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Kultur Über Loyalität und Vertrauen
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21:45 13.09.2015
Margarita Broich als Kommissarin Anna Janneke und Wolfram Koch als Kommissar Paul Brix in einer Szene des Tatort-Krimis „Hinter dem Spiegel“
Margarita Broich als Kommissarin Anna Janneke und Wolfram Koch als Kommissar Paul Brix in einer Szene des Tatort-Krimis „Hinter dem Spiegel“ Quelle: Hr/degeto/bettina Müller/dpa
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Rostock

Der zweite Fall des neuen Frankfurter Teams verlangt nicht nur den Ermittlern, sondern auch den Zuschauern einiges ab. Hauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich)

bekommt es mit der Mafia, einem angeblichen Selbstmord und einem verschwundenen Kollegen von der Sitte zu tun und versucht gleichzeitig, Licht in die dunkle Vergangenheit ihres Partners Paul Brix (Wolfram Koch) zu bringen.

Zwar hat das eine irgendwie mit dem anderen zu tun, wird aber leider so verworren erzählt, dass der Zuschauer sich entweder auf einen Handlungsstrang konzentriert oder Gefahr läuft, komplett den Überblick zu verlieren.

Der interessanteste Aspekt des Falls ist die Vergangenheit des einsamen Wolfs Brix. Obwohl so vieles gegen ihn spricht, glauben Anna Janneke und auch Revierchef Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) unerschütterlich an Brix. Letzterer so sehr,

dass er sogar Beweismittel verschwinden lässt.

„Hinter dem Spiegel“ ist ein Film über Loyalität und Vertrauen. Brix will einen Neuanfang. Bessere Kollegen kann er sich dafür nicht wünschen. Doch der Weg zu dieser Erkenntnis ist durchaus steinig. Wie ein Terrier verbeißt sich Anna Janneke in ihre Nachforschungen über Brix und spielt dabei grandios die unbedarfte Frohnnatur („Diese inoffiziellen Ermittlungen sind nichts für mich.“) Begnadet auch Justus von Dohnanyi als Revierchef Wolfgang Preiss. Auf den ersten Blick bieder und korrekt, auf den zweiten jedoch der skrupelloseste Beamte, den der Tatort seit langem gesehen hat.

Die Ermittler sind so unterhaltsam mit sich und ihrer Vergangenheit beschäftigt, dass der eigentliche Fall um Bestechung und Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Freizeitpark „Fun City“ zur Nebensache wird. Dass der Pate der Russenmafia eine Frau ist, wird als amüsantes Detail registriert, wer aber nun wen warum umbringt, bleibt nebulös und ist irgendwie auch fast egal.

Hauptsache ist doch, dass am Ende klar ist: Brix ist doch einer von den Guten. Frankfurt darf sich über ein tolles Tatort-Team mit Ecken und Kanten freuen, dass prima zu dieser Stadt passt.



Grit Petersen

08.09.2015
06.09.2015