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MV aktuell Kosten-Explosion bei Sanierung der Ostmole
Nachrichten MV aktuell Kosten-Explosion bei Sanierung der Ostmole
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13:33 25.02.2018
Die Sanierungsarbeiten an der Ostmole werden etwa eine halbe Million Euro teurer als zunächst geplant. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Die groß angelegte Sanierung der Stralsunder Ostmole auf dem Dänholm wird deutlich teurer als bisher angenommen: Nach Angaben der Stadtverwaltung summieren sich allein die Mehrkosten für die Beseitigung der Altlasten unter Wasser auf rund eine halbe Million Euro. Damit würde sich der Preis für die wasserseitigen Arbeiten auf insgesamt 4,7 statt bisher auf 4,2 Millionen Euro belaufen. Außer der Sanierung der Mole als Bauwerk an sich sollen 22 zusätzliche Liegeplätze für Wasserwanderer und ein Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe entstehen.

Das Projekt gilt als besonders wichtig für die deutliche Verbesserung der Bedingungen für Segelsportler einerseits, als auch zur Steigerung der touristischen Attraktivität.

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Der Hauptausschuss der Bürgerschaft hat die Mehrausgaben bereits im Eilverfahren durchgewunken, da der Stadtverwaltung eine Vertragsstrafe drohen würde, wenn die Arbeiten zwischenzeitlich gestoppt werden müssten, weil mittendrin das Geld ausgeht und die Technik an der Baustelle bis zu einer Entscheidung ungenutzt herumsteht.Für den üblichen Weg, das Problem zunächst in den zuständigen Fachausschüssen der Bürgerschaft beraten zu lassen, sei wegen der drohenden Stillstandskosten keine Zeit, sagte der Tiefbau-Chef im Rathaus, Stephan Bogusch. Es sei Eile geboten.

Grund für den Kostenanstieg ist Bogusch zufolge der Umstand, dass in den 30er-Jahren beim Bau der Ostmole allerhand Unrat dazu verwendet worden sei, den Grund zu befestigen. Bisher war man anhand alter Baupläne davon ausgegangen, dass ein im Wasser zur Grundbefestigung versenktes Weidengeflecht mit Hilfe von speziellen Steinpackungen unter Wasser fixiert worden ist. Bogusch: „Das ist aber nicht der Fall. Stattdessen ist damals dafür alles genommen worden, was irgendwo herumlag.“

Nach den vielen Jahrzehnten im Sund hat sich das Gerümpel mit Schlamm vermengt und bildet nun eine zwei Meter mächtige Schlickschicht. Der Boden müsse entfernt und wegen erhöhter Schadstoffwerte auf einer Deponie entsorgt werden, was so bisher ebenfalls nicht eingeplant worden ist.

Zur Finanzierung der Mehrkosten von 500 000 Euro hofft die Stralsunder Stadtverwaltung auf Fördermittel von der Landesregierung, mit denen nach Möglichkeit bis zu 90 Prozent der Summe beglichen werden sollen. In diesem Fall müsste die Stadtverwaltung lediglich 50 000 Euro aus der eigenen Kasse bereitstellen.

Ob das Geld vom Land wirklich kommt, ist allerdings ungewiss. In einem Brief an die Stadtverwaltung teilte das für die Vergabe der Fördergelder zuständige Landesförderinstitut bereits vorsorglich mit, dass „eine Nachfinanzierung nur dann in Betracht kommt, wenn die Zuwendungsvoraussetzungen weiter vorhanden sind, eine anderweitige Finanzierung unzumutbar“ ist und „die kommunale Körperschaft die Umstände, die zur Nachfinanzierung führen, nicht zu vertreten hat“.

Bogusch hält die Argumente der Hansestadt indes für gut genug, „um das Landesförderinstitut zu überzeugen“, wie er sagte.Peter van Slooten, SPD-Fraktionschef in der Bürgerschaft, warnte davor, dass das Landesförderinstitut durchaus auf die Idee kommen könnte, kritisch nachzufragen, warum die Stadtverwaltung die jetzt zutage getretenen Schwierigkeiten nicht bereits vor dem Baustart herausbekommen hat.

Benjamin Fischer