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MV aktuell Landtagsabgeordnete beschäftigt sich mit Liebesbetrüger in Bestatterbranche
Nachrichten MV aktuell Landtagsabgeordnete beschäftigt sich mit Liebesbetrüger in Bestatterbranche
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06:30 16.08.2019
Ein und derselbe Mann hat drei Frauen aus der Region Rostock um rund 220 000 Euro betrogen. Nun schaltet sich die Politik ein. Quelle: Benjamin Barz
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Rostock/Schwerin

Der Fall, dass ein Rostocker Bestatter trauernde Frauen ausnutzt, um an ihr Geld zu gelangen, hat nun auch die Politik erreicht. Nach OZ-Informationen will sich nun auch die Landtagsabgeordnete Christel Weißig (Freie Wähler/BMV) mit den Vorwürfen beschäftigen. „Ich bin in dieser Woche mit ihr verabredet und soll ihr meinen Fall schildern“, sagt Tatjana W. (Name von der Redaktion geändert), die Zehntausende Euro an den Liebesbetrüger verloren hat.

Das Wahlkreisbüro von Weißig bestätigt, dass die Landtagsabgeordnete auf den Vorfall aufmerksam geworden ist. „Wir werden uns die Geschichte der Opfer anhören“, sagt der Büroleiter Torsten Preuß. Christel Weißig will die gewonnen Informationen dann gegebenenfalls auch an die Expertenkommission „Bestattungskultur in MV“ des Landtages weitergeben, die das nächste Mal am 2. September tagt. „Und wenn es nur Fragen sind, die aufgeworfen werden, um die Gesetzgebung zu verbessern“, erklärt Preuß weiter. Die Expertenkommission hat den Auftrag, bis zum 31. Dezember einen Bericht zur Überarbeitung des Bestattungsgesetzes zu verfassen.

Bestatterverband MV fordert mehr Handhabe

Dass die Bestatterbranche Betrügern aktuell Tür und Tor öffnet, weiß der Vorsitzende des Bestatterverbandes MV, Torsten Lange. Ursache dafür sei, dass im Prinzip jeder ein Bestattungsunternehmen gründen kann – auch ohne Ausbildung. „Sie brauchen sich einfach nur den Gewerbeschein holen und dürfen sich Bestatter nennen“, sagt der Experte aus Warin. „Bislang wird in der Branche wenig auf Nachweise und Kontrollen gesetzt. Ich hoffe, dass sich das durch die Expertenkommission des Landtages ändert. Es braucht mehr Handhabe, um Vergehen zu bestrafen.“

Er plädiert unter anderem für eine Meisterprüfung und qualifizierte Betriebe, die regelmäßig kontrolliert werden. „Die Menschen müssen den Bestattern im Land vertrauen können und die Gewissheit haben, dass es Regularien gibt, die ihre Rechte durchsetzen“, betont Torsten Lange, der Mitglied der Expertenkommission ist. „Auch so können wir es schwarzen Schafen schwerer machen.“

Opfer bekommen Zuspruch über Facebook

Denn die kriminellen Machenschaften von Benjamin K. (Name von der Redaktion geändert) ziehen weitere Kreise: „Ich habe auch schon meine Erfahrungen gemacht“, schreibt unter anderem Tina Kreibig als Reaktion auf die ersten Vorwürfe auf Facebook. „Es wurde bei der Bestatterrechnung betrogen. In meinem Fall kann ich bestätigen, dass nichts aber auch gar nichts passiert. Wir haben Strafanzeige gestellt, so wie viele andere Geschädigte, es wurde eingestellt. Ich kann auch verstehen, wenn Menschen daran kaputtgehen. Hätte wirklich nicht vermutet, dass er mehrere Maschen fährt.“

Das Unverständnis ist auch bei anderen Facebook-Nutzern groß: „Die Geschädigten werden damit alleingelassen und müssen sehen, was sie als Einzelkämpfer erreichen können, nachdem sie schon genug Stress und Schmerz durch den Todesfall haben“, schreibt unter anderem Marie Müller. Joseph Plunkett ergänzt: „Ich hoffe wirklich für die Frauen, dass die Gerechtigkeit siegt und dass der Betrüger bestraft wird.“

„Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen“

Die Rostocker Staatsanwältin Maureen Wiechmann bestätigt, dass gegen Benjamin K. ermittelt wird. „Wie weit die Ermittlungen fortgeschritten sind, kann ich Ihnen nicht sagen, die zuständige Staatsanwältin muss sich erst noch mit der Sache befassen. Wie viel Zeit das noch in Anspruch nimmt, kann ich nicht vorhersagen.“ Weitere Anzeigen anderer Frauen seien der Staatsanwaltschaft nicht bekannt.

Ob die Frauen aber ihr Geld wiederbekommen, ist fraglich. „Dafür müssen Vermögenswerte erst einmal vorhanden sein“, erklärt der Rostocker Staatsanwalt Harald Nowack weiter. „Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen“, ergänzt Maureen Wiechmann. Sollte dies der Fall sein, können Gläubiger einen Titel über einen Zeitraum von 30 Jahren erwirken. Das heißt, in diesem Zeitraum könnten Lohnzahlungen, Kontoguthaben oder Sachwerte gepfändet werden, erklärt die Staatsanwaltschaft. Ob so ein Titel vorliegt, muss nun ermittelt werden.

Von Ann-Christin Schneider

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