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MV aktuell Kriminelle werfen Brandsatz auf Rostocker Stadtautobahn
Nachrichten MV aktuell Kriminelle werfen Brandsatz auf Rostocker Stadtautobahn
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00:00 13.09.2017
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Rostock

Der ADAC und die Polizei sprechen von einer „neuen Dimension“ der Gewalt auf den Straßen im Land: In Rostock haben bislang unbekannte Täter versucht, mit einem Molotow-Cocktail vorbeifahrende Autos in Brand zu setzen. Ein 36-Jähriger entging dem Brandgeschoss, das von einer Brücke auf die Stadtautobahn nach Warnemünde geschleudert wurde, nur knapp. Die Kripo ermittelt nun wegen versuchten Totschlags. Genaue Zahlen können die Behörden im Land zwar nicht nennen, aber: Immer wieder gab es zuletzt Wurf-Attacken auf Autos in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Vorfall in Rostock ereignete sich nach Angaben von Polizeisprecherin Isabel Wenzel am Montagabend kurz vor 21 Uhr. Von einer Fußgängerbrücke zwischen den Stadtteilen Schmarl und Evershagen flog das Brandgeschoss auf die Fahrbahn. Ein 36 Jahre alter Rostocker konnte mit seinem Toyota dem Molotow-Cocktail im letzten Moment ausweichen, der Brandsatz landete auf der Fahrbahn. Die Ermittler hätten – so Wenzel – am Tatort Scherben und Spuren einer brennbaren Substanz sichergestellt, die Analyse laufe auf Hochtouren.

„Wer einen Brandsatz auf die Autobahn wirft, nimmt ganz klar den Tod von Menschen in Kauf. Eine solche Tat muss verfolgt und geahndet werden“, sagt Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa. Die Experten des Automobilclubs empfehlen, Autobahnbrücken regelmäßig auf lose Gegenstände wie Steine oder Hölzer zu kontrollieren und diese zu entfernen. Am Ostersonntag 2008 war eine 33 Jahre alte Mutter auf der A 29 bei Oldenburg (Niedersachsen) durch einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz getötet worden, der von einer Brücke flog. Sie hinterließ zwei Kinder. Auch in MV gab es ähnliche Vorfälle: 2013 wurde in Rostock ein Reisebus mit 20 Urlaubern an Bord mit Schottersteinen beworfen. Im März 2015 warfen Unbekannte einen Holzklotz von einer Brücke auf die A 19 bei Laage. Das Geschoss schlug in ein Auto ein, die beiden Insassen entgingen nur knapp ihrem Tod. Allein das Polizeipräsidium Neubrandenburg registrierte in diesem Jahr 88 Fälle von gefährlichen Eingriffen in den Straßenverkehr. Im Januar wurde in Neubrandenburg ein Pkw mit Teigbrocken beworfen, im Mai flog eine Flasche auf einen Golf in Greifswald, im Juli wurden in Ribnitz-Damgarten Autos mit Wasserbomben beworfen. „Das Phänomen ist nicht neu, aber einen Brandsatz zu bauen und auf Autos zu werfen – das hat ganz andere Ausmaße“, so die Neubrandenburger Polizeisprecherin Nicole Buchfink.

Andreas Dillmann, Verkehrspsychologe bei der Dekra in Rostock, will dennoch nicht von einer Zunahme des Gewaltpotenzials im Straßenverkehr sprechen: „Es handelt sich bei diesen Vorfällen um Einzeltäter, die aus der Anonymität heraus den Kick suchen.“ Die Polizei müsse die Täter schnellstmöglich ermitteln, die Wiederholungsgefahr sei groß.

Andreas Meyer

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