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MV aktuell Schweriner Landesregierung ist gegen Tempolimit auf Autobahnen
Nachrichten MV aktuell Schweriner Landesregierung ist gegen Tempolimit auf Autobahnen
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17:06 29.01.2019
Weiterhin freie Fahrt: Stefanie Kutscher (33) Mitarbeiterin im Porsche Zentrum Rostock, in einem 450 PS Porsche Carrera 911 GTS Capri. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

.Beim Thema Tempolimit 130 auf Autobahnen ist sich die rot-schwarze Regierungskoalition in Schwerin einig: „Wir sehen in MV bislang keinen Anlass für ein flächendeckendes Tempolimit“, sagte SPD-Verkehrsminister Christian Pegel am Dienstag. CDU-Generalsekretär Wolfgang Waldmüller, gleichzeitig Präsident des Landestourismusverbands, spöttelt: „Auf die Idee, jeden zu Tempo 130 zu zwingen, kommen meiner Meinung nach nur Leute, die im wesentlichen Straßenbahn fahren.“

Pegel verwies vor allem auf den Umweltaspekt: „Bundesländer, in denen deutlich stärker Tempolimits auf den Autobahnen angeordnet werden als bei uns, zeichnen sich nach unserem Kenntnisstand durch keine besseren Luftwerte aus als unser Bundesland – eher im Gegenteil. In einem dünn besiedelten Flächenbundesland wie unserem scheint die aktuelle Diskussion eher eine Scheindebatte zu sein.“ Diese gehe am eigentlichen Erfordernis vorbei: Der Umstellung der Fahrzeugflotten auf neue Antriebstechnologien. „Dies sind in Teilen Elektromobilität, sicherlich aber vor allem auch gasbasierte Antriebe, beispielsweise auf Wasserstoffbasis“, so der Minister.

Dafür, dagegen, unentschieden: In der Debatte um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen gehen die Meinungen auseinander – auch in MV.

Für Waldmüller spricht vor allem die Sicherheitsfrage gegen die Notwendigkeit einer Regulierung. „Die Zahl der Verkehrstoten ist seit Jahren rückläufig, Autos werden immer sicherer und die meisten Menschen fahren absolut vernünftig. Nur wegen ein paar Rasern jeden zum Langsamfahren zu zwingen, halte ich für falsch. Zudem sind die Entfernungen in MV groß und die Autobahnen gut ausgebaut.“

Die Landesverkehrswacht MV fordert dagegen schon länger ein Tempolimit von 130 auf den Autobahnen. „Das brächte ein Gewinn an Sicherheit und eine Reduzierung von Schadstoffen“, ist Präsident Hans-Joachim Hacker überzeugt. „Wenn sich dann auch alle daran halten, könnten Menschenleben gerettet werden.“ Um das zu erreichen, sollten auch die Strafen für Raser erhöht werden, fordert Hacker. „Wir haben einen Bußgeldkatalog, über den viele nur lachen. Die zahlen die Strafen aus der Brusttasche.“

Sportwagen-Verleiher: Ferrari mit Tempolimit macht wenig Sinn

Für das Geschäft von Ronny Andres wäre ein Tempolimit wahrscheinlich fatal: Er verleiht gemeinsam mit seiner Frau über die Firma Red Devil Racing in Cammin (Landkreis Rostock) zwei Ferrari-Sportwagen an Freunde des schnellen Fahrens. Etwa 200 bis 300 Kunden mieten sich pro Jahr einen der roten Flitzer und fahren dann, begleitet von einem Coach, eine Stunde lang über die A 20 und andere Straßen. Noch können sie dabei auf der A 20 ordentlich aufdrehen, damit wäre es bei einem Tempolimit vorbei: „Es macht wenig Sinn, mit einem Ferrari mit 130 über die Autobahn zu fahren“, glaubt Andres.

Zu den Flitzern auf Deutschlands Autobahnen zählt auch die Marke Porsche. Entsprechend ablehnend steht Jens Krüger, Geschäftsführer des Porsche Zentrums Rostock, einem Tempolimit gegenüber: „Ich bin, als begeisterter Sportwagenfahrer, strikt gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.“ Diese gehörten zu den sichersten der Welt. „Aus ökologischer Sicht muss es meiner Meinung nach intelligentere Steuerungsmöglichkeiten geben“, so Krüger.

Nabu: Tempolimit wäre für Klimaziele wichtig

Der Umweltaspekt spricht dagegen laut Umweltverband Nabu MV gerade für eine Geschwindigkeitsbegrenzung: „Wenn die Bundesregierung ihre selbst gesteckten Klimaziele erreichen will, führt kein Weg an einem Tempolimit vorbei“, sagte eine Sprecherin. Bei hohen Geschwindigkeiten steige der Verbrauch und damit der Schadstoffausstoß. „Auch das ständige Gasgeben und Bremsen kostet mehr Sprit als das Fahren mit konstanter Geschwindigkeit.“

Das sieht wiederum der ADAC anders: „Der Umweltfaktor ist bei dem Thema Tempolimit zu vernachlässigen“, sagte Sprecher Christian Hieff. Eine Begrenzung auf 130 km/h bringe beim Kohlendioxid nur eine Reduzierung um 0,2 Prozent. „Für so einen großen Einschnitt ist das ein geringer Effekt.“ Das Beispiel MV mit seinen gut ausgebauten und wenig befahrenen Autobahnen zeige, wie unsinnig ein generelles Tempolimit wäre, meint Hieff.

OZ-Umfrage zum Tempolimit

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