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10:23 03.01.2019
Bansin auf Usedom: Ein Pavillon wurde am Strand vom Sturm und von den Wassermassen erfasst und schwer beschädigt. Die Rettungskräfte sind im Einsatz. Quelle: Tilo Wallrodt
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Rostock

Hochwasser und Zerstörung. Sturmtief „Zeetje“ hatte in der Nacht zum Mittwoch das Land im Griff. Mecklenburg-Vorpommern erlebte eines der schwersten Hochwasser der letzten Jahre. In Warnemünde wurde mit 1,67 Meter über Normal der höchste Pegelstand seit 1954 gemessen.

Drei Menschen wurden verletzt, als sie mit ihren Autos bei Dambeck nahe Röbel (Mecklenburgische Seenplatte) und bei Richtenberg (Vorpommern-Rügen) gegen umgestürzte Bäume fuhren. Die auf das Unwetter folgende Sturmflut hielt am Mittwoch Anwohner und Retter an der Küste zwischen Usedom und Boltenhagen in Atem. Über Nacht sei der Wasserstand allerdings landesweit gesunken und die Lage hat sich am Donnerstag weitestgehend normalisiert.

Straßensperrungen und Überschwemmungen entlang der Ostseeküste

Sturmtief „Zeetje“ fegte teilweise mit Orkanstärke über das Land hinweg und knickte Bäume um. Am Dornbusch auf Hiddensee erreichte der Sturm nach Angaben des Wetterstudios Hiddensee Spitzenwerte von knapp 130 Stundenkilometern, das entspricht Orkanstärke 12.

In Zempin auf der Insel Usedom, wo vor zwei Jahren ein Kiosk bei einer Sturmflut ins Wasser stürzte, ist der im vergangenen Jahr aufgespülte Sand zu großen Teilen wieder ins Meer gerissen worden. Die Aufschüttung kostete rund 550 000 Euro. Ebenfalls auf Usedom wurde ein Festzelt am Strand von Bansin von einer Böe erfasst und vollständig zerstört. Der Schaden wird auf 200.000 Euro beziffert.

In Barth riss „Zeetje“ Ziegel von Hausdächern. In Ralswiek auf der Insel Rügen stürzte ein Baum auf ein parkendes Auto, in Göhren knickte ein Baum auf ein Ferienhaus. Zwischen Karow und Plau am See (Landkreis Ludwigslust-Parchim) riss eine Windböe einen Baum an der B192 um. Ein Autofahrer fuhr gegen den Baum und schob das Geäst gegen einen entgegenkommenden Wagen, der gebremst hatte. Zudem sorgte die im Gefolge des Sturms abgekühlte Luft für glatte Straßen. Auf der A20 ereigneten sich am Mittwochmorgen in der Nähe von Wismar zwei Glätte-Unfälle.

Bei der Bahn verursachte der Sturm Verspätungen und Zugausfälle. Die Zugstrecke Wismar-Bad Kleinen musste wegen Gefahren durch schrägstehende Bäume gesperrt werden. Die Bäume drohten auf die Leitung mit 15 000 Volt Hochspannung zu fallen.

Die Fährverbindungen zwischen Schaprode und Hiddensee sowie in Warnemünde wurden eingestellt.

An den Küsten schlugen Wellen über Strände und Kaikanten. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hatte Wasserstände von bis zu 1,50 Meter vorhergesagt doch das Ostseehochwasser lief am Mittwoch länger und mit höherem Pegelstand als prognostiziert auf. In der Gemeinde Graal-Müritz beschädigte das Hochwasser die Seebrücke. Diese ist bis auf Weiteres gesperrt.

Wismar erlebt mit 1,88 Meter über Normal eine schwere Sturmflut. Dort stand das Wasser teils mehr als 20 Zentimeter auf den Straßen. Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Anwohner erhielten Sandsäcke zum Abdichten ihrer Kellerfenster.

In Rostock schwappte das Wasser über die Warnow. Dort musste die viel befahrene Straße Am Strande gesperrt werden.

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Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht das Land beim Küstenschutz gut aufgestellt. „Die Küstenschutzanlagen des Landes sind für solche Ereignisse gut gerüstet“, sagte Backhaus. „Diese Wasserstände können durch die Küstenschutzanlagen des Landes überall sicher beherrscht werden.“ Die Investitionen des Landes in den Küstenschutz von jährlich fast 20 Millionen Euro zahlten sich aus. In Greifswald wurde das Sperrwerk geschlossen und damit die Stadt vor einem Hochwasser aus dem Greifswalder Bodden gesichert.

Die aktuelle Situation zeige, wie richtig es gewesen sei, das Bauwerk zu errichten, betonte der Minister. Am Nachmittag war der Höhepunkt des Sturmes bereits überschritten, wie Meteorologe Uwe Ulbrich vom Wetterstudio Hiddensee sagte.

In den kommenden Tagen wird das Wetter wechselhaft mit Temperaturen um 6 Grad Celsius.

Martina Rathke / Juliane Schultz