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MV aktuell Krebsessen auf Schloss Ulrichshusen mit Musik und Promis
Nachrichten MV aktuell Krebsessen auf Schloss Ulrichshusen mit Musik und Promis
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17:12 25.08.2019
Begrüßung am Schlosstor: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (2.v.l.) mit Ehemann Stefan Schwesig (l.), Festspielintendant Markus Fein (3.vorn) und Helmuth und Alla von Maltzahn. Quelle: Oliver Borchert
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Ulrichshusen

„Misirlou“ ist ein griechisches Volkslied, das die wenigsten Menschen außerhalb von Griechenland beim Namen kennen. Die meisten aber – zumindest Cineasten – kennen seine Melodie. „Misirlou“ hat es mit seinem rasenden Tempo zwar nicht, wie der argentinische Tango, in die bürgerlichen Kreise gebracht. Aber in einen Film, der Kinolegende ist, auch wenn zu vermuten ist, dass von den mehr als 500 Gästen in der Festpielscheune Ulrichshusen ein Großteil nicht gerade Zielgruppe von Quentin Tarantino ist. Der Song setzt in dessen Zweitwerk „Pulp Fiction“ ein, direkt nachdem Tim Roth als Kleinganove Pumpkin auf den Tisch des Diners springt, seinen riesigen Revolver zieht und schreit: „I love you, Honey Bunny.“

Von Händel bis Gershwin, von Bach bis Chick Corea

Woher man so was weiß? Nun man kann googeln und nächtelang Filme gucken oder man geht einfach mal in die Festspielscheune Ulrichshusen, wenn das Duo Runge & Ammon gerade zu Gast ist. Dort erfährt man, dass „Misirlou“ aus dem Griechischen stammt, aber erst als Intromusik zum Tarantino-Film zu Ruhm gelang. Oder, dass die Übergänge zwischen Georg Friedrich Händels Larghetto aus der Sonate g-moll für Violoncello und Klavier zu George Gershwins Song „It Ain’t Necessarily“ aus der Oper „Porgy and Bess“ ebenso fließend sind wie zwischen Johann Sebastian Bachs Choral „Ich ruf dir zu, Herr Jesu Christ“ und Astor Piazzollas Tango „Milonga del Ángel“.

Mehr als 500 Gäste kamen am Samstag, 24. August 2019 zum traditionellen Krebsessen mit Musik des Barockduos Runge & Ammon aus Berlin und Leipzig.

Das gut einstündige Konzert, das mehr als 500 Gäste auf Einladung der Festspiele MV und der Familie Helmuth und Alla von Maltzhan in der Festspielscheune als traditionelles Dankeschön-Event für Freunde, Förderer, Sponsoren der Klassikreihe erleben durften, war mehr als ein anregend, unterhaltsamer Musiknachmittag, bevor es ans Krebseverputzen ging. Eckart Runge modulierte aus den elf Stücken von Händel, Bach, Gershwin, Christoph Willibald Gluck, Chick Corea, Nikolai Kapustin, Astor Piazzolla und eben dem „Pulp Fiction“-Soundtrack ein äußerst humoriges und lehrreiches Musikkurzseminar. Eine Lehrstunde in Sachen Musikvermittlung und ein launiger Spaziergang durch die Musikgeschichte. Zwischen Barock und Blues passt eben mehr als ein Notenblatt und die Sprache der Musik bleibt unendlich.

Konzert zum Krebsessen als musikalisches Experimentierfeld

Die Festspielscheune in Ulrichshusen ist mittlerweile einiges gewöhnt, seitdem Lord Yehudi Menuhin (1916-1999) sie 1994 in Betrieb nahm. Die großen Orchester dieser Welt haben dort unter Leitung großer Komponisten die großen Werke der Klassik durchgeholt. Doch seit einigen Jahren nutzt Intendant Markus Fein die ehrwürdige Location vor dem Krebsessen durchaus als Experimentierfeld. 2018 gab es ein Kammermusikfest mit Nils Mönkemeyer, das sich vor Brahms und Dvořák verneigte. Vor zwei Jahren nahm der Percussionist Alexej Gerassimez die Bude akustisch auseinander, auch da gab es mit der Jazz-Improvisation „Spectre“ schon mal Chick Corea. 2016 verneigte sich die norwegische Geigerin Vilde Frang dort vor den Meistern ihres Fachs und 2015 gar gab es mit Quatuor Ébène ein ganzes Jazzfest.

30 Jahre Friedliche Revolution, 25 Jahre Festspielscheune Ulrichshusen

Nun also ein musikalischer Spaziergang, bevor es zum Spaziergang aufs Schloss samt Sehen, Gesehen-werden, Genießen und Genießen-lassen ging. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte in ihrer kurzen, süffigen Rede die Gäste und schrieb dem Intendanten eine Eins mit Sternchen ins Klassenbuch: „Sie schaffen jedes Jahr 190 Konzerte und haben in dieser Saison bisher schon 44 000 Besucher. Und alle, die ich getroffen habe, waren begeistert. Die wenigsten Menschen schaffen es in ihrem Job, dass alle begeistert sind. Sie schaffen das!“ Tja, Augen auf bei der Berufswahl.

Markus Fein verwies darauf, dass mit dem Jubiläum 30 Jahre Friedliche Revolution in Ostdeutschland in diesem Jahr auch das Jubiläum 25 Jahre Festspielscheune Ulrichshusen ansteht. Und dass die Kultur den Osten und den Westen der Republik weiterhin verbindet. Die Festspiele stehen exemplarisch dafür. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg sagte dazu: „Die Strahlkraft der Festspiele über die Landesgrenzen hinweg ist nicht genug wertzuschätzen. Eine gute Möglichkeit, hier zusammenzufinden, gemeinsam Kultur zu genießen.“

Melange aus Klassik, Jazz, Event und kulinarischem Hochgenuss

Krebse gab es satt. Eine Dame brachte es auf 30 verzehrte Exemplare, die mit Weißwein nachgespült wurden. An den runden Stehtischen und langen Bänken klimperten die Gläser bis in den späten Abend. Die Melange aus Klassik, Jazz, Event und kulinarischem Hochgenuss zwischen mächtigem Holzgebälk in der Scheune und vor dicken Quadern am Schloss bei einem lauen Sommerabend gefällt dem Publikum seit Jahren. Was sie nicht nur an lauten Bravorufen während des Konzerts, sondern auch bei spontanen Klatschattacken während des Fests, lautstarken Diskussionen, noch lauterem Gelächter und leuchtenden Augen bis weit nach Mitternacht zeigten.

Impressionen vom Konzert in der Straßenbahnwerkstatt Schwerin.

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Von Michael Meyer und Juliane Lange

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