Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Kliniksterben in MV: Kommunen sollen jetzt Krankenhäuser zurückkaufen
Nachrichten MV aktuell

Kliniksterben in MV: Kommunen sollen jetzt Krankenhäuser zurückkaufen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:26 13.12.2019
Bereits am Dienstag protestierten gut 100 Bürger vor der Staatskanzlei gegen die geplante Schließung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Mediclin-Krankenhaus Crivitz. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Rostock

Holen sich Städte und Landkreise in MV ihre Krankenhäuser zurück? Nachdem die Landespolitik erneut wegen der Entscheidungen eines Klinikbetreibers in die Kritik gerät, wird der Ruf nach einem Rückkauf der Krankenhäuser immer lauter. Nun spricht sich auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) für Rekommunalisierung aus.

Und Schwesig geht sogar noch weiter: Das Land werde allen Städten und Gemeinden helfen, die ihre Krankenhäuser von privaten Betreibern zurückkaufen wollen.

Anzeige

Private Betreiber schließen Stationen

Auslöser der neuerlichen Debatte um die Zukunft der Krankenhäuser in MV: In Crivitz bei Schwerin will der private Betreiber Mediclin die Geburtenstation seines Krankenhauses schließen. Grund sei die geringe Zahl von nur noch 400 Geburten pro Jahr.

Lesen Sie auch: Krankenhäuser in MV: Wem sie gehören und welche Probleme es gibt

In Parchim macht der ebenfalls private Krankenhaus-Konzern Asklepios die Kinderstation dicht. Begründung: Personalmangel. Ebenso wie bei der Schließung der Kinderstation und der Geburtshilfe in Wolgast vor drei Jahren gibt es massive Proteste. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hatte die Entscheidungen der Unternehmen mitgetragen, die Ministerpräsidentin pfiff ihren Minister zurück und forderte Nachverhandlungen. Möglicherweise müssten die Betreiber am Ende sogar Fördermittel zurückzahlen – wenn sie denn bei ihren Schließungen bleiben.

Nun geht Schwesig sogar noch weiter: „Wenn private Träger nur auf ihren Gewinn achten, anstatt auf die medizinische Versorgung, entwickelt sich unser Gesundheitssystem in die falsche Richtung“, sagte die Regierungschefin der OZ. „Wenn sich Kommunen in einer solchen Situation entscheiden, Krankenhäuser wieder selbst zu übernehmen, wird die Landesregierung das unterstützen.“

Die meisten Kliniken gehören Konzernen

Nach der Wende waren die allermeisten Kliniken im Land verkauft worden. In öffentlicher Hand befinden sich de facto nur noch die Uni-Kliniken in Rostock und Greifswald, das Südstadt-Krankenhaus Rostock, die Krankenhäuser in Ribnitz-Damgarten, Demmin sowie – zumindest anteilig – die Kliniken Wolgast, Hagenow und Ludwigslust.

Lesen Sie auch den Kommentar: Rückkauf von Kliniken in MV: Konzerne in die Pflicht nehmen

Im Fall Wolgast will derLandkreis Vorpommern-Greifswald seine Gesellschaftsanteile am Krankenhaus aufstocken. „Der Kreistag verspricht sich von einer Rekommunalisierung mehr Einfluss auf die vorgehaltenen medizinischen Angebote. Die Universitätsmedizin hat aber bislang kein Interesse erkennen lassen, das Krankenhaus Wolgast zu verkaufen“, sagt jedoch Kreissprecher Achim Froitzheim. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim will Landrat Stefan Sternberg (SPD) nun ebenfalls prüfen lassen, ob der Landkreis die Kliniken Crivitz und Parchim kaufen kann.

Bündnis für Klinik-Rückkäufe

Landesweit formiert sich aber ein breites Bündnis, das den Rückkauf von Kliniken fordert. An der Spitze der Bewegung stehen die Grünen: „Die ländlichen Räume dürfen nicht noch weiter geschwächt werden. Um junge Familien in der Fläche zu halten, brauchen wir in MV Kreißsäle oder Eltern-Kind-Zentren auch auf dem Land“, sagt Grünen-Landeschefin Ulrike Berger.

Auch die Linke ist für Rekommunalisierung: „Sie ist eine Chance, die stationäre medizinische Grund- und Regelversorgung im ländlichen Raum zu erhalten“, so Linken-Gesundheitsexperte Torsten Koplin. Das Land müsse für Rückkäufe einen Fonds bereitstellen. „Gesundheit darf keine Ware sein.“

Auch die AfD im Landtag unterstützt das Ansinnen – weil sich die medizinische Versorgung in MV seit Jahren verschlechtere: „Es ist klar, dass kaum ein Landkreis und schon gar keine Kommune die Kosten eines Krankenhauses stemmen kann. Das Land muss deshalb durch finanzielle Stützen den Erhalt der Kliniken sicherstellen“, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Ralph Weber.

Lesen Sie auch:

Von Andreas Meyer

37 Krankenhäuser gibt es noch in MV. Die meisten gehören zu Großkonzernen. Sie machen mit der Krankenversorgung Millionen-Gewinne. Wo es nicht mehr läuft, werden Stationen geschlossen. Die einzige kommunale Klinik im Land, das Südstadt-Krankenhaus in Rostock, will hingegen wachsen.

13.12.2019

Der Wolf bleibt Thema – auch bei der letzten Sitzung des Landtages in MV im Jahr 2019. Bis Ende Oktober waren in Mecklenburg-Vorpommern laut Umweltministerium knapp 40 Wolfsattacken auf Schafe, Rinder sowie Damwild registriert worden.

13.12.2019

Die Weihnachtsmärkte in MV sind wieder bunt beleuchtet und laden viele Besucher zum Glühwein trinken und stöbern ein. Wir zeigen einige Eindrücke davon in einer Bildergalerie.

12.12.2019