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Kultur Eine Wiederauferstehung
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21:45 04.05.2014
Neuer Tatort-Mann im Team: Die Schauspieler Udo Wachtveitl (Franz Leitmayr, links) Ferdinand Hofer (Kalli Hammermann) und Miroslav Nemec (Ivo Batic) bei den Dreharbeiten für „Am Ende des Flurs“ in München.
Neuer Tatort-Mann im Team: Die Schauspieler Udo Wachtveitl (Franz Leitmayr, links) Ferdinand Hofer (Kalli Hammermann) und Miroslav Nemec (Ivo Batic) bei den Dreharbeiten für „Am Ende des Flurs“ in München. Quelle: Andreas Gebert/dpa
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Rostock

Der München-„Tatort“ hat seit 1991 mit Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batić (Miroslav Nemec) dasselbe Personal, deshalb war es bemerkenswert, dass in der Folge „Am Ende des Flurs“ neben den vertrauten wieder einmal zwei neue Gesichter mitmachen durften: Kalli Hammermann als emsiger Assistent Ferdinand Hofer und Christine Lerch als Fallanalytikerin Lisa Wagner.

Der eine fiel vor allem mit seiner Justin-Bieber-Frisur auf, die andere als Stichwortgeberin für die Alten. Die wirkliche Überraschung stellte aber das Erscheinen eines anderen, noch älteren Fernsehprotagonisten dar: Franz Xaver Kroetz (68) ist aus dem Reich der Legenden aufgetaucht und gab nun den Wiesenwirt, Brauereibesitzer und grantelnden Mitverdächtigen Toni Feistl – mitverdächtig am Mord an einer offenbar erotisch unwiderstehlichen Frau, die zu Lebzeiten einen ganzen Komentenschweif von Verehrern hinter sich hergezogen hat. Kroetz, in den seligen 1980er Jahren als Klatschreporter Baby Schimmerlos in der Dietl-Serie „Kir Royal“ eine Sensation, hat nichts von seinem ruppigen Charme verloren. Wenn er als Feistl den Kommissaren vermitteln will, dass er bei seinen weiblichen Sexualpartnern auf ein gewisses Niveau achte, dann klingt das so: „I hob scho immer Frauen mögn, wo ma übern Zaun steigen muass.“ Oder, im Dialog mit seiner sexuell vernachlässigten Gattin, die mitbekommt, dass die Polizei ihren Toni beäugt: „Geht’s um eine von deinen Schnallen?“, fragt sie und wünscht: „Hoffentlich kriegst ein Aids.“ Er ganz kühl: „Aber anstecken werd’ ich dich nimma.“

Der Fall selbst hatte dann doch ein paar Klischees zu bieten, es war einer von jenen, bei denen ein Kommissar (Leitmayr) mit dem Opfer einmal intim war. Dafür gibt’s einen Drehbuch-Bausatz, den auch Regisseur Max Färberböck benutzte: Der Mann wird vom Fall abgezogen, er ermittelt aber klandestin weiter und rollt die Sache so auf, dass er am Ende mit seinen Kollegen, die von der entgegengesetzten Seite aus die Mordsache bearbeiten, beim Showdown gegenübersteht. Leitmayr, so sentimental und aggressiv wie selten, lief nur noch wie ein gerupftes Huhn herum, während sein Freund Batić die Reihe der zwielichtigen Liebhaber abklopfte. Und dann wurden wir Fernsehzuschauer selbst Opfer der eisernen „Tatort“-Regel: Die Person, die letztlich des Mordes überführt wird – hier sogar eines grausamen Doppelmordes – war zuvor völlig unverdächtig, eher eine Randfigur. Wieder einmal!

Die Apothekerin, Nachbarin der promiskuitiven Dame vom Ende des Flurs, erwies sich plötzlich als Psychopathin und stieß auch noch dem braven Leitmayr das Messer zwischen die Rippen. Da lag er nun in seinem Blute, würde er je wieder aufstehen? Keine Sorge: Es ist nicht bekannt, dass Udo Wachtveitl aus dem München-Tatort aussteigen will. Immerhin: Dass Franz Xaver Kroetz für eine Episode auferstehen durfte, dafür gebührt dem Regisseur großer Dank. 



Michael Berger

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