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MV aktuell Kunst-Geheimtipp Kummerow: Einchecken im „Hotel Raketa“
Nachrichten MV aktuell Kunst-Geheimtipp Kummerow: Einchecken im „Hotel Raketa“
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05:00 22.05.2019
Uwe Schloen: Figurengruppe aus der Kunstinstallion „Hotel Raketa“ in einem Nebengebäude des Schlosses Kummerow.  Quelle: Jan-Peter Schröder
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Kummerow

Hotel Raketa“ ist vielleicht nicht die feinste neue Adresse in Mecklenburg, aber trotzdem – oder besser: gerade deshalb – lohnt es sich unbedingt, dort einmal einzukehren. In dem stark renovierungsbedürftigen Nebengebäude von Schloss Kummerow bei Malchin logiert seit dem Wochenende eine ebenso wundersame wie merkwürdige Gesellschaft: 300 Holz- und Silikonskulpturen aus drei Schaffensjahrzehnten des Bremer Bildhauers Uwe Schloen.

Hinter jeder Tür eine Überraschung

Der international renommierte Künstler hat sie aus einem seiner Lager nach Kummerow geholt und in zwölf Zimmern so sinnvoll untergebracht, dass Besucher hinter jeder Tür neue überraschende Situationen vorfindet. Schloens nur vordergründig naiv wirkende Figuren von Menschen, Engeln, Kindern, Tieren, versehrten und maskierten Gestalten scheinen mit sich selbst beschäftigt und interagieren auf sehr eigene Weise. Sie wirken grotesk, gewitzt und gebrochen, archaisch und postmodern zugleich, ebenso tragisch wie komisch und auf verstörende Weise lebendig.

300 Figuren in zwölf Zimmern: Der Künstler Uwe Schloen hat seine Skulpturen wie Hotelgäste in einem renovierungsbedürftigen Nebengebäude von Schloss Kummerow einquartiert. Wer dort eincheckt, stößt hinter jeder Tür auf neue überraschende Situationen ...

Künstlerisches Panoptikum

Wer durch ihre Räume im „Hotel Raketa“ wandelt, begibt sich in ein künstlerisches Panoptikum, das der glitzernden Waren- und Bilderwelt unserer gefährdeten Spaßgesellschaft ebenso ernsthaft wie humorvoll menschlich Existenzielles entgegensetzt. Und begegnet im Spannungsfeld von Voyeurismus und Einbezogensein möglicherweise sich selbst.

Führungen bei „Kunst offen“

Ermöglicht hat diese sehenswerte „Installation auf unbestimmte Zeit“ der Berliner Kunstsammler Torsten Kunert, der in dem behutsam restaurieren Barockschloss mit weitläufigem Lenné-Park am Kummerower See schon seit drei Jahren eine erstklassige Kollektion zeitgenössischer Fotografie präsentiert. Eine Visite dort gilt hierzulande immer noch als Geheimtipp. Hinter dem Schloss hat Uwe Schloen schon vor zwei Jahren seinen „Friedhof der literarischen Gestalten“ angelegt, wo unter anderem an den armen Gregor Samsa aus Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ erinnert wird. Dazu kommt jetzt – eine Idee des Künstlers, auf die Kunert nach kurzem Zögern bereitwillig eingegangen ist – die komplexe Hotel-Installation, die zu Pfingsten während der alljährlichen Aktion „Kunst offen“ frei zugänglich sein wird. Schloen selbst wird am Pfingstsonnabend zwei Führungen anbieten.

Schlüssel im Schloss

Der Name „Hotel Raketa“ nimmt übrigens Bezug auf ein heruntergekommenes Hotel in Prag, in dem der Künstler in den 80er Jahren selbst einmal abgestiegen war. „Dort verkehrten Leute, die wenig Geld hatten und am Rande der Gesellschaft standen. Artisten, Prostituierte, Outsider, Trinker und all die anderen Freaks, die für wenig Geld ein Dach über dem Kopf brauchten.“ erinnert sich Schloen an diesen Aufenthalt, der ihn nachhaltig geprägt und inspiriert hat. Assoziationen zu Franz Kafka liegen auch hier nahe. Das Prager Hotel ist längst abgerissen, aber in Kummerow erwacht es jetzt zu neuem Leben. Wer möchte, kann sich im Schloss einen großen Puschel-Schlüssel holen, für ein Stündchen einchecken, schauen und staunen.

Fotografische Sammlung Schloss Kummerow, Dorfstraße 114 in 17139 Kummerow. Öffnungszeiten: bis Ende Mai freitags bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Von Juni bis September: Mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Pfingsten zur Aktion „Kunst offen“ am 8. bis 10. Juni freier Eintritt. Führung mit dem Künstler Uwe Schloen durch seine InstallationHotel Raketa“ am 8. Juni um 14 und 16 Uhr.

Uwe Schloen

Uwe Schloenarbeitet seit über dreißig Jahren im Bereich Skulptur und Installation. Der 1958 in Kuhstedt (Niedersachsen) geborene Künstler hat nach einer Ausbildung an der Fachoberschule für Gestaltung in Bremen von 1984 – 87 Bildhauerei und Malerei in Hamburg studiert. Seitdem lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Bremen, ist allerdings immer viel auf Reisen.

Schloens Arbeitenwurden im In- und Ausland ausgestellt und sind Teil zahlreicher öffentlicher und privater Sammlungen. Für die Skulptur „Die Runde“ wurde der Bildhauer mit dem Europäischen Kunstpreis ausgezeichnet. Die Fotografische Sammlung– Schloss Kummerow beherbergt seit 2017 die Außen- installation „Friedhof der literarischen Gestalten“ von Uwe Schloen.

Schloss Kummerow

Die barocke Schlossanlage ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung in Kummerow, Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2016 beherbergt das Schloss eine der führenden fotografischen Privatsammlungen Deutschlands. Die auf zeitgenössische Werke fokussierte Sammlung zeigt die Arbeiten international anerkannter Fotografen u.a. von Wolfgang Tillmans, Hiroshi Sugimoto und Andreas Mühe sowie Aufnahmen namhafter Vertreter der Ostfotografie u.a. Ute und Werner Mahler, Sybille Bergemann und Harald Hauswald.

Jan-Peter Schröder

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