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MV aktuell Lebenslange Haft für Mord an Rentner
Nachrichten MV aktuell Lebenslange Haft für Mord an Rentner
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13:30 24.05.2019
Der Angeklagte wurde für den Mord an einem schlafenden Rentner zu lebenslanger Haft verurteilt. Quelle: CORNELIUS KETTLER
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Schwerin

Die Tat löste im November 2018 Entsetzen aus: Der 85-Jährige schläft arglos im Bett in seinem Haus in der westmecklenburgischen Kleinstadt Wittenburg, als der junge Angeklagte ihm mit einem kräftigen Schnitt die Kehle durchtrennt. Das Opfer ist der Vater seiner Geliebten.

Anschließend flieht der junge Mann aus Afghanistan in Richtung Hamburg, wird schließlich an einer Autobahnauffahrt in Schleswig-Holstein aufgegriffen – durchnässt und durchgefroren. Am Freitag ist er am Landgericht Schwerin wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Damit kann seine Freilassung frühestens nach 15 Jahren geprüft werden.

Verurteilter sollte Garage aufräumen

Obwohl der Angeklagte während des gesamten Prozesses schwieg, ist die Beweiskette für den Vorsitzenden Richter wasserdicht. Der junge Afghane war an jenem Tag im Haus, weil er die Garage aufräumen sollte. Der bosnische Privatpfleger des Opfers hat die Tat über ein Babyfon mit Kamera beobachtet, das zur Überwachung des Schlafs des Seniors in dessen Zimmer installiert war. Er reiste für seine Zeugenaussage eigens aus Bosnien an.

Verurteilter lernte Schnitt auf der Flucht

Nur einen Schnitt führte der Täter aus, wie im Prozess dargelegt wurde. Damit brachte er dem Rentner eine 22 Zentimeter lange und sieben Zentimeter tiefe, tödliche Wunde bei. Das Töten per Kehlschnitt hatte er während seiner Flucht in der Türkei gelernt, wo er zeitweise als Schaf- und Rinderhirte arbeitete. Dies erzählte er dem psychiatrischen Gutachter, der wiederum als Zeuge davon im Gericht berichtete. Zuvor soll er überlegt haben, dem alten Mann in den Bauch zu stechen, um ihn zu töten. Dies schien ihm aber nicht sicher genug.

Motiv weiterhin unklar

So klar die Tat vor Augen lag, so unklar blieb bis zum Schluss die Frage nach dem Warum. Der Verurteilte, der mit der Tochter des Opfers ein Verhältnis hatte, habe mit dem hilflosen 85-Jährigen nichts auszumachen gehabt, sagte der Richter in seiner über eine Stunde dauernden Urteilsbegründung. Die Tochter habe sich um den jungen Mann gekümmert. Die Frau habe dem jungen Flüchtling Sicherheit, Wohnung, Geld, Bedeutung gegeben und sei seine Fürsprecherin und Mentorin gewesen. Und das, obwohl der Angeklagte im Verlauf der Beziehung zunehmend besitzergreifend geworden sei.

Zum Motiv konnte der Richter bei der Urteilsverkündung nur Fragen in den Raum stellen: Wollte der Täter die Frau, die er liebte, bestrafen? Warum hinterließ er dann in Wittenburg einen Zettel, auf dem „Ich liebe Dich“ und „Ich kann dich nicht leiden sehen“ stand? Wollte er den Bosnier als vermeintlichen Nebenbuhler überflüssig machen, wenn es niemanden mehr zu pflegen gab? Doch wie konnte er an eine Fortsetzung der Beziehung nach der Tötung des Vaters denken? Hatte er möglicherweise das Gefühl, dass sich seine Geliebte mit der Organisation der Pflege und der Aufmerksamkeit für ihren Vater übernahm? „Die Kammer weiß es nicht.“

Kulturelle Unterschiede

Auch mögliche kulturelle Unterschiede sprach der Richter an. Die Tötung eines Menschen werde in Deutschland wahrscheinlich anders gesehen als in Afghanistan, sagte er. „Doch wir sind hier in Deutschland, und in Deutschland ist das Leben das höchste Gut. Ich gehe davon aus, dass Sie den Wert des Lebens nicht so hoch einschätzen.“ Dem Psychiater hatte der junge Mann erzählt, dass man in Afghanistan ein Leben mit Geld ablösen könne.

Alter des Verurteilten unklar

Das Alter des Verurteilten, der aus einem Dorf bei Kundus stammt, ist ebenfalls unklar. In seinen Papieren steht als Geburtsdatum der 1. Januar 1998. Damit wäre er zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt gewesen und die Anwendung des Jugendstrafrechts wäre in Frage gekommen. Das Gericht geht jedoch davon aus, dass er älter ist. Schlepper hatten ihm für seinen Asylantrag 2016 empfohlen, sich als minderjährig auszugeben. Dies hatte er dem Psychiater erzählt.

Mord an Rentner in Wittenburg: Eine Chronik

20. Mai 2019: Lebenslange Haft für Mord an schlafendem Rentner gefordert

14. Mai 2019: Zeuge der Bluttat von Wittenburg: „Ich hatte sehr viel Angst“

29. April 2019: Tragisches Ende von Verhältnis mit Flüchtling

28. April 2019: Prozessbeginn um Mord an Rentner in Wittenburg

13. März 2019: Anklage gegen mutmaßlichen Mörder von Rentner in Wittenburg

16. Januar 2019: Tatverdächtiger älter als angenommen

23. November 2018: Gedenken an getöteten Rentner in Wittenburg – „Brauchen Respekt“

22. November 2018: Stadt und Kirchen planen große Trauerfeier

21. November 2018: Nach Rentner-Mord: Angst vor „zweitem Chemnitz

20. November 2018: OZ-Kommentar zum Mord in Wittenburg: Kühlen Kopf bewahren

20. November 2018: Rentner aus Wittenburg starb an tiefem Halsschnitt – neue Details

19. November 2018: Obduktion angeordnet – Motiv unklar

19. November 2018: Mutmaßlicher Täter offenbar nur zufällig verhaftet

18. November 2018: Ex-Pfleger soll schlafenden Rentner die Kehle durchgeschnitten haben

18. November 2018: Junger Pfleger tötet 85-Jährigen mit Messer

RND/dpa

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