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17:24 24.09.2019
Flüchtlingskinder lernen in einer Klasse der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankfurt (Oder) Deutsch. (Symbolbild)
Flüchtlingskinder lernen in einer Klasse der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankfurt (Oder) Deutsch. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Schwerin

Wegen der gestiegenen Zuwanderung nach Mecklenburg-Vorpommern richtet die Landesregierung ihr Integrationskonzept neu aus. So sollen Migranten unter anderem beim Erlernen der deutschen Sprache mehr unterstützt werden, um ihnen den Weg in Ausbildung oder Beschäftigung zu erleichtern. Kinder in Kitas und Schulen sollen stärker gefördert, der kulturelle Austausch intensiviert werden, kündigte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin bei der Vorstellung des 179 Seiten umfassenden Plans an.

Sport in Vereinen werde bei der gegenseitigen Verständigung große Bedeutung beigemessen. Der Integrationsfonds zur Unterstützung lokaler Initiativen werde weiter mit einer Million Euro jährlich ausgestattet, die Mittel für psychosoziale Betreuung von bislang 180 000 auf 958 000 Euro pro Jahr aufgestockt. Mehr Geld gebe es auch für Kitas mit hohem Ausländeranteil.

Land soll verstehen Vielfalt zu nutzen

„Die Landesregierung begrüßt Zuwanderung als Bereicherung und sieht Integration als Chance – sowohl sozial-demografisch, als auch kulturell und wirtschaftlich“, betonte Drese. Nach ihrer Überzeugung wird die Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns maßgeblich auch davon abhängen, wie das Land die Vielfalt zu nutzen versteht.

In der Konzeption sei auch die frühzeitige Wertevermittlung für Zugewanderte verankert. „Es ist wichtig, dass wir als aufnehmende Gesellschaft offen sind. Doch erwarten wir umgekehrt, dass die Werte unseres Grundgesetzes geachtet und als Maßstab des Zusammenlebens in Deutschland anerkannt werden.“

Hart um Formulierungen gerungen

Nach ihren Angaben leben in Mecklenburg-Vorpommern derzeit rund 78 000 Ausländer. Mehr als die Hälfte kommt demnach aus europäischen Ländern wie Polen, Rumänien, der Ukraine und Russland, ein Drittel aus Asien, zum Großteil aus den Bürgerkriegsländern Syrien und Afghanistan. Der Ausländeranteil im Nordosten beträgt knapp 4,8 Prozent.

Nach Angaben der Integrationsbeauftragten der Landesregierung, Dagmar Kaselitz, waren an der Erarbeitung des Integrationskonzepts neben den Ministerien auch Flüchtlingsinitiativen und Migrantenorganisationen beteiligt. „Dabei waren nicht immer alle gleich einer Meinung und es wurde hart um Formulierungen gerungen“, räumte sie ein. Das entstandene Papier gebe nicht nur den Handlungsrahmen für das Land vor, sondern richte sich auch an Kommunen, in denen lokal Integration stattfinde.

Ausländischen Bewerbern eine Chance geben

Kritisch äußerte sie sich zur vielfach noch mangelnden Bereitschaft von Unternehmen, ausländischen Bewerbern eine Chance zu geben. Trotz Bedarfs an Mitarbeitern werde das Potenzial nur teilweise genutzt. „Vor allem junge Frauen haben bei der Ausbildungsplatzsuche häufig Nachteile“, sagte Kaselitz. So sei einer hochmotivierten jungen Frau mit guten Sprachkenntnissen eine Ausbildung verweigert worden, weil sie Kopftuch trug.

Drese warb für mehr Toleranz. Der Landesverwaltung komme dabei eine Vorbildrolle zu, indem sie gezielt Menschen mit Migrationshintergrund einstelle. „Es muss das Signal ankommen, dass auch in einem Büro ein Kopftuch etwas Selbstverständliches ist“, sagte die Ministerin und bezog dies auch auf Kitas und Schulen. Entscheidend seien Sprachkenntnisse und Qualifikation.

Laut Drese haben im Nordosten bislang knapp 2500 anerkannte Asylbewerber eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden.

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Von dpa/mv