Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Überfrachtet
Nachrichten MV aktuell Kultur Überfrachtet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:45 27.04.2014
Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) findet in seinem Freund und Kollegen Jan Katz (Sebastian Schipper) einen Zuhörer und Ratgeber.
Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) findet in seinem Freund und Kollegen Jan Katz (Sebastian Schipper) einen Zuhörer und Ratgeber. Quelle: NDR/Boris Laewen
Anzeige
Rostock

Ach Falke, was hast du getan? Die alten Kollegen verlassen und als Chef einer Ermittlungsgruppe bei der Bundespolizei eingestiegen, wie sollte das gutgehen? So oder ähnlich mag mancher gestöhnt haben, als der Kaltstart des schnoddrigen Tatort-Kommissars aus dem Norden über den Bildschirm flimmerte. Verdichtete Handlung nennt man das gerne, wenn so ein 90-Minuten-Krimi mehr als drei oder vier Themen abarbeitet. Hier kamen aber gleich ein halbes Dutzend davon zusammen, und nicht immer folgte alles den Gesetzen der Logik oder einer gelungenen Dramaturgie.

Was haben sie uns an diesem Abend alles aufgetischt: Die Schifffahrtskrise mit Fehlinvestitionen in einen Tiefwasserhafen, das Flüchtlingselend der Welt, Kriege in Afrika, Warlords und Waffenschieber, ein bisschen Big Brother, böse Global Player, tödliche HighTech und irgendwie ließ dann auch noch die NSA grüßen, oder zumindest etwas, was aussehen sollte wie die NSA, aber wahrscheinlich etwas ganz anderes war. Aufgeklärt wurde das Geheimnis ohnehin nicht, ebenso wenig wie der ganze Fall. All das war so verwoben, verstrickt und verworren, dass der Zuschauer am Ende mit dicken Fragezeichen in den müden Augen zurückblieb.

Da es zudem kräftig menscheln sollte, musste Ermittler Falke natürlich auch mal etwas mit genau jener Polizistin gehabt haben, die gleich zu Beginn getötet wurde alles nach der Devise: Tragen wir dick auf, dann bleibt was hängen.

Der eine oder andere Schnitzer in der Handlung fiel da schon mehr kaum ins Gewicht. Die Schlüsselszene zur vermeintlichen Lösung des Falles: Falke erkennt sofort, dass der Bösewicht nie und nimmer ein Immobilienmakler sein kann. Woran er das erkennt, bleibt absolut im Dunkeln.

Dass der Krimiabend dennoch nicht völlig in die Hose ging, lag dann wohl auch mehr an den Darstellern als am Plot: Wotan Wilke Möring spielte seinen rotzigen Part gewohnt schnoddrig runter, wer das mag, wurde nicht enttäuscht. Petra Schmidt-Schaller wirkt an seiner Seite ebenso glaubhaft wie erfrischend menschlich, und Ex-Kollege Sebastian Schipper kann gar nicht anders als sympathisch. Er durfte dann auch den letzten und zugleich besten Satz des Abends sprechen: Also, ich brauch jetzt'n Schnaps, sagte er. Und Abspann. Besser so.



Uwe Nesemann

Kultur Tatort-Blitzkritik - Der mit den Toten spricht
21.04.2014
Kultur Tatort-Blitzkritik - Waikiki-Puff im Münsterland
13.04.2014