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MV aktuell Fischer Dehmel und seine Königin: So überleben die Mecklenburger das „knallharte Geschäft“
Nachrichten MV aktuell Fischer Dehmel und seine Königin: So überleben die Mecklenburger das „knallharte Geschäft“
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06:25 26.07.2019
Fischwirtschaftsmeister Klaus-Dieter Dehmel (r.) und Fischwirt Frank Huth holen Netze auf dem Kleinpritzer See (Sternberger Seenlandschaft im Landkreis Ludwigslust-Parchim) ein.  Quelle: Martin Börner
Dabel

Der von sattem Grün umrahmte Kleinpritzer See ist an diesem Morgen fast spiegelglatt. Es ist herrlich still. Die Julisonne knallt auf das Wasser. Routiniert bewegt Frank Huth (31) die über Kreuz angeordneten Ruder. Langsam gleitet der Fünf-Meter-Kahn nach hinten.

Am Heck steht Klaus-Dieter Dehmel (60). Der Fischwirtschaftsmeister, Inhaber des Fischerei- und Verarbeitungsbetriebes Dehmel in Dabel (Ludwigslust-Parchim), holt Stellnetze ein.

„Fischer ist man mit Leib und Seele“

Einige Barsche, Plötze, Schleie und Hechte zappeln in den Maschen. Gekonnt pult Dehmel die Fische aus. Der Mecklenburger betreibt den Job seit 44 Jahren. Er hat ihn von der Pike auf gelernt. „Fischer ist man mit Leib und Seele. Das ist eine Berufung“, erklärt er. Bereits sein Großvater Paul Quandt betrieb seit 1929 in Sternberg eine Teichwirtschaft. „Es war zu seiner Zeit die modernste Hechtbrutanlage in Europa, erzählt Dehmel, der als einziger der zehn Enkel in das kräftezehrende Metier einstieg.

Galerie: Ein Tag bei den Dehmels

So sieht es im Fischerei- und Verarbeitungsbetrieb der Familie Dehmel aus

Idylle ist Momentaufnahme

Wenig liegt der Kahn am Steg. Was wie die Idylle eines seit Jahrtausenden ausgeübten Berufes anmutet, ist nur eine Momentaufnahme. Denn Dehmel, der mit seiner Frau Jeannette (44) die Firma leitet, ist kaum noch auf den drei Pachtseen unterwegs. Dafür arbeiten der gelernte Hochseefischer Huth sowie Fischwirt Michel Runge fast täglich auch auf dem Dabeler und Holzendorfer See. Insgesamt 1400 Hektar sind zu bewirtschaften. Kann der Familienbetrieb vom Fischfang leben?

Der einst jüngste Vorsitzende einer Fischereigenossenschaft in der DDR winkt ab. „Existieren können wir und die anderen 43 Haupterwerbsbetriebe im Land allein vom Fischfang schon lange nicht mehr.“ Ob nun Fischveredelung, -handel, Angeltourismus, Ferienwohnungen, Gastronomie ... die Mini-Firmen, die die Branche dominieren, haben sich andere Standbeine geschaffen, um zu überleben.

Patchworkfamilie mit fünf Kindern

„Binnenfischer hatten traditionell ein zweites Betätigungsfeld, um zu überleben. Oft betrieben sie noch eine kleine Landwirtschaft“, erzählt Klaus-Dieter Dehmel. Als er sich 1991 selbstständig machte, begann er mit 165 Hektar Wasserfläche und 130 Hektar, auf denen er Reet schnitt. Auf dem 5000-Quadratmeter-Grundstück, das heute nicht nur Wohn-, Produktions- und Teichanlage umfasst, standen damals 150 Obstbäume und ein Gänsestall. Not und der Zwang, ohne Subventionen auszukommen, machen erfinderisch, sagt der Geschäftsmann. Er denkt dabei an die Kollegen an der Küste, die nicht von jeher zum Improvisieren gezwungen waren.

Das Ehepaar Dehmel agiert als Managerduo. Ein eingespieltes Team, das oft ohne Worte auskommt, wie die Chefin erklärt. Die gebürtige Dabelerin, die 2018 zur ersten Fischerkönigin des Landes gekürt wurde, managt nebenbei die Patchworkfamilie, zu der fünf Kinder gehören.

Morgens um 7 Uhr trifft man sich auf dem Hof, teilt die Arbeit ein. Die Telefone klingeln unablässig. Bestellungen sind abzuarbeiten, Lieferungen zu vereinbaren, Projekte zu besprechen. Das Fischgeschäft ist knallhart. „Doch wir sind wie eine große Familie. Die Hauptwährung lautet Vertrauen“, sagen die Dehmels.

Spezialität ist der Aal

Der Familienclan mit zwölf Angestellten handelt mit Glasaalen, pflegt eine Teichwirtschaft in Klein-Labenz, in der jährlich im Schnitt 15 Tonnen Karpfen aufgepäppelt werden, vermietet Ferienwohnungen, verarbeitet rund 200 Tonnen Fisch und verpachtet eine Gaststätte. Vor allem aber schlachtet und räuchert man hier im Sternberger Seenland Aal.

Etwa 120 Tonnen der Schlängler kaufen die Dabeler jährlich in Holland. Diese gelangen auf dem Hof des Fischereibetriebes in Hälterbecken. Von dort geht es ab in das nur wenige Meter entfernte Produktionsgebäude.

Fressgier der Kormorane macht Sorgen

„Zutritt verboten!“ Wer hier arbeitet, muss eine Hygieneschleuse passieren. Zuvor heißt es, sich umkleiden, spezielle Stiefel überstreifen und Kopfbedeckung aufsetzen. „Die Hygieneanforderungen sind hoch und wir setzen auf Qualität“, lautet das Credo des Paares.

Die Fressgier der Vielzahl von Kormoranen und die immer sauberer werdenden Seen bereiten Fischer Dehmel indes große Sorgen. Nicht nur die Aal-, sondern auch beispielsweise die Zander-Bestände leiden darunter, dass die Räuber dadurch leichtes Spiel vor allem mit den kleineren Fischen hätten. Trotzdem glaubt er, dass der Aal wieder der Brotfisch der Binnenfischer wird. Denn die vom Land unterstützten Besatzmaßnahmen zeigten Wirkung.

Sohn will Nachfolge antreten

Froh ist der Chef auch, dass die Nachfolge – so wie in vielen anderen Fischereibetrieben hierzulande – gesichert scheint. Der 14-jährige Claas-Eike will das Werk seiner Eltern fortsetzen. Und die vom Land angebotenen neuen Pachtverträge, die über einen Zeitraum von 18 Jahren laufen sollen, schaffen Sicherheit.

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Volker Penne

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