Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Schuldenschnitt bei Lila Bäcker: Auf so viel Geld verzichten die Gläubiger
Nachrichten MV aktuell Schuldenschnitt bei Lila Bäcker: Auf so viel Geld verzichten die Gläubiger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 12.08.2019
Gläubiger verzichten auf Geld, damit Lila Bäcker den Weg aus der Insolvenz findet. Quelle: Tilo Wallrodt
Anzeige
Neubrandenburg

Die Gläubiger der insolventen Kette Lila Bäcker haben sich auf einen Fahrplan für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmens verständigt. Am Montag stimmten die Gläubiger bei einer Versammlung im Amtsgericht Neubrandenburg einstimmig dem Insolvenzplan zu, den das Management mit mehreren Anwaltskanzleien und dem Insolvenzverwalter erstellt hatte. Das teilte Lila Bäcker mit.

Wichtigster Bestandteil des Insolvenzplans dürfte ein Schuldenschnitt sein. Damit verzichten die Gläubiger auf 70 Millionen Euro. Auf diese Weise soll Lila Bäcker aus der Insolvenz geführt werden. Das Unternehmen soll künftig 2180 Mitarbeiter in 270 Filialen beschäftigen.

Umsatz gestiegen

Die Sanierung zeige erste Erfolge, im August sei der Umsatz gestiegen, so Geschäftsführer Markus Plathner. Bevor das Insolvenzverfahren beendet werden könne, müssten aber noch weitere Bedingungen erfüllt werden. Die schwedische SEB- und die niederländische NIBC-Bank haben das Unternehmen mit einer Finanzspritze am Leben gehalten, sonst hätte bereits im Juni die Einstellung des Betriebs gedroht. Die Institute stellten den Kaufpreis, damit eine neu gegründete Gesellschaft Lila Bäcker übernimmt. Der Kaufvertrag ist aber noch nicht wirksam. Juristisch gelten die Banken nicht als Käufer, betont ein Unternehmenssprecher.

Die weitere Sanierung soll mit Hilfe von Steuergeldern erfolgen. Dafür beantragte Lila Bäcker bei der Schweriner Landesregierung eine Bürgschaft für einen Zehn-Millionen-Euro-Kredit. Die Bürgschaft deckt 80 Prozent der Kreditsumme ab. Der zuständige Bürgschaftsausschuss stimmte bereits unter Vorbehalt zu, teilte das Finanzministerium bereits in der vergangenen Woche mit. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus. Die Bürgschaft gilt – neben dem Wirksamwerden des Kaufvertrags – als eine Voraussetzung für die Beendigung des Insolvenzverfahrens.

Finanzminister zufrieden

„Das positive Votum der Gläubigerversammlung ist erfreulich“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Reinhard Meyer (SPD). Damit sei eine wesentliche Voraussetzung gegeben, den Insolvenzplan umzusetzen und Arbeitsplätze im Land zu sichern. „Gleichzeitig ist diese Entscheidung notwendige Grundlage für die beabsichtigte Landesbürgschaft.“

Erleichterung bei den Beschäftigten

„Ich bin zufrieden, es sieht gut aus“, sagte die Pasewalker Betriebsratsvorsitzende Martina Herrenkind nach dem positiven Votum der Gläubigerversammmlung. Die Erinnerung bei ihr und den rund 2200 Mitarbeitern an die vergangenen Monate, als die Zukunft ihrer Arbeitsplätze mehr als düster erschien, sei noch immer sehr präsent. Ein Betriebsende hätte die strukturarme Region hart getroffen.

Die Bäckereikette, die zunächst in Mecklenburg-Vorpommern tätig war und später nach Süden expandierte, hatte im Januar 2019 Insolvenz angemeldet, damals noch mit etwa 2500 Mitarbeitern. Seitdem wurde rund ein Drittel der 400 Filialen sowie Standorte in Gägelow bei Wismar und Dahlewitz bei Berlin aufgegeben.

Alte Geschäftsführung bleibt im Amt

Die Vergangenheitsaufarbeitung beispielsweise über die Gründe der Insolvenz dauere an, sagte Insolvenzverwalter Torsten Martini. Die Quote für die Rückerstattung ausstehender Beträge der Gläubiger werde im einstelligen Bereich liegen. „Das ist sehr wenig. Es wäre noch weniger gewesen, wenn der Insolvenzplan nicht zustande gekommen wäre“, erklärte Martini. Die bisherige Geschäftsführung bleibe in Diensten des Unternehmens.

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten nannte die Zustimmung zum Insolvenzplan „alternativlos“ für eine Weiterführung des Unternehmens, kritisierte aber, dass der Betrieb öffentliche Gelder erhält, obwohl er den Beschäftigen keinen Tariflohn zahlt.

Pleite von „Lila Bäcker“: Chronologie der Ereignisse

4. November 2018 – Nach Massen-Entlassung: „Lila Bäcker“ zahlt Prämie für neue Mitarbeiter

20. November 2018 – Arbeitsgericht weist weitere „Lila Bäcker“-Kündigungen zurück

12. Dezember 2018 – Untreue-Vorwürfe: Durchsuchungen bei Ex-Geschäftsführung von „Lila Bäcker“

16. Januar 2019 – Bäckereikette „Lila Bäcker“ meldet Insolvenz an

18. Januar 2019 – Innung sieht kaum noch Chancen für Lila Bäcker

28. Februar 2019 – Land fordert, die Weiterbildung bei „Lila Bäcker“-Mitarbeitern zu unterstützen

28. März 2019 – Neuer Besitzer soll „Lila Bäcker“ retten

29. März 2018 – 120 Jobs weg – Schock bei „Lila Bäcker“ in Gägelow

1. April 2019 – Insolvenzverfahren eröffnet – Ergebnis bis Mitte Mai

18. April: Insolvenz: Lila Bäcker schließt mindestens 70 Filialen

02. Mai 2019: Ex-Chef Schülke soll die Wende bringen

04. Mai 2019: Drama um Lila Bäcker in MV: Jetzt schaltet sich die Politik ein

06. Mai 2019: Verkauf vertagt: Mitarbeiter berichten von Chaos bei Lila Bäcker

06. Mai 2019: Kommentar zur Lila-Bäcker-Pleite: Zeit für einen Kurswechsel

10. Mai 2019: Lila Bäcker in der Krise: Kunden bleiben weg – Umsatz bricht ein

11. Mai 2019: Keine Entscheidung auf der Gläubigerversammlung

13. Mai 2019: Gericht: Suche nach Investor für „Lila Bäcker“ darf weitergehen

31. Mai 2019: Gericht hebt Eigenverwaltung der Insolvenz auf

11. Juni 2019 Lila Bäcker bestätigt: So viele Mitarbeiter müssen gehen

15. Juni 2019: Banken zahlten zwei Euro für Lila-Bäcker-Filialen

19. Juni 2019: Banken fordern Steuergeld für Rettung von Lila Bäcker

27. Juni 2019: Insolvenzverwalter von Lila Bäcker stirbt nach E-Bike-Unfall

3. Juli 2019: Rettung von Lila Bäcker: Gründer Schülke gibt endgültig auf

30. Juli 2019: Lila Bäcker: Entscheidung über Bürgschaft in zwei Wochen

30. Juli 2019: Lila Bäcker behält mehr Filialen als geplant und sucht 100 neue Mitarbeiter

5. August 2019: Lila Bäcker: Steuergeld für Rettung wird wahrscheinlicher

Von Gerald Kleine Wördemann/Joachim Mangler (dpa)

Die Kreuzfahrtbranche steht wegen ihrer Umweltbilanz in der Kritik. Nun wird erstmals ein Kreuzfahrtschiff mit dem „Blauer Engel“ ausgezeichnet. Die Rostocker Reederei Aida Cruises freut sich, für Umweltschützer ist die nur der Anfang einer Entwicklung.

12.08.2019

In den kommenden Jahren fließen mehrere Millionen Euro in die Kitas von MV. Den Vertrag dazu wollen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sozialministerin Stefanie Drese (alle SPD) am Montag in Schwerin unterzeichnen.

12.08.2019

Die Sozialdemokraten suchen die Nähe zu den Menschen in MV: Sommertouren, Grillfeste, Freibier, Straßenstände – keine andere Partei ist derzeit so präsent im Land. Will die SPD so ihre eigene Relevanz überprüfen? Eine Beobachtung.

12.08.2019