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MV aktuell Kritik am „Bestmenschen“: Brodkorb gibt Tipps zum Umgang mit der AfD
Nachrichten MV aktuell Kritik am „Bestmenschen“: Brodkorb gibt Tipps zum Umgang mit der AfD
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18:35 23.09.2019
Der frühere Landesfinanzminister Mathias Brodkorb (SPD) hat sich zum Umgang mit der AfD geäußert. (Archivfoto) Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Er hat seine neue Rolle gefunden: Mathias Brodkorb, im Frühjahr nach Zoff mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (beide SPD) zurückgetretener Finanzminister des Landes, verfasst hin und wieder nachdenkliche Artikel im Magazin „Cicero“. In der aktuellen Ausgabe prägt er den Begriff des „Bestmenschen“ als Steigerung des Gutmenschen. Des Bestmenschen gegen rechts.

Dabei teilt Brodkorb durchaus gegen Vertreter seiner eigenen Partei aus, wenn er davor warnt, im Kampf gegen das Rechtsextreme zu überziehen, die AfD permanent als „Wiedergeburt der NSDAP“ entlarven zu wollen. Wahrscheinlicher sei doch, dass die AfD großen Zuspruch finde, weil Wähler den Staat, seine Institutionen und gesellschaftliche Eliten „aus tiefstem Herzen verachten“.

Vorwurf: Sie messen mit zweierlei Maß

„Während sich der Gutmensch lediglich in seinem Lebensgefühl behaglich eingerichtet hat, ist daraus beim Bestmenschen ein Überlegenheitsgefühl mit missionarischem Anspruch geworden“, urteilt Brodkorb. Als Beispiele nennt er den Umgang mit Äußerungen von Sänger Herbert Grönemeyer während eines Konzertes gegen rechts oder ein ZDF-Interview mit dem thüringischen AfD-Chef Björn Höcke, in dem der Interviewer ehrgeizig versuchte, den alternativen Rechtsausleger zu entlarven.

Brodkorb mahnt: Mal angenommen, es wäre umgekehrt. Höcke „in einer miefigen Halle vor 10 000 ausflippenden AfD-Anhängern“ mit Grönemeyers Satz: „Wenn Politiker schwächeln ..., dann liegt es an uns zu diktieren, wie ne Gesellschaft auszusehen hat.“ Ja, dann wäre „die Hölle los gewesen“, schlussfolgert der SPD-Philosoph, der den Bestmenschen vorwirft, mit zweierlei Maß zu messen.

Brodkorb prägte den Begriff bereits 2009

Seine Botschaft: „Etwas mehr Maß und Mitte, ... – gepaart mit einem Schuss Demut und der Preisgabe der doppelten Maßstäblichkeit.“ Das wird nicht jeder in der SPD gern hören.

Neu ist der Brodkorbsche Bestmensch indes nicht. Bereits 2009, in Vor-Minister-Zeit, sinnierte er auf der Internet-Plattform Endstation rechts: „Doch in Wahrheit agieren im ,Kampf gegen Rechts’ häufig nicht nur Gut-, sondern sogar Bestmenschen. Es geht nicht mehr nur darum, das Richtige zu tun, sondern darum, allein darüber zu bestimmen, was das Richtige sei. Aus dem Sendungsbewusstsein wird ein Überlegenheitsgefühl.“

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