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MV aktuell Langsdorfer ertragen weitere A-20-Vollsperrung – und hoffen auf Reparaturen
Nachrichten MV aktuell Langsdorfer ertragen weitere A-20-Vollsperrung – und hoffen auf Reparaturen
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18:15 08.05.2019
Hans-Martin Hundrieser lebt mit seiner Frau Gerda seit 1962 in Langsdorf. 1996 kauften sie das Haus, in dem sie vorher bereits zur Miete gewohnt haben. Quelle: Benjamin Barz
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Langsdorf/Böhlendorf

Langsam lässt Hans-Martin Hundrieser seinen Blick über die Hauswand schweifen. „Bei kälteren Temperaturen würde man ihn direkt sehen“, sagt der Rentner und geht einen Schritt dichter an die Fassade heran. Schließlich entdeckt er ihn, den hüfthohen Riss, der durch die monatelange Umleitung des A-20-Verkehrs durch Langsdorf an seinem Haus entstanden ist.

Insgesamt drei Hauseigentümer haben in dem Ort Folgeschäden angemeldet. Für die Reparatur müssen sie nun Angebote einholen, deren Kosten durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr getragen werden. Wann die Schäden tatsächlich beseitigt werden, ist noch ungewiss.

Schäden durch Erschütterung

„Die Risse wurden vorrangig durch die Erschütterung von Schwerlastern ausgelöst“, sagt Bürgermeister Hartmut Kolschewski. Die Straße sei bis zu 40 Tonnen freigegeben. Anfangs sei vermutet worden, dass noch mehr Häuser betroffen wären. Umso erfreulicher sei die geringe Anzahl.

Vergessen ist das Desaster um das A-20-Loch trotzdem noch lange nicht. Seit der Inbetriebnahme der Behelfsbrücke Anfang Dezember 2018 war in der Gemeinde Lindholz zwar wieder Ruhe eingekehrt. Am Mittwoch aber sorgten Sanierungsarbeiten der Brücke für unschöne Erinnerungen. Erneut rollten unzählige Autos und Lkw durch die Ortsteile Langsdorf und Böhlendorf.

„Vermutlich wird es auch nicht das letzte Mal sein, dass die Brücke repariert und gesperrt werden muss“, so Kolschewski. Deshalb werde er seine Hecke vor dem Haus vorerst noch nicht stutzen. Nach dem Motto: Was man nicht sehe, höre sich wie Meeresrauschen an.

Denn nicht nur der Verkehr unmittelbar vor der Tür sei eine Lärmbelastung. „Wenn der Wind gut steht, hören wir auch das Klappern der Behelfsbrücke“, erzählt Ehefrau Jutta und holt ihr Smartphone hervor. Dort hat sie eine Audio-Datei gespeichert, auf der dumpfe Töne erklingen, sobald ein Auto eine Verbindungsstelle passiert.

Diese Geräusche seien aber ertragbar im Vergleich zum vorherigen Jahr. Das finden auch Hans-Martin Hundrieser und seine Frau Gerda: „Ich weiß noch, wie der Lärm damals mich oft nachts wach bleiben ließ“, sagt der 78-Jährige.

Die Behelfsbrücke über dem A-20-Loch wurde am Mittwoch einer ersten Sanierung unterzogen. Der Verkehr wurde deshalb an diesem Tag von 7 bis 20 Uhr von der Autobahn durch Langsdorf umgeleitet.

Instandsetzung der Landesstraße 19

Heute ist aber nicht nur die Lärmsituation besser, auch die Zusammenarbeit mit Ronald Normann vom Landesamt für Straßenbau laufe laut Kolschewski gut. „Er hat schnell die Kurve gekriegt und selbst festgestellt, dass man mit den Leuten reden muss“, sagt der Bürgermeister. Mittlerweile seien alle Beteiligten rechtzeitig über mögliche Einschränkungen im Bilde.

Die nächste steht schon bevor: Kommende Woche soll die Instandsetzung der in Mitleidenschaft gezogenen Landesstraße 19 beginnen. Aktuell ist diese von Spurrillen und abgebrochenen Bordsteinkanten gekennzeichnet. Für die Reparaturen werde die Straße vom Kreisverkehr an der Abfahrt Tribsees bis zum östlichen Ortsausgang Langsdorfs voll gesperrt werden. Bei einer Einwohnerversammlung am Donnerstagabend werde genauer über die Pläne informiert.

Im Gegensatz zum Kreisverkehr, der nur wenige Tage gesperrt werden soll, bleibe die Straße durch den Ort mehrere Wochen dicht. „Hierbei wird das Problem entstehen, dass einige Anlieger nicht mehr auf ihre Gehöfte kommen“, sagt Kolschewski. Dafür gelte es noch eine Lösung zu finden. Eine Möglichkeit wäre es aber, über die Grundstücke von Nachbarn zu gehen.

„Uns wird schon etwas einfallen. Wir sind hier wie eine große Familie, auch wenn die Umgangsform in den vergangenen Monaten etwas rauer geworden ist.“ Verstehen könne er dies. Rückblickend hätten ihm die Sperrung der A 20 und die daraus resultierende Umleitung die turbulentesten Ereignisse beschert, die er während seiner gesamten Amtszeit erleben durfte. Seit knapp 25 Jahren steht Kolschewski für die Belange seiner Gemeinde ein. „Wäre ich nicht schon im Vorruhestand, hätte ich das nicht gepackt.“

Erste Sanierung der Behelfsbrücke

Grundfür die erneute Vollsperrung der A 20 waren erste Sanierungsarbeiten an der Behelfsbrücke. Die Einzelteile dieser sind durch Stahlschwellen miteinander verbunden, die unterfüttert sind. Durch die vielen Fahrzeuge, die täglich die Brücke passieren, ist die Unterfütterung an den Fahrbahnübergängen weggebrochen.

Die neuen Schwellensind außerdem in einem anderen Winkel gebogen und sollen künftig die Erschütterungen beim Überfahren abschwächen. Ebenso erneuert wurden außerdem die Schraubverbindungen an den Brückenelementen, die Markierungen sowie die Asphaltdecke an den Brückenenden.

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