalisieren Vertreter von Kommunen. Denn Kita-Träger würden jetzt, da sie wissen, dass das Land mehr Geld einsetzt, auch höhere Kosten je Platz veranschlagen. „Wir rechnen mit zehn bis 20 Prozent Steigerung“, sagt Thomas Deiters vom Städte- und Gemeindetag. „Gute Fachkräfte kosten Geld.“ Dietger Wille (CDU), Finanzdezernent im Kreis Vorpommern-Greifswald, erwartet „starke bis sehr starke Steigerungen“. Grund sei „ein hoher Druck beim Personal“.

Kommentar von Frank Pubantz: Bildung kostet Geld

Der Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) erklärt: „Im Kitasystem fehlt massiv Geld. Da viele Träger sich endlich dem Tarif annähern, was die Landesregierung immer begrüßt, steigen die Entgelte derzeit erheblich.“ Weitere Nachfragen ergaben: Landesweit werden viele Kita-Erzieher weit unter Tarif bezahlt – teils um 30 Prozent. Sozialverbände bestätigen, Personalkosten anheben zu wollen. Awo-Landesgeschäftsführer Bernd Tünker fordert, mehr über Qualität der Betreuung und weniger über Geld zu reden. Matthias Köpp, Landkreistag, lobt das Ziel von Trägern nach Tariflöhnen. Warnt aber: Für Eltern sei wichtig, dass das Geld bei Erziehern auch ankommt „und nicht irgendwo bei den Kita-Trägern versickert“.

Schwankende Elternbeiträge

142
Euro zahlen Eltern derzeit MV-weit im Durchschnitt pro Kind und Monat für einen Ganztagsplatz in der Krippe, 111 Euro im Kindergarten ohne Vorschuljahr und 81 Euro im Vorschuljahr. Landesweit schwanken die Elternbeiträge stark.

Das Land stützt die Elternbeiträge bereits jetzt: monatlich mit 150  Euro je Platz in der Krippe und 50 bis 80 Euro im Kindergarten.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) verströmt weiter Optimismus zum Thema: Entgeltverhandlungen zwischen Kita-Trägern und Landkreisen/Städten führten „in aller Regel zu moderaten Kostensteigerungen“, so ein Sprecher. Man habe „die Situation im Blick“. Das Ministerium verweist auf die geplante Elternentlastung ab 2019; dies bedeute bei mehr als zwei Kindern „400 Euro und mehr im Monat aus“. Die Finanzierung sei bis 2022 abgesichert, dann setzt man auf weitere Unterstützung des Bundes.

Ganz so rosig sieht der Koalitionspartner CDU die Lage nicht. Man fühle sich dem Ziel Beitragsfreiheit ab 2020 „verpflichtet“, so Fraktionschef Vincent Kokert. „Dennoch müssen wir darauf achten, dass das Land nicht in die roten Zahlen rutscht; dieses Ziel steht letztlich über allem.“ Von Kommunen ist unter der Hand zu hören: Das Land habe über Jahre die Kinderbetreuung unterfinanziert. Da sei es logisch, dass sich Kita-Träger künftig mehr Geld sichern wollen.

Frank Pubantz