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MV aktuell Kritik an Negativ-Liste des BUND
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00:00 30.12.2015
Die größten Umweltprobleme in MV bleiben die Landwirtschaft, die vor allem die Gewässer belastet, sowie die Verkehrspolitik.“Corinna Cwielag, Landesgeschäfts- führerin BUND MV Quelle: C. Kettler
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Schwerin

Der Ausbau der B 96n auf Rügen war nach Ansicht der Umweltorganisation BUND die größte Umweltsünde 2015 in MV. „Die Bundesstraße begräbt 100 Hektar Boden unter Asphalt, davon 13 Hektar Wald“, begründete der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland seine Wahl. Mehr als 100 Alleebäume seien gefällt worden. Der 14 Kilometer lange Südabschnitt der B 96n war am 8. Dezember freigegeben worden.

Matthias Ogilvie, Hotelier in Lohme und Tourismus-Sprecher der Industrie- und Handelskammer für Rügen, entgegnet: „Die B 96n ist absolut notwendig. Es hilft der Umwelt nicht, wenn Urlauber und Mitarbeiter im Tourismus stundenlang im Stau stehen.“ Zum Vorwurf des BUND zu den gefällten Bäumen sagte Ogilvie: „Straßenbäume sind von Menschen angepflanzt und können an anderer Stelle wieder neu gepflanzt werden.“

Für seine Jahresbilanz 2015 hat der BUND eine Negativ- und eine Positivliste erstellt. Auf der Negativseite steht neben der B 96n das Spritzen von Pestiziden gegen den Eichenprozessionsspinner vom Hubschrauber aus. Mehr als 600 Hektar Eichenwälder und Eichenalleen in Südwestmecklenburg seien aus der Luft mit giftigen Bioziden besprüht worden — während der Brutzeit der vom Aussterben bedrohten Schreiadler, sagte BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.

Dritter Punkt auf der Negativliste ist der Umgang der Behörden mit dem Ethanolskandal der Zuckerfabrik Anklam an der Peene. Im September flossen etwa eine Million Liter Ethanol in das Schutzgebiet der Peene und führten zu einem Massensterben von Fischen.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) widerspricht: „Der Vorfall an der Peene war keine Umweltkatastrophe. Es war ein schlimmes Schadensereignis, aber regional begrenzt.“ Bereits nach wenigen Tagen hätten Proben ergeben, dass sich das Ethanol vollständig verflüchtigt habe. „Für mich war 2015 ein positives Jahr für den Naturschutz“, betonte Backhaus. So habe sich der Zustand der Wälder weiter stabilisiert und der ehemalige Truppenübungsplatz Lübtheen (Kreis Ludwigslust-Parchim) sei zum Nationalen Naturerbe erklärt worden.

Wichtige Erfolge für Natur und Umwelt sieht auch der BUND: 270 Eichen an der Müritz-Elde-Wasserstraße in der Lewitz und 65 Linden in Warnow (Nordwestmecklenburg) seien durch die Änderung von Bauprojekten gerettet worden. Erleichterung gab es über die gestoppten Pläne für Massentierhaltungsanlagen in Keez und Gallin im Kreis Ludwigslust-Parchim. Insgesamt zieht der BUND daher eine gemischte Umweltbilanz 2015 für MV: „Die größten Probleme bleiben die Landwirtschaft, die vor allem die Gewässer belastet, sowie die Verkehrspolitik“, sagte Cwielag. Es sei ein „Umweltdesaster“, dass im dünn besiedelten MV ein so dichtes Netz von Straßen gebaut werde. „Gleichzeitig wird der öffentliche Verkehr immer weiter abgebaut“, sagte Cwielag.

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Schweriner Landtag, Jürgen Suhr, stimmt zu: „Der BUND legt die Finger an den richtigen Stellen in die Wunde.“ Das Umweltsündenkonto der Landesregierung sei noch weit größer, meinte Suhr: „Nach wie vor wird in MV der Einsatz von Tausenden Tonnen Glyphosat in der Landwirtschaft toleriert, obwohl der Stoff vermutlich krebserregend ist.“ Minister Backhaus toleriere zudem trotz anderslautender Rechtssprechung weiterhin, dass Sauen in der Massentierhaltung viel zu wenig Platz hätten, sagte Suhr. „Verantwortungsvolle Umweltpolitik sieht anders aus.“

Verkehr kontra Umwelt
18 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands entstehen laut BUND durch den Verkehr. Mit 95 Prozent habe der Straßenverkehr daran den weitaus größten Anteil. Alleine die Emissionen des Güterverkehrs auf den Straßen stiegen laut Umweltbundesamt seit 1995 um 13 Prozent. Wenn die B 96n fertig ist, sollen auf ihr täglich 13000 Fahrzeuge zusätzlich fahren. Für den Bau wurden laut BUND 100 Alleebäume gefällt, 13 Hektar Wald gerodet und 170 Hektar Boden überbaut.
Als Alternative zur B 96n hatten Umweltverbände vorgeschlagen, die bestehende B 96 dreispurig auszubauen sowie Rambin und Samtens durch den Bau von Ortsumgehungen zu entlasten. Zusätzlich fordern die Verbände den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auf Rügen.



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