Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Lila Bäcker: Chefs glauben an die Rettung
Nachrichten MV aktuell Lila Bäcker: Chefs glauben an die Rettung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:21 17.01.2019
Lieferfahrzeuge des Bäckereiunternehmens Lila Bäcker stehen am Produktionsstandort Pasewalk hinter einem Zaun. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Pasewalk

Die Chancen für eine Rettung der insolventen Bäckereikette Lila Bäcker sind möglicherweise besser als erwartet: „Wir sind optimistisch, dass unser Sanierungskonzept erfolgreich sein wird“, sagte eine Firmensprecherin am Mittwoch der OZ. Lila Bäcker sei „ein im Kern gesundes Unternehmen“. Die Kette werde sich künftig verstärkt in Richtung Snack- und Getränkeverkauf ausrichten. Dazu laufen nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit möglichen Investoren über eine künftige Finanzierung.

Das Schweriner Wirtschaftsministerium steht für Gespräche bereit, sagte Sprecher Gunnar Bauer. Bereits 2018 sei kurzzeitig über Landesbürgschaften gesprochen worden, die das Unternehmen aber nicht annahm. Weil die Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt wird, laufe der Betrieb weiter, betont Bauer. Branchenkenner schlossen nicht aus, dass Lila Bäcker mit der Insolvenz seinen Schuldenberg loswerden will. Die Löhne werden bis Ende Februar von der Arbeitsagentur bezahlt.

Mitarbeiter wurden spät informiert

Mitarbeiter und Gewerkschafter werfen dem Unternehmen eine desaströse Informationspolitik vor. Im Logistikzentrum Gägelow bei Wismar blieben in der Nacht zum Mittwoch alle Lieferfahrzeuge auf dem Hof. Vor hier aus werden alle Filialen zwischen Lübeck, Rügen und der Prignitz in Brandenburg beliefert. In den Regalen klafften am nächsten Morgen Lücken. Die Fahrer weigerten sich auszuliefern, weil die monatliche Lohnzahlung ausblieb und sie erst aus den Medien von Insolvenz erfahren hatten.

Die OZ ist auch bei WhatsApp

Klicken Sie hier, wenn Sie aktuelle Nachrichten der OSTSEE-ZEITUNG per WhatsApp direkt aufs Smartphone empfangen wollen.

Die Firmenleitung informierte die Belegschaft nach eigenen Angaben am Mittwoch schriftlich über den Insolvenzantrag. Verkäuferinnen berichten von Faxen aus der Pasewalker Zentrale, die ab 17.30 Uhr ankamen. Die Pressemitteilung an die Medien war bereits um 15.39 Uhr gesendet worden. „Eine hundertprozentige Sicherheit, zeitnah jeden der 2700 Mitarbeiter an den rund 400 Standorten zu erreichen, gibt es leider nicht“, sagt dazu die Lila-Bäcker-Sprecherin.

Mehr als 100 Millionen Euro Schulden

Lila Bäcker macht harten Wettbewerb und angeblich schlechtes Management des Firmengründers Volker Schülke, der vor einem Jahr aus der Firma gedrängt wurden, für die Schieflage verantwortlich. Der hinter der Kette stehende Konzern „Unser Heimatbäcker“ fuhr 2016 und 2017 zweistellige Millionenverluste ein. 2018 soll es noch schlechter gelaufen sein, sagen Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren etliche andere Bäckereiketten geschluckt und war so groß geworden. Die Schulden betragen laut Bundesanzeiger mehr als 100 Millionen Euro, ein Großteil davon bei Banken.

„Schnelles Wachstum ist immer gefährlich“, sagt Geschäftsführer Heinz Essel von der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord. Es sei eine enorme Herausforderung dafür zu sorgen, dass in Hunderten Filialen morgens frisches Brot und Brötchen liegen, an der immer wieder Betriebe scheiterten. Gibt es Probleme mit der Qualität, bleiben die Kunden weg.

Mehr lesen:

Lila Bäcker: Verkäuferinnen lächeln tapfer weiter

Insolvenz bei Lila-Bäcker: Das denken die Mitarbeiter in Brandenburg

Fahrer-Streik bei Lila Bäcker

Bäckereikette Lila Bäcker meldet Insolvenz an

Gerald Kleine Wördemann