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MV aktuell Lehrermangel in MV: Gewerkschaft warnt vor tickender „Zeitbombe“
Nachrichten MV aktuell Lehrermangel in MV: Gewerkschaft warnt vor tickender „Zeitbombe“
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21:21 05.08.2019
Rund 100 Lehrerstellen sind MV-weit noch unbesetzt, dazu fast 300 Referendar-Stellen. Dennoch startet Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zuversichtlich ins neue Schuljahr. Quelle: Cornelius Kettler
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Schwerin

Neues Schuljahr, altes Leid: Viele Schulen in MV dürften ab kommender Woche wieder mit dem Problem Lehrermangel kämpfen. Von den 700 ausgeschriebenen Stellen sind derzeit erst gut 600 besetzt. Noch schlechter ist die Bilanz bei Referendaren, also angehenden Lehrern: Nur 94 der zum 1. August ausgeschriebenen 371 Stellen fanden einen Interessenten. Die Lehrer-Gewerkschaft GEW fordert: Das Land müsse den Lehrerberuf endlich attraktiver machen, etwa durch weniger Unterrichtsstunden.

Linke: Referendariat verkürzen, Ausbildung verbessern

„Das lässt Schlimmes erahnen“, sagt Simone Oldenburg, Bildungsexpertin der Linken im Landtag, die seit Jahren massive Neueinstellungen bei Lehrern und bessere Ausbildung fordert. Vor allem das Thema Referendarstellen sorgt sie. „Die Landesregierung hat bislang noch keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um dem Lehrermangel den Garaus zu machen.“ 75 Prozent nicht besetzte Junglehrer-Stellen – das sei sogar noch schlechter als im Vorjahr.

Kommentar zum Thema: Ein über Jahre aufgestautes Problem

Die Linke fordert: Das Referendariat müsse von 18 auf zwölf Monate verkürzt werden, die Begleitung der angehenden Lehrer verbessert werden. An den Universitäten müsse dafür gesorgt werden, dass mehr Studenten den Abschluss auch schaffen. Eine Studie brachte 2018 ans Licht: Bis zu 85 Prozent werfen in einzelnen Studiengängen frühzeitig hin.

Die neue Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) blickt dagegen zuversichtlich ins neue Schuljahr. Mehr als 600 neue Lehrer seien bereits eingestellt. In dieser Woche sollen noch etliche folgen, so Martin. Sie sichert zu: „Wir werden den Unterricht absichern können.“ In einigen Fällen sei es allerdings möglich, dass Lehrer weiter fehlen, räumt sie ein. GEW-Landeschef Maik Walm dagegen berichtet von Schulen, an denen bis zur Hälfte der Lehrer fehlen.

GEW-Chef warnt vor tickender „Zeitbombe

Rund ein Drittel der neuen Lehrer seien sogenannte Seiteneinsteiger, also Frauen und Männer, die ohne vorherige pädagogische Ausbildung in Klassenzimmer treten sollen. Im Vorjahr gab es massive Kritik, weil Grundkurse für diese Lehrer erst im Laufe des Schuljahres angeboten wurden. Das sei dieses Mal anders, so Martin. Alle Seiteneinsteiger hätten Vorbereitung hinter sich.

Mehr Schüler, neues Schulfach

151 600 Schülerinnen und Schüler werden am kommenden Montag zum Schulstart an den 562 öffentlichen und freien Schulen landesweit erwartet, 1300 mehr als im Jahr zuvor. 13 800 sind Erstklässler. Hinzu kommen 34 200 Schüler an beruflichen Schulen, deren Unterricht am 2. September beginnt.

Einige Neuerungenwarten auf die Schüler:

– Ab Klasse 5 wird es überall das Fach Informatik und Medienbildung geben, um Kinder besser für das Medienzeitalter zu wappnen.

– Wer das Abitur macht, hat künftig in der Oberstufe ein neues Modell aus Leistungs- und Grundkursen.

– 14 Gymnasien oder Gesamtschulen haben jetzt eine verstärkte Ausrichtung auf Sprachen, humanistische Bildung, Mathematik und Naturwissenschaften – neu: das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar.

– 343 Schulen landesweit werden Ganztagsangebote für die Schüler unterbreiten.

– Im Fach Polnisch werden die Angebote ausgebaut; derzeit sind landesweit 13 Schulen beteiligt.

– In Schwerin entsteht die Regionale Schule Weststadtcampus, eine öffentliche Schule. Erweitert werden drei Schulen in freier Trägerschaft: die Waldorfschule Seewalde, die Montessorischule Greifswald und die Fachschule für Technik des Berufsförderungswerks Stralsund.

Eine „Zeitbombe“ tickt für Maik Walm beim Thema Lehrermangel. Die aktuellen Bemühungen der Regierung seien „für die Größe des Problems nicht ausreichend“. Die Seiteneinsteiger seien nur ein „Placebo“ und sorgten für mehr Aufwand bei Kollegen. Walm fordert die Bildung einer Kommission, in der Lehrer und Politik gemeinsam an einer Lösung arbeiten. In zehn Jahren werden rund 9000 der jetzigen Lehrer in den Ruhestand gegangen sein, daher müsse der Job attraktiver werden: durch weniger Wochenstunden, bessere Bezahlung aller Überstunden. Um den Lehrerjob attraktiver zu machen, regt Walm zu einem Perspektivwechsel an: „Wenn man neue Leute gewinnen will, muss der Arbeitsplatz glänzen und leuchten.“ Dass 40 Prozent der fertigen Referendare das Land verlassen, sei kein gutes Zeichen.

Ministerium: Stellen werden erneut ausgeschrieben

Martin räumt ein, dass drei Viertel der Referendar-Stellen zum 1. August nicht besetzt werden konnten. Dies gefährde aber nicht den Unterricht, erklärt ihr Sprecher. Die Stellen würden neu ausgeschrieben. MV sei das einzige Land im Norden, das viermal im Jahr einstelle.

Simone Oldenburg sieht die Schulen schlecht gewappnet. Scharf kritisiert sie, dass das Land 200 Lehrern im Sommer gekündigt habe – entgegen anderslautender Zusagen der früheren Bildungsministerin. „Weit mehr als 500 arbeitslose Lehrkräfte in MV, nahezu 200 befristete Lehrkräfte, die zu Beginn der Sommerferien ihren Job verloren haben. Es hat sich also nichts geändert“, sagt sie. Nun müsse Bildungsministerin Martin dafür sorgen, „dass dieser personelle Irrsinn aufhört“, so Oldenburg.

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