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MV aktuell „Kreuzfahrt ist nach wie vor ein Nischenprodukt“
Nachrichten MV aktuell „Kreuzfahrt ist nach wie vor ein Nischenprodukt“
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11:53 26.03.2018
Ende 2017 wurde ein 120 Meter langer und 19 Deck hohen Heckteil der „Aidanova“ auf der Meyer Werft in Papenburg ausgedockt. Quelle: Foto: Werft/dpa
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Rostock/Berlin

Knapp 2,2 Millionen Deutsche haben 2017 eine Kreuzfahrt unternommen. Felix Eichhorn, Chef von Deutschlands größter Kreuzfahrtreederei Aida Cruises mit Sitz in Rostock, erklärt, warum das Wachstum anhalten wird – und warum die Kreuzliner immer größer werden.

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Kreuzfahrten verzeichnen weiter ein kräftiges Wachstum. Wie lange geht das noch so weiter?

Felix Eichhorn: Kreuzfahrten haben nach wie vor ein starkes Wachstumspotenzial. Neue Schiffe, die wir auf den Markt bringen, werden stark angenommen. Das zeigt, dass es mehr Nachfrage gibt, als Angebot da ist. Ein weiterer Indikator sind die steigenden Preise. Der Markt hätte im vergangenen Jahr sogar noch stärker wachsen können. Und eine Sache darf man auch nicht übersehen: Mit 2,2 Millionen Kreuzfahrt-Gästen sind wir angesichts von 70 Millionen Urlaubsreisen in Deutschland nach wie vor ein Nischenprodukt.

Sie sagen, Sie hätten noch stärker wachsen können . . .

Ja, wir hätten mehr Angebote machen können, wenn wir mehr Kapazitäten gehabt hätten. In bestimmten Reisezeiträumen und Destinationen haben wir sehr früh sehr hohe Buchungszahlen gehabt.

Wie wird die Entwicklung weitergehen, wie schnell wird die Drei-Millionen-Marke geknackt?

Wir gehen davon aus, dass wir innerhalb von drei bis vier Jahren die Drei-Millionen-Marke erreichen können. Das Wachstum hat sich deutlich beschleunigt. 2009 haben wir die eine Million erreicht. 2016 unternahmen erstmals mehr als zwei Millionen Gäste eine Kreuzfahrt. Der Zeitraum, bis wir die drei Millionen erreichen werden, wird deutlich kürzer sein.

Die Reedereien stellen ein neues Schiff nach dem anderen in Dienst, allein in diesem Jahr sind es 16. Wird Ihnen da nicht Angst und Bange?

Alle Kreuzfahrtschiffe zusammen haben weniger als zwei Prozent der weltweiten Hotelkapazität. Selbst bei weiterem Wachstum werden wir noch lange nicht von zwei auf zehn Prozent springen.

Zudem kommen nicht alle neuen Schiffe nach Deutschland, diese verteilen sich weltweit auf verschiedenste Märkte. Auch deshalb sehen wir keine Probleme auf die Kreuzfahrtindustrie zukommen. Es wird natürlich jede Reederei immer die Aufgabe haben, neue Zielgruppen für sich zu erschließen. Ich bin jetzt seit rund 20 Jahren in der Branche, und da gab es immer wieder die Frage, wann das Wachstum aufhört. Wir haben immer zeigen können, dass es weiter nach oben geht.

Sie stellen mit der „Aidanova“ in diesem Jahr das erste Schiff in Dienst, das komplett mit Flüssiggas (LNG) fahren kann. Unternimmt die Branche genug in Sachen Umweltschutz?

Aida Cruises hat vor zehn Jahren angefangen, sich mit LNG zu beschäftigen. Zunächst haben wir die LNG-Barge in Hamburg getestet, dann kamen mit „Aidaprima“ und „Aidaperla“ die ersten Schiffe, die im Hafen per Lkw mit LNG versorgt werden können, und jetzt „Aidanova“, die komplett mit LNG fahren kann. Für Aida bedeutet das, dass bald die Hälfte unserer Gäste mit Schiffen unterwegs sein wird, die vollständig beziehungsweise im Hafen mit LNG betrieben werden können.

Die „Aidanova“ wird im Spätherbst eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Ist jetzt irgendwann mal ein Schlusspunkt erreicht?

Diese Frage haben wir schon im Jahr 1996 gestellt bekommen, als wir „Aidacara“ mit ihren 600 Kabinen in Dienst gestellt haben. Das ist heute unser kleinstes Schiff. Bei „Aidaprima“ hatten wir wieder eine ähnliche Diskussion. Es gibt aber einfach eine Nachfrage nach verschiedenen Schiffen und nach verschiedenen Größen von Schiffen. Deshalb behalten wir eben auch diese Vielfalt bei. Wie es weitergeht, ist ein Stück wie in die Glaskugel sehen. Wir bauen letztendlich die Schiffe, von denen wir glauben, dass es eine Nachfrage dafür gibt.

Interview: Michael Zehender

Ein Mann mit reichlich Erfahrung

Felix Eichhorn ist seit dem Jahr 2015 Chef von Aida Cruises und folgte damit auf Michael Ungerer. Er ist zudem Vorsitzender des Ausschusses Schiff des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Eichhorn begann seine Laufbahn 1999 mit einem dualen Studium der Betriebswirtschaft. Im Jahr 2013 übernahm er als Senior Vice President die Verantwortung für Vertrieb und die Ertragssteuerung von Aida Cruises sowie Costa Kreuzfahrten

in Deutschland.

OZ