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MV aktuell So teuer wird der Klimawandel in MV
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06:51 06.11.2019
Ein Traktor wirbelt bei der Feldarbeit bei Jürgenshagen eine große Staubwolke auf. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Rostock

Agrar, Wald, Küstenschutz – um die Folgen des Klimawandels in Mecklenburg-Vorpommern abzumildern, werden Millionensummen fällig.

Hier kommt eine Übersicht über die Bereiche Landwirtschaft, Wald, Küstenschutz, Artenschutz und Gesundheit:

Landwirtschaft

Kaum eine Berufsgruppe hängt so vom Klima ab wie die Landwirte. Da sie die Zutaten für unser täglich Brot anbauen, wirkt sich der Klimawandel auch auf die Lebensmittelproduktion aus. So können große Hitze und schnelle Temperaturwechsel die Qualität des Weizens beeinträchtigen. Bestimmte Schädlinge oder Unkrautarten machen den Nutzpflanzen stärker zu schaffen.

Die jährlichen Schäden infolge von Klimaextremen lagen in den letzten Jahren deutschlandweit bei durchschnittlich knapp 500 Millionen Euro pro Jahr. In besonders trockenen Jahren wie 2018 können die Schäden noch deutlich höher ausfallen.

Die Landwirte in MV hatten 2018 insgesamt 42 Millionen Euro an Dürrehilfen beantragt. Nehmen Extremereignisse wie Trockenheit, Stürme oder später Frost im Zuge des Klimawandels zu, wird auch die Landwirtschaft vermehrt von Ernteschäden oder -ausfällen betroffen sein.

2 Quelle: dpa

„Um den veränderten klimatischen Bedingungen besser Rechnung tragen zu können, benötigen wir widerstandsfähigere Pflanzen“, sagt Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes MV. „So können durch spezielle Züchtungen neue Pflanzen entstehen, die sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe fertigwerden.“

Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des Naturschutzverbands BUND, empfiehlt den Bauern dagegen, auf regionale Arten zu setzen, die mit dem Klimawandel besser umgehen können, wie gut angepasste Kartoffelsorten. Cwielag bringt auch andere Anbaumethoden ins Gespräch: „Wir brauchen organische Düngung mit Mist und Kompost, um mehr Humus zu bilden.“ Humusbildende Arten wie Kleegras sollten in die Fruchtfolge eingebaut werden. „Solche Böden halten die Feuchtigkeit besser und sind widerstandsfähiger gegen den Klimawandel“, so Cwielag.

Mehr dazu: „Es ist brutal“ – Landwirtin aus Woldegk über trockene Felder und Boden wie Beton

Wald

Weil es öfter und heftiger stürmt, weniger regnet und sich immer mehr Schädlinge ausbreiten, ist der Wald gestresst. Massive Schäden sind die Folge. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte im September bis zu 800 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren in Aussicht, um 180 000 Hektar geschädigte Fläche – mehr als 250 000 Fußballfelder – wieder zu bepflanzen, vor allem mit Mischwäldern, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. 3,5 Millionen davon gehen nach MV.

Quelle: dpa

Auch die Gefahr von Waldbränden steigt. Bei Lübtheen brach Ende Juni der größte Waldbrand in der Geschichte von MV aus. Die Brandschäden werden auf 15 Millionen Euro geschätzt. Weil im Zuge der Brandbekämpfung Mängel in der Ausrüstung der Feuerwehren deutlich wurden, soll in MV auch neue Löschtechnik angeschafft werden. Kosten hierfür: rund 50 Millionen Euro.

Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich legte im Juli eine Studie vor, wonach durch weltweite Aufforstung von einer Milliarde Hektar Wald das 1,5-Grad-Ziel des Weltklimarates erreicht werden könnte. Für MV würde das umgerechnet rund 200 000 Hektar bedeuten, etwa die doppelte Fläche Rügens. Bei geschätzten Kosten von rund 2000 Euro pro Hektar bräuchte man dafür also rund 400 Millionen Euro.

Experten reden übers Klima

Die OSTSEE-ZEITUNG und die Uni Rostock laden am Mittwoch, dem 6. November um 20 Uhr zu einer Klima-Debatte ins Foyer des Rostocker Konrad-Zuse-Hauses (Albert-Einstein-Str. 22). Wie verändert der Klimawandel unser Leben? Wie weit ist die künstliche Photosynthese? Sollten Kreuzfahrten verboten werden? Über diese und andere Fragen diskutieren unter anderem der Schweriner Agrarminister Till Backhaus, Bauernverbands-Präsident Detlef Kurreck, Aida-Vize-Chef Hansjörg Kunze und „Fridays for Future“-Aktivistin Pia Hornung.

Küstenschutz

Durch die weltweit steigenden Temperaturen schmelzen die Polkappen. Die Folge ist ein Anstieg des Meeresspiegels. In seinem neuesten Bericht rechnet der Weltklimarat mit 0,6 bis 1,10 Metern bis zum Jahr 2100.

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Das hat auch auf die Küste von MV unmittelbare Auswirkungen. „Die Küste wird wesentlich anders aussehen, als wir sie heute kennen. Wir müssen deshalb erheblich mehr tun als bisher. Und wir müssen jetzt anfangen“, sagt Klimaforscher Laurens Bouwer vom angesehenen Helmholtz-Zentrum in Geesthacht. Bisher ist der Hochwasserschutz für Pegel von 1,50 Meter über Normal ausgerichtet. Das könnte schon in ein paar Jahrzehnten nicht mehr ausreichen.

Küstenschutzmaßnahmen am Deich am Strandbad in Greifswald-Eldena Quelle: Martina Rathke

Aktuell laufen zehn Küstenschutzvorhaben in MV, das Land gibt jährlich 20 Millionen Euro für Küsten- und Hochwasserschutz aus. „Handlungsbedarf gibt es noch beim Schutz zahlreicher bebauter Gebiete, zum Beispiel in Wismar, Rostock, Barth, Prerow, Ummanz, Peenemünde und Ueckermünde“, sagt Umweltminister Till Backhaus (SPD). Seit 1991 hat MV insgesamt 450 Millionen Euro in den Küstenschutz investiert. Davon stammten 22 Millionen aus dem Sonderrahmenplan zur Anpassung an den Meeresspiegelanstieg.

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Artenschutz

Der Klimawandel kann die Artenvielfalt in MV verändern: Tiere und Pflanzen, die es kühler mögen, werden möglicherweise verschwinden; Arten, die Wärme bevorzugen, wandern zu.

Manche Arten können eigentlich gut mit Klimaveränderungen umgehen. Da der Klimawandel sich aber so schnell vollzieht, sind Experten zufolge selbst anpassungsfähige Vogelarten wie Kohlmeise, Rauchschwalbe und Elster langfristig bedroht. Mit der Wärme können zudem Arten zu uns kommen, die Krankheiten mitbringen – wie die asiatische Tigermücke, sie ist Überträgerin gefährlicher tropischer Viren.

Eine junge Kegelrobbe Quelle: Elke Körner

Auch in der Ostsee hat der Klimawandel Folgen, erklärt BUND-Chefin Cwielag: „Es gibt Verschiebungen in den Jahresabläufen verschiedener Arten. Dadurch kann es passieren, dass Beute und Räuber nicht mehr gleichzeitig vor unserer Küste anzutreffen sind.“

Als Beispiel nennt Cwielag den Hering und die Robbe: Der Hering laicht in wärmerem Wasser früher. Die Robbe, die den Hering zur Aufzucht ihrer Jungen braucht, kommt aber zu ihrer gewohnten Zeit – der Hering ist dann schon weitergezogen.

Mehr dazu: Ostsee-Kegelrobben kehren zurück

Gesundheit

Auch der Mensch leidet unter dem Klimawandel. Bei höheren Temperaturen sterben mehr Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Die Sterberate bei Hitzewellen kann sich um zwei bis drei Prozent erhöhen“, sagt Elke Hertig, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Uni Augsburg (Bayern).

Als Folge könnten auch in MV für Millionensummen mehr Klimaanlagen installiert werden, um wenigstens in Innenräumen für Abkühlung zu sorgen. Das wiederum erhöht den Energieverbrauch, der – wenn die Energie aus fossilen Energieträgern stammt – für den Klimawandel mitverantwortlich gemacht wird.

Quelle: Tilo Wallrodt

Das andere Extrem sind die erwarteten häufigeren Starkregenereignisse: Sie können dazu führen, dass die Schimmelgefahr in Wohnungen und Kellern steigt. Schimmel kann verschiedene Krankheiten auslösen oder verstärken, wie Allergien, Hautreizungen, Atemwegs- oder Herzkrankheiten.

In der Ostsee vermehren sich Blaualgen bei warmen Wasser besser. Das gilt auch für die gefährlichen Vibrionen – Bakterien, die tödliche Infektionen auslösen können. In diesem Jahr starben daran in MV zwei Badegäste.

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Von Axel Büssem

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