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MV aktuell Kleine Lilly aus Rostock kämpft um ihr Leben
Nachrichten MV aktuell Kleine Lilly aus Rostock kämpft um ihr Leben
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18:58 16.07.2019
Für die kleine Lilly aus Rostock wird dringend ein Stammzellspender gesucht. Familie und Freunde haben jetzt eine Registrierungsaktion organisiert.
Für die kleine Lilly aus Rostock wird dringend ein Stammzellspender gesucht. Familie und Freunde haben jetzt eine Registrierungsaktion organisiert. Quelle: privat
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Rostock

Als Lilly am 19. Mai 2019 in der Rostocker Südstadtklinik auf die Welt kommt, ist sie zu klein für ein Neugeborenes. Was ihr fehlt, ist zu dem Zeitpunkt unklar. Lilly wird zunächst auf die Intensivstation verlegt, kann aber mit ihrer Mutter die Klinik nach ein paar Tagen verlassen. Und die Familie genießt ihr Glück mit der kleinen Lilly. Eine Woche lang. Dann kommt der Anruf aus der Klinik, der für ihre Eltern und Geschwister alles verändert. Die Diagnose: Lilly leidet unter einer schweren Immunschwäche mit dem SCID-Syndrom. „Es traf uns wie ein Blitz“, sagt Lillys Vater Frank Kletzin (46).

Lilly wird in die Berliner Charité gebracht. Um sie vor Infektionen zu schützen, muss das kleine Mädchen mit ihrer Mutter auf einer isolierten Station bleiben. Seit mittlerweile sechs Wochen sind sie von der Außenwelt weitgehend abgeschlossen. Die Räume können nur durch ein Schleusensystem betreten werden. Besucher müssen sich ärztlich untersuchen lassen und Mundschutz tragen.

Spender-Suche läuft weltweit

Unterdessen läuft weltweit die Suche nach einem Stammzellspender. Und die Zeit drängt. „Nur mit einer Stammzellspende kann Lilly älter als ein oder zwei Jahre werden“, sagt Frank Kletzin, der als Oberarzt für Anästhesie in der Universitätsmedizin Rostock arbeitet.

Nach der Diagnose hatten Lillys Eltern Kontakt zu der Organisation DKMS aufgenommen. Die internationale Organisation hat sich eigenen Angaben zufolge „dem Kampf gegen lebensbedrohliche Bluterkrebserkrankungen verschrieben“ und sei weltweit führend „in der Versorgung von Patienten mit lebensrettenden Stammzelltransplantaten“.

Welle der Hilfsbereitschaft

Auch in Rostock rollte eine große Welle der Hilfsbereitschaft für Lilly an. Freunde, Bekannte und Kollegen von Lillys Eltern zögerten nicht, ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Stammzellspender – einem sogenannten genetischen Zwilling – zu helfen. „In kürzester Zeit haben sich rund 20 Leute zusammengefunden“, sagt der Assistenzarzt für Anästhesie an der Universitätsmedizin Rostock, Nils Birkner, einer der vielen Unterstützer.

Lilly muss schnell geholfen werden

Für Lilly zählt jeder Tag. „Sie muss so schnell wie möglich transplantiert werden“, sagt Frank Kletzin. Daher wird es am kommenden Sonntag, 21. Juli 2019, von 11 bis 15 Uhr eine Registrierungsaktion in der Rostocker Neptun-Schwimmhalle geben.

Stammzellenspende: Rettet Lilly und andere

Die Registrierungsaktion für Stammzellspender findet am Sonntag, 21. Juli 2019, von 11 bis 15 Uhr in der Neptun-Schwimmhalle, Kopernikusstr. 17, 18057 Rostock, statt.

Organisatoren sind die Initiativgruppe „Rettet Lilly und andere!“ und die DKMS.

„Die Resonanz ist überwältigend“, sagt Frank Kletzin. Eine Druckerei habe kostenlos Flyer mit dem Aufruf zur Stammzellspende für Lilly gedruckt. Die Helfer verteilen die Flyer – in Rostock, Barth, Güstrow, Bad Doberan bis nach Waren und Schwerin. Viele Kollegen der Universitätsmedizin Rostock unterstützen die Aktionen, ebenso Vereine wie der Rostocker FC oder Förderkader René Schneider. Auch beim Christopher Street Day (CSD) am Samstag in Rostock will Frank Kletzin für die Spender-Registrierung werben.

FC Hansa Rostock wirbt für Stammzellspende

50 Studenten helfen am Sonntag beim reibungslosen Ablauf in der Neptun-Schwimmhalle. Vermittelt werden die Helfer von dem Rostocker Unternehmen Staff Eins – unentgeltlich. Geschäftsführer Volker Rantz hatte über persönliche Kontakte von Lillys Krankheit erfahren: „Da war gleich klar, dass wir helfen werden.“

Der FC Hansa Rostock will am Sonnabend beim Heimspiel gegen Viktoria Köln auf die Aktion hinweisen. „Wir hoffen natürlich, dass wir viele Stadionbesucher dazu ermutigen können, sich als Spender registrieren zu lassen“, betont Hansa-Sprecherin Marit Scholz. Bereits in der Vergangenheit habe der FC Hansa Rostock den Kampf gegen Blutkrebs unterstützt, etwa durch das Logo der DKMS auf den Trikots der Spieler.

Schicksale und Spender aus MV

980 Menschen hatten sich im Mai 2019 in Schönberg bei der Typisierungsaktion für den an Blutkrebs erkrankten Sebastian registrieren lassen. Außerdem wurden mehr als 10 000 Euro gespendet.

Toni Prodühl aus Grimmen spendete sein Knochenmark und hat damit die kleine Emma (4) aus Kalifornien vor dem Tod bewahrt. Für das Mädchen und ihre Familie ist der Spender ein Held.

Der 26-jährige Feuerwehrmann Daniel A. ist an Leukämie erkrankt. Seine Kameraden organisierten im Januar 2019 eine Typisierungskampagne für potenzielle Stammzellenspender.

Trotz Stammzellenspende: Die Prerower Frauenärztin Inka Horn ist gestorben. Eine Nachricht, die im Oktober 2018 für große Betroffenheit sorgt.

Kevin aus Leyerhof bei Grimmen hatte bis zum Schluss gekämpft. Er wollte nicht gehen. Doch der Sechsjährige hat im September 2018 den monatelangen Kampf gegen die Leukämie verloren. Oder wie es seine Mama Jana Schukies sagt: „Er ist am Mittwochmorgen auf der Regenbogenbrücke abgeholt worden.“

Die Laura Senst konnte mit einer Stammzellenspende einem Menschen helfen. Sie ist glücklich, sagt die 29-Jährige, dass sie diese Erfahrung machen durfte.

Ein Jahr lang kämpfte die 15-jährige Christiane aus Wolgast gegen einen Hirntumor, den sie im Sommer 2018 letztlich verlor. Die Redakteurin Cornelia Meerkatz begleitete das Mädchen. Der gemeinsame Weg endete in einer langen, letzten Umarmung.

9,2 Millionen Spender weltweit

Weltweit sind bei der DKMS den Angaben zufolge mehr als 9,2 Millionen Spender registriert. In Rostock seien es mehr als 15 300 Spender. „Davon durften 142 bereits Stammzellen spenden“, teilt die Organisation mit. „Nur derjenige, der auch in der Datei ist, kann als Lebensretter gefunden werden“, erklärt Stefanie Doss von der DKMS.

Unterdessen gebe es für Lilly positive Signale, so ihr Vater Frank Kletzin. Er habe jetzt erfahren, dass im Register möglicherweise ein genetischer Zwilling für Lilly gefunden worden sei. Doch Entwarnung könne es noch nicht geben: „Der Spender müsste erst noch zusagen und verfügbar sein.“ Außerdem gebe es viele andere Kinder „mit Blutkrebs, Immundefekten und anderen Bluterkrankungen, die nur durch eine Stammzellspende gerettet und geheilt werden können“.

Weiterlesen: Rostocker Reiter sammeln Spenden für DKMS

Hier gibt es alle Infos zur Stammzellenspende.

Axel Meyer