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MV aktuell Die Rammstein-Show im Rostocker Ostseestadion: „Wir sind zu Hause“
Nachrichten MV aktuell Die Rammstein-Show im Rostocker Ostseestadion: „Wir sind zu Hause“
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10:56 17.06.2019
Die Band Rammstein um Sänger Till Lindemann ist am Sonntagabend vor 30 000 Besuchern im ausverkauften Rostocker Ostseestadion aufgetreten. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Urgewalt Rammstein hat sich am Sonntagabend im Rostocker Ostseestadion entladen. An 21 Titeln spielte sich die Band zwei Stunden lang ab. 30 000 Menschen sahen dem Schauspiel mit wachsender Anteilnahme zu.

Alles beginnt um 20.30 Uhr mit einem gewaltigen Knall. Eine Schrecksekunde, die Aufmerksamkeit ist Rammstein sicher. Ohne großen Aufschlag auf die Bühne zu spazieren, wäre ja auch unpassend. Till Lindemann trägt immerhin eine Fantasie-Uniform von der Sorte, wie sie sich der frühere libysche Diktator Muammar al-Gaddafi schneidern ließ. Der Anzug des Sängers ist aus Schlangenleder, über der linken Schulter hängen geflochtene Kordeln. Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz trägt einen goldenen Anzug mit Fliegerhaube. Es sind Kostüme, die trägt man im Theater und der Anfangsknall war Auftakt einer Inszenierung. Er trennt die Alltagswelt vom Rammstein-Universum, in das nun alle gemeinsam eintauchen.

Galerie: Rammstein im Ostseestadion

Auf ihrer Stadion-Tour machte Rammstein Station in Rostock

Die Rammstein-Show: Eine lyrische Welt

Hier besingen Bühnenfiguren allerlei Obsessionen und Ängste. Es ist eine lyrische Welt, vollgestopft mit Gefühlen und verstörenden Gedanken und ihr König heißt Till Lindemann. Der verkündet im ersten Lied: „Dass ich froh bin, darf nicht sein. Wer mich liebt, geht dabei ein.“ Das ist ja furchtbar, möchte man ihm zurufen, widersprechen oder trösten – doch dazu bleibt keine Zeit. Nahtlos kommt Lied Nummer zwei und nahtlos geht es auch im Text weiter: „Können Herzen singen, kann ein Herz zerspringen?“ Der Rhythmus stampft, Lindemann hämmert im Takt auf seine Schenkel, das Publikum im Innenraum des Stadions singt: „Da schlägt es links. Links, zwo, drei, vier.“ Text und Darbietung sind gleichzeitig euphorisierend, politisch und berührend.

Mehr:
Der Liveticker zum Nachlesen: Rammstein im Ostseestadion

Sich diesem Durcheinander aus Denken und Fühlen an einem Sonntagabend auszusetzen, ist nicht einfach. Das Publikum auf den Tribünen wartet ab. Obwohl nahezu alle schwarze Shirts mit Rammstein-Aufdruck tragen, bleiben viele ungerührt sitzen und agieren wie unbeteiligte Beobachter eines irren Spektakels. Lindemann singt „Tattoo“, Lied Nummer drei: „Deinen Namen stech’ ich mir. Dann bist du für immer hier.“ Wo ließe sich ein noch größerer Romantiker finden? Na gut, ein bisschen witzig ist er auch, denn der Text geht weiter: „Aber wenn du uns entzweist, such’ ich mir jemand, der genauso heißt.“

Das sagen Besucher nach dem Konzert

Erfolgsgeheimnis: Perfektion & Schock

Der Klang ist perfekt, der Gesang gut zu verstehen, die Gitarren sind nie schrill oder aufdringlich laut. Mit dem Einsetzen der Dämmerung kommen zunehmend die riesige Videowand und das Licht zur Geltung. Die Lieder gehen ineinander über, als stammten sie von einem einzigen Konzeptalbum – dabei spielt die Band alte und neue Stücke im Wechsel.

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Mit „Mein Herz brennt“ geht die Erregungskurve deutlich nach oben, aber erst „Puppe“ vom aktuellen Album lockt das Publikum aus der Reserve. Lindemann ist außer sich. Er steht vor einem überdimensionierten Kinderwagen, eine Kamera zeigt abwechselnd ihn und das Innere des Wagens, mit einer sich windenden, den Mund aufreißenden Gestalt. Er brüllt sie an: „Ja, ich reiß’ der Puppe den Kopf ab, und dann beiß’ ich der Puppe den Hals ab. Es geht mir nicht gut, nein!“ Auf dem Album scheint der Sänger an dieser Stelle für einen Moment die Kontrolle aufzugeben und die Puppe unverhüllt als Till Lindemann, nicht in einer Rolle, anzuschreien. Dieses Geschenk macht er den Konzertbesuchern nicht. In Rostock fällt keine Maske. Die Kunstsprache mit dem rollenden R – und damit auch die Distanz – bleiben. Gruselig ist die Darbietung dennoch bis an die Grenze des Erträglichen und erst als der Kinderwagen in Flammen steht, ist der Alptraum vorbei.

Es folgen „Deutschland“ als elektronischer Remix von Richard Kruspe und das poppige Stück „Radio“. Erstmals wird auf den Tribünen getanzt. Bei den Klassikern „Mein Teil“ und „Sonne“ kommt schließlich die Pyrotechnik zum Einsatz. Flammenwerfer und Feuerfontänen erhellen den Himmel über Rostock. Wer noch immer nicht vom Dargebotenen ergriffen wurde, wird nun wenigstens von der Hitze der Flammen erfasst. Plötzlich herrscht Stille und die Bühne ist leer. Moment mal, war es das schon? Den ganzen Abend kein einziges Wort an das Publikum und weg sind sie?

„Wir sind zu Hause“

Nein, die Band taucht wieder auf, steht auf einer Plattform inmitten des Publikums. „Wir sind zu Hause“, sagt Lindemann leise und „danke schön, Rostock“. Die Unnahbaren sind ganz kurz nahbar. Vielleicht huscht auch eine Gänsehaut über den Arm der Zuhörer. Zarte Klaviermusik des Duos „Jatekok“ setzt ein. Die beiden Französinnen hatten bereits im Vorprogramm gespielt. Das Stadion singt „Engel“ für und mit Rammstein.

Mehr zur Rammstein-Themenwelt: Von wegen Nazis: Warum Rammstein so wichtig wie Goethe ist

In drei Gummibooten geht es, getragen vom Publikum, zurück zur Bühne. Noch einmal Hits, Flammen, Konfetti und die Bühne in buntem Farbgeflacker. „Pussy“ und „Ausländer“ werden besungen. Ein wilder Endspurt bis der Poet Lindemann alle romantische Verklärung zurück ins Regal räumt und schließt: „Ich will, dass ihr mich gut seht. Ich will, dass ihr mich versteht. / Ich versteh’ euch nicht. / Wir wollen, dass ihr uns vertraut. Wir wollen, dass ihr uns alles glaubt. / Wir fühlen euch. Wir verstehen euch nicht.“

Die Band steigt in einen gigantischen Fahrstuhl und fährt empor in den Nachthimmel. Ein lauter Knall. Es ist vorbei. Abspann. Tatsächlich, die Videoleinwand zeigt einen Abspann, wie nach einem Kinofilm. Ein cleverer Kunstgriff, der dick unterstreicht: Nehmt es nicht zu ernst, es war nur eine Show. Das Publikum geht nach Hause und Till Lindemann geht zu Sophia Thomalla und Marteria, die den ganzen Abend direkt neben der Bühne saßen und alle trinken jetzt Wodka oder so und sind gar nicht einsam.

Setlist des Konzerts

Was ich liebe

Links 2-3-4

Tattoo

Sehnsucht

Zeig dich

Mein Herz brennt

Puppe

Heirate mich

Diamant

Deutschland (Remix von Richard Kruspe)

Deutschland

Radio

Mein Teil

Du hast

Sonne

Ohne dich

Engel

Ausländer

Du riechst so gut

Pussy

Rammstein

Ich will

Juliane Schultz

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