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MV aktuell Knochenjob: Präparator puzzelt Skelett von Elefant Sara zusammen
Nachrichten MV aktuell Knochenjob: Präparator puzzelt Skelett von Elefant Sara zusammen
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21:00 03.01.2019
In der Zoologischen Sammlung der Uni Rostock setzen Knut Weidemann, Olaf Rust und Günter Behrens (v.l.) das Skelett von Elefantendame Sara zusammen. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Rostock

Mit Schmackes bohrt Knut Weidemann ein Loch in den Elefantenschädel. „Wir wollen ihn an die Decke hängen.“ Es ist ein Knochenjob, den der Präparator meistern muss: Weidemann puzzelt das Skelett von Sara zusammen. Die Elefantendame war bis zu ihrem Tod der Publikumsliebling im Rostocker Zoo. Jetzt sollen ihre Knochen das kolossale Schmuckstück der neuen Großpräparate-Schau in der Zoologischen Sammlung am Uniplatz werden.

Die Löcher sitzen, jetzt wird gefriemelt: Günter Behrens versucht, ein Stahlseil in den Schädel zu fädeln. Daran soll Saras Haupt gleich hängen. „Beim Auto den Ölstand messen, geht leichter, oder?“, neckt Knut Weidemann. Der Witz passt: Günter Behrens war lange Jahre Autoschlosser, arbeitete später beim technischen Dienst der Polizei. „Seit 2011 bin ich Rentner, hab’ eine Aufgabe gesucht und bin hier gelandet“, erklärt Behrens seinen ehrenamtlichen Einsatz in der Zoologie. Dritter in der Puzzlerunde ist Zoologie-Mitarbeiter Olaf Rust. Ein bis zwei Mal pro Woche arbeiten die Männer am Skelett.

Dafür reist Knut Weidemann aus Greifswald an, wo er an der Uni arbeitet. „Er leistet uns Amtshilfe“, erklärt Andreas Bick, Kustos der Rostocker Zoologischen Sammlung. Ohne Weidmann könnte die sich das Sara-Skelett nicht leisten: Gut 30000 Euro hätte es gekostet, einen Externen mit dem Präparat zu beauftragen. „Jetzt brauchen wir nur das Material zahlen“, sagt Bick. Dafür bekommt die Sammlung einen riesigen Schatz: Eine an die Wand gemalte Silhouette zeigt, wie groß das Ausstellungsstück einmal werden wird. Das Skelett wird lediglich zu Dreivierteln aufgebaut: Rechtes Schulterblatt und Hüfte werden durchsägt, der Kopf wird als Ganzes in den Raum ragen.

Im Zoologischen Institut Rostock werden die Knochen von Elefantenkuh Sara zu einem riesigen Pärparat zusammengesetzt.

Noch baumelt Saras Schädel allein, gehalten von Stahlseilen, die ein Stockwerk höher im Gebälk des Dachbodens festgemacht sind. „Wir arbeiten uns vom Kopf aus vor“, erklärt Weidemann. Das nächste Puzzleteil liegt bereit: Auf einem Kastenrohr sind Saras Wirbel aufgefädelt wie XL-Perlen an einer Schnur. Bevor sie an den Elefantenkopf kommen, wird das noch kerzengrade Stahlprofil in Form gebogen. Die Wirbelsäule soll, wie der Rest, so originalgetreu wie möglich werden. Schließlich werden sich Studenten mit dem Präparat Wissen über die Dickhäuter-Anatomie aneignen. Schludern ist für die Skelettpuzzler also Tabu.

Rostocks wildeste WG

Damit Becken und Co. später an der richtigen Stelle sitzen, orientieren sich Weidemann und seine Mitstreiter an Fotos lebender Elefanten. Als Vorlage für besonders knifflige Skelettteile hat sich Weidemann einen Elefantenfuß mitgebracht. Der ist zugleich einer der Gründe, warum der Präparator viel später als geplant mit seiner Arbeit losgelegt hat. Beim Versuch, den Fuß in Greifswalds Zoologie aufzuhängen, hat sich der Knochenspezialist einen Narbenbruch zugezogen. Jetzt muss er sich sputen. Bis spätestens 3. April soll Saras Skelett fertig sein. Dann wird anlässlich des 120. Zoo-Geburtstages die neue Schau eröffnet.

In der neuen Großpräparate-Schau der Zoologischen Sammlung werden auch Präparate von Großkatzen gezeigt. Quelle: ANTJE BERNSTEIN

Die ist eine wahrhaft wilde WG: Saras Skelett teilt sich den Ausstellungsraum mit Tiger, Wolf und Gepard. Die Raubtiere haben wesentlich mehr auf den Rippen als die Elefantenkuh. Es sind Dermoplastiken, sprich gegerbte und ausgestopfte Tierhäute, und so lebensecht, als wären sie noch eben durch Savanne oder Wald gestreift. Von einem Ausguck an der Wand spähen ein Adler und andere ausgestopfte Greifvögel den drei Männern beim Knochenpuzzeln über die Schultern. „Ein Panther kommt auch noch“, kündigt Andreas Bick an. Die Großkatze stamme, wie Sara, aus Rostocks Zoo. „Es wäre doch viel zu schade, diese Tiere nach ihrem Tod zu verbrennen.“

Quelle: dpa

Tod eines Publikumslieblings

Mit Sara starb 2014 der letzte von Rostocks Zooelefanten. Die 51 Jahre alte Kuh musste eingeschläfert werden, weil sie an einem riesigen Tumor litt. Ihr Kadaver wurde in die Tierkörperbeseitigungsanstalt nach Malchin gebracht. Dort wurden ihre Knochen vom Fleisch befreit, ein Präparator sägte der Dickhäuterin die Stoßzähne aus dem Schädel. Die Hauer liegen jetzt im Nebenraum der künftigen Großpräparate-Schau. Das Elfenbein wäre zu schwer für das Skelett. Damit Sara trotzdem Biss zeigt, wurden Abdrücke ihrer Stoßzähne genommen, eine Form aus Gips und Silikon gefertigt und hohle originalgetreue Attrappen aus Plastik gegossen. Die stecken, mit Epoxydharz festgeklebt, im Schädel. „Das müssen wir noch kaschieren“, sagt Knut Weidemann. Um Klebestellen unsichtbar zu machen, liegen Winkelschleifer und Ölfarben bereit.

Rostock bekommt Pottwal

Für Knut Weidemann ist Sara eine Premiere. Einen Dickhäuter habe er bislang noch nicht zusammengesetzt. „Dafür einen Seeelefanten und einen Pottwal.“ Damit ist er prädestiniert für das nächste XL-Puzzle: Ende diesen Jahres soll Rostocks Zoologie ein Pottwal-Skelett bekommen. Der Säuger war vor gut zwei Jahren mit mehr als 20 Artgenossen an der Nordseeküste angespült worden und dort verendet. Jetzt liegen seine Knochen in Stralsund, wo sie, wie schon Saras Überreste, entfettet werden sollen. Für die zoologische Sammlung wird er eine Bereicherung. Nur eines wisse man noch nicht, sagt Andreas Bick. „Wo wir das zwölf Meter lange Skelett unterbringen.“

Zoologie eröffnet Schau mit Großpräparaten

Am 3. April wird anlässlich des 120-jährigen Zoo-Geburtstages in der Zoologischen Sammlung am Uniplatz die neue Schau für Großpräparate eröffnet. Dort werden neben dem Skelett von Elefantendame Sara auch Dermoplastiken (Präparat aus ausgestopfter Haut mit Federn oder Haaren) von Tieren wie Wolf, Tiger, Gepard und Panther zu sehen sein.

Antje Bernstein

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