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MV aktuell Letzter Tag für Schweineschlachtung in Teterow: „Das ist einfach nur schlimm“
Nachrichten MV aktuell Letzter Tag für Schweineschlachtung in Teterow: „Das ist einfach nur schlimm“
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15:35 30.08.2019
Mehrere Schweinehälften hängen an Haken in einem Schlachthof (Symbolbild). Quelle: Arno Bugi/dpa
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Teterow

Die Entscheidung des Konzerns Danish Crown, die letzte große Schweineschlachtstrecke in Mecklenburg-Vorpommern einzustellen, hat für Unverständnis im Land gesorgt. „Das ist schlimm, einfach nur schlimm“, sagt Torsten Gebhard, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für Fleischerhandwerk in MV, auch wenn es für ihn eigentlich keine große Überraschung war.

„Dass nun 29 kleinere Schlachtbetriebe die Mengen erbringen, die im Schlachthof Teterow erbracht worden sind, können Sie vergessen“, so Gebhard weiter. 500 000 Schweine wurden in dem Großschlachthof jährlich geschlachtet und zerlegt. In den kleinen Schlachtbetrieben des Landes zusammen sind es gerade mal 29 000. „Darunter sind auch viele kleine Fleischer, die vielleicht zehn Schweine pro Woche für den Eigenbedarf schlachten. Viel mehr geht dort gar nicht.“

Danish Crown fehlt klares Konzept

Danish Crown hatte am Donnerstag bei Gesprächen im Agrarministerium in Schwerin verkündet, dass Freitag der letzte Tag sein wird, an dem Schweine am Standort Teterow geschlachtet werden. Überlegungen, die Schlachtstrecke zunächst unterzuverpachten, waren damit gescheitert. „Um eine nachhaltige Ökonomie betreiben zu können, hätten wir ein ganz klares Konzept gebraucht. So eins hatten wir bis dato aber nicht gesehen“, begründet Pressesprecher Jens Hansen diese Entscheidung. Künftig werde sich der Konzern stattdessen auf die Schlachtung von Rindern konzentrieren. Aktuell werden etwa 2000 bis 2500 pro Woche in Teterow zerlegt.

Der Landesbauernverband bedauert die Einstellung der Schweineschlachtstrecke sehr. „Doch es ist eine Unternehmensentscheidung, die wir akzeptieren müssen“, sagt Verbands-Sprecherin Bettina Schipke. Dass die Schweinezüchter und -mäster sowie Fleischereien im Land nun vor schweren wirtschaftlichen Problemen stehen, hatte Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes, schon einige Tage zuvor verkündet. Die Bauern müssten sich darauf einstellen, ihre Tiere künftig in weit entfernte Schlachthöfe fahren zu lassen.

Fördermittel für Neubau eines regionalen Schlachtbetriebs

Auch wenn das Land sich im Klaren darüber ist, dass die wegfallenden Schlachtkapazitäten in Teterow nicht ohne weiteres kompensiert werden können, will es prüfen, ob zur Stärkung der Regionalität und des Tierwohls die Kapazitäten der 29 kleineren Schlachtbetriebe erweitert werden können. „Zudem sind wir bereit, den Neubau eines Schlachtbetriebes mit Fördermitteln zu unterstützen“, teilt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Agrarministeriums, mit. Doch auch dafür bräuchte es ein tragfähiges Konzept, das aus der Wirtschaft kommen muss.

Die Einstellung der Schweineschlachtung in Teterow sei nicht nur für die Schweinehalter des Landes ein herber Schlag. Es treffe auch die Fleischvermarkter und -verarbeiter. „Der Verlust dieser Schlachtstätte bedeutet Verlust von Wertschöpfung im Land, dass regionale Vermarktungsketten unterbrochen werden und die Transportwege der Tiere länger werden.“ Das komme weder Klima- noch Naturschutz zugute und verursache zusätzliche Kosten.

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