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MV aktuell Lebensgefährliche Laserpointer-Angriffe in MV: Gerichte greifen härter durch
Nachrichten MV aktuell Lebensgefährliche Laserpointer-Angriffe in MV: Gerichte greifen härter durch
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07:33 04.05.2019
Flugzeuge, Hubschrauber und Autos im Visier: Durch Laser-Blendungen drohen schwerste Unfälle. (Symbolfoto) Quelle: Patrick Lux / dpa
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Rostock

Der heimtückische Angriff kurz nach Mitternacht: Als die Besatzung eines Polizeihubschraubers bei Dummerstorf (Landkreis Rostock) nach einem vermissten Mann (80) sucht, werden die Polizisten plötzlich von einem Laserpointer geblendet. Der Täter, ein 45-jähriger Mann, der aus einem Wohnblock auf den Hubschrauber gezielt hat, kann kurz darauf gefasst werden. Der Vorfall im Januar 2019 sorgte für Entsetzen – und den Ruf nach harten Strafen für lebensgefährliche Laserpointer-Attacken.

Laser-Angriff kann zum Hubschrauber-Absturz führen

Die Blendung könne „weitreichende Folgen bis hin zur Flugunfähigkeit des Piloten“ haben, schlimmstenfalls sogar zum Absturz des Hubschraubers führen, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow, Gert Frahm. Mit „bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe“ könne eine solche Tat geahndet werden. Und Gerichte greifen bei solchen Taten offenbar mittlerweile härter durch.

So war unlängst ein 27-jähriger Greifswalder in Hamburg zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte während des G-20-Gipfels mehrfach mit grünem Laserlicht auf einen in etwa 400 Meter Höhe kreisenden Polizeihubschrauber gezielt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt.

In Rostock war zudem ein damals 60-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann hatte 2015 in Warnemünde den Steuermann eines Fährschiffs mit einem Laserpointer geblendet.

Abschreckende Strafen

Es sei „sehr zu begrüßen, dass in letzter Zeit die Gerichte bei solchen Straftaten auch ein deutliches Zeichen setzen und generalpräventiv zur Abschreckung von Nachahmern nicht nur Geldbußen, sondern sogar Freiheitsstrafen verhängen“, betont der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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Immer wieder komme es zu gefährlichen Blendangriffen mit Laserpointern gegen Luftfahrzeuge oder die Führer von Schienen- und Straßenfahrzeugen. Fahrzeugführer und Piloten würden durch die optische Strahlung gefährdet und in ihrer Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. Dadurch könne es „zu Unfällen mit einer erheblichen Zahl von Toten oder Verletzten kommen“, sagt Caffier.

Auf Autofahrer gezielt

Erst im März 2019 hatte die Polizei in Waren/Müritz (Mecklenburgische Seenplatte) einen 31-Jährigen überführt, der von einem Mehrfamilienhaus aus mehrere Autofahrer mit einem Laserpointer geblendet hatte. Ende vergangenen Jahres erlitt ein Junge (13) bleibende Schäden an einem Auge, als ein anderes Kind mit einem solchen Gerät bei einem Herbstfeuer hantierte. In Rostock musste der Pilot eines Rettungshubschraubers im Jahr 2016 den Anflug auf das Südstadtklinikum unterbrechen, als ein nicht ermittelter Täter mit einem grünen Laserpointer auf ihn zielte.

Schwere Schäden drohen – bis zur Erblindung

Die Geräte können zu schweren und dauerhaften Schäden an der Netzhaut und Sehbehinderungen führen, warnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Weil das Auge Licht stark bündeln kann, verstärkt der Linseneffekt die gesundheitlichen Gefahren. Das Scharfsehen und das Farbsehvermögen könnten stark verringert werden; in besonders schweren Fällen drohe die „völlige Erblindung“.

Statistische Daten zu Laserpointer-Attacken oder verurteilten Tätern werden weder in MV noch bundesweit erhoben. Nach Angaben des Luftfahrt-Bundesamts liegen die Zahlen von Laser-Angriffen speziell auf Flugzeuge in Deutschland zwischen 325 und 350 Fällen pro Jahr und somit seit dem Jahr 2009 auf einem konstant hohen Niveau. Um diese Gefahr einzudämmen, nennt auch das Luftfahrt-Bundesamt „vor allem die konsequente Strafverfolgung solcher Ereignisse“.

Extrem starke Laser gibt es für wenige Euro

Piloten, Lokführer und Kraftfahrer werden immer wieder Opfer von Laser-Attacken. Aber auch Fußballspieler, Schiedsrichter und andere Sportler wurden schon geblendet. In Deutschland können Laser-Angriffe auf Piloten als „gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr“ geahndet werden.

Einige Länder haben auf Vorfälle mit Laserpointern bereits reagiert. So ist beispielsweise in Großbritannien und den Niederlanden der Verkauf von Laserpointern mit Leistungen von mehr als 1 Milliwatt (mW) verboten, in Schweden benötigt man dafür eine Genehmigung. In Australien gilt ein Einfuhrverbot für Geräte mit diesen Leistungen; teils fallen dort solche Laser unter das Waffengesetz.

Erste Laser, die als sogenannte Lichtzeiger eingesetzt wurden, verwendeten miniaturisierte Helium-Neon-Laser. Mit der Verfügbarkeit günstiger und effizienter Laserdioden gelang dem Laserpointer der Durchbruch als Massenprodukt. Mittlerweile gibt es Laser nicht nur mit rotem, sondern auch mit grünem, blauem, gelbem und orangenem Licht

Laserpointer mit Leistungen bis 1 mW werden als Laser Klasse 2 eingestuft und gelten als unbedenklich und „augensicher“. Bereits ab 5 mW sind Sicherheitseinrichtungen, z. B. spezielle Laserschutzbrillen, erforderlich. Angeboten werden inzwischen sogar Laserpointer mit Leistungen von 10 mW, die es im Internet oft schon für ein paar Euro zu kaufen gibt.

Axel Meyer

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