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MV aktuell Unglück vor Rügen: Waren die Schiffe zu schnell?
Nachrichten MV aktuell Unglück vor Rügen: Waren die Schiffe zu schnell?
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19:30 20.02.2019
Der Offshore-Versorger «World Bora» liegt nach einem Unfall im Stadthafen von Sassnitz. Quelle: Uwe Driest
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Sassnitz

Nach dem schweren Schiffsunglück vor Rügen am Dienstag laufen die Ermittlungen zur Unfallursache. Gegen die Kapitäne beider Schiffe seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs aufgenommen worden, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Mittwoch. Beide sind gegen Zahlung einer Sicherheitsleistung von 10 000 Euro auf freiem Fuß.

Laut Stralsunder Staatsanwaltschaft hätte der Frachter nach bisherigen Erkenntnissen ausweichen müssen, was der polnische Kapitän jedoch nicht berücksichtigt habe. Auch der dänische Trimaran hätte erkennen müssen, dass er sich auf Kollisionskurs befindet. Dessen Kapitän treffe daher eine Mitschuld. Bei der Ursachenforschung richtet sich das Interesse auch auf die Geschwindigkeit der Schiffe zum Unfallzeitpunkt.

Der Windparkversorger „World Bora“ ist ein Trimaran. Nach den Berechnungen des Rostocker Schiffsdatenanalysten Fleetmon fuhr die „World Bora“ vor dem Zusammenstoß 18 Knoten (33,3 Kilometer pro Stunde) und bremste unmittelbar vor dem Crash auf 2,2 Knoten ab. Die „Raba“ lief mit 8 Knoten (14,8 km/h) und machte am Unfallort eine sogenannte Rettungswende. Das sagt allerdings nichts darüber aus, wer möglicherweise Schuld an der Kollision trägt.

Was ist ein Trimaran?

Trimarane sind Boote, die sich durch hohe Geschwindigkeiten auszeichnen. Diese Schiffe haben drei parallele Rümpfe, die für Stabilität sorgen. Die am Schiffsunglück beteiligte „World Bora“ ist ein Trimaran.

Die beschädigten Schiffe lagen am Mittwoch weiterhin in den Häfen Mukran und Sassnitz. Dort bleiben sie, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, teilte die Wasserschutzpolizei mit. Anschließend werde geprüft, ob die Schiffe selbstständig in eine Reparaturwerft fahren können, ob sie dorthin geschleppt werden müssen oder auf Rügen repariert werden können. Einen Tag nach dem Unfall wurden noch fünf der insgesamt 15 Verletzten in Kliniken behandelt. Alle waren an Bord der „World Bora“. Laut Wasserschutzpolizei kamen je zwei Verletzte aus Dänemark und von den Philippinen und je einer aus Litauen, Spanien und Rumänien. Die anderen waren Deutsche. Zur Schadenshöhe gab es weiterhin keine Schätzungen.

Karte von der Ostsee vor Rügen mit dem Ort der Schiffs-Kollision Quelle: Benjamin Barz

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete aus MV, Claudia Müller, forderte nach der zweiten Kollision in dem Seegebiet innerhalb eines Monats eine Debatte über die Schiffssicherheit: „Es stellt sich die Frage, warum innerhalb kurzer Zeit zwei Schiffsunglücke an fast derselben Stelle passieren. Dass es diesmal auch Schwerverletzte gab, ist besonders tragisch.“ Bereits Ende Januar waren vor der Insel Rügen ein deutscher und ein norwegischer Frachter in der Dunkelheit zusammengestoßen. Damals waren alle Seeleute unverletzt geblieben.

Die Zahl der Durchfahrten sei in dem unübersichtlichen Unfallgebiet in den letzten Jahren gestiegen, darauf müsse mit einer Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen und einer Anpassung der Befahrensregeln reagiert werden, sagte Müller. „Wie viele Kollisionen müssen noch passieren, bevor an den Schifffahrtsrouten der Verkehr besser geregelt wird“, so die Abgeordnete.

Klicken Sie hier, um eine Übersicht über Schiffsunglücke auf der Ostsee, die sich in den letzten Jahren ereignet haben, zu sehen.

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Axel Büssem/Uwe Driest