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MV aktuell Neuer Besitzer soll „Lila Bäcker“ retten
Nachrichten MV aktuell Neuer Besitzer soll „Lila Bäcker“ retten
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06:49 28.03.2019
Größte Filialbäckerei im Osten: Fahrzeuge stehen vor dem Logistikzentrum in Gägelow (Nordwestmecklenburg). Quelle: Kerstin Schröder
Pasewalk

Für die Übernahme der insolventen Kette „Lila Bäcker“ stehen zwei Käufer bereit. Wie die OSTSEE-ZEITUNG aus gut informierten Kreisen erfuhr, soll es sich dabei um eine andere Großbäckerei und einen Finanzinvestor handeln. Die Geschäftsleitung kündigt die Schließung schlecht laufender Filialen an. Beruhigend für die verbliebenen 2500 Mitarbeiter: Der Betrieb geht weiter, die Zahlung der Löhne ist sicher. Am 1. April soll am Amtsgericht Neubrandenburg das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werden.

Marke bleibt erhalten

„Es gibt drei Optionen: Einer der beiden Interessenten übernimmt das Unternehmen oder es geht weiter nach dem Insolvenzplan“, sagte Geschäftsführer Stefan Blaschak der OZ. Die Marke „Lila Bäcker“ bleibe in jedem Fall erhalten. Zu den möglichen Käufern wollte er sich nicht äußern. Im Gespräch ist ein sogenannter Asset Deal. Dabei werden Anlagen, Läden und alle weiteren Vermögensgegenstände übernommen, aber nicht die Unternehmenshülle mitsamt Schulden. Die Filialschließungen würden mit Augenmaß erfolgen, es drohe kein Kahlschlag. „Wir wollen groß bleiben“, betonte der Lila-Bäcker-Chef. Zu seiner persönlichen Perspektive sagte Blaschak: „Ich bin gebeten worden, im Unternehmen zu bleiben.“ Er wolle seine neue Strategie weiter umsetzen, die ein größeres Imbiss-Angebot vorsieht. Erste Tests seien erfolgversprechend verlaufen. Wie das neue Angebot konkret aussehen soll, ließ Blaschak offen. Er wolle aber „weg vom klassischen Eierbrot“ und regional verschiedene Snacks anbieten. „Wir gucken genau, was unsere Kunden wollen.“

Pleite von „Lila Bäcker“: Chronologie der Ereignisse

29. März 2018 – 120 Jobs weg – Schock bei „Lila Bäcker“ in Gägelow

4. November 2018 – Nach Massen-Entlassung: „Lila Bäcker“ zahlt Prämie für neue Mitarbeiter

20. November 2018 – Arbeitsgericht weist weitere „Lila Bäcker“-Kündigungen zurück

12. Dezember 2018 – Untreue-Vorwürfe: Durchsuchungen bei Ex-Geschäftsführung von „Lila Bäcker“

16. Januar 2019 – Bäckereikette „Lila Bäcker“ meldet Insolvenz an

18. Januar 2019 – Innung sieht kaum noch Chancen für Lila Bäcker

28. Februar 2019 – Land fordert die Weiterbildung bei „Lila Bäcker“-Mitarbeitern zu unterstützen

28. März 2019 – Neuer Besitzer soll „Lila Bäcker“ retten

Alle raten: Wer wird der Käufer sein?

Unter den Mitarbeitern in MV und Brandenburg begann das große Rätseln, wer die Kaufinteressenten sind. Die Lübecker Bäckereikette Junge soll es nicht sein, sie ist mit 174 Filialen nicht einmal halb so groß wie „Lila Bäcker“ (mehr als 400 Filialen). Die nach Laden-Anzahl ähnlich aufgestellte Bäckerei Kamps aus Nordrhein-Westfalen wollte sich auf Nachfrage nicht äußern, dort war Blaschak bis 2005 als Vertriebsvorstand tätig. Kleinere Bäckereien aus MV sollen für einzelne oder mehrere Filialen geboten haben. Der Gläubigerausschuss bevorzugt jedoch offenbar den Komplettverkauf. „Lila Bäcker“ ist die größte Filialbäckerei in Ostdeutschland und gehört seit 2014 der Finanzanlagefirma Deutsche Beteiligungs AG aus Frankfurt am Main.

Kommentar zu Insolvenz von „Lila Bäcker“: Ohne Profis geht es nicht

Innung rechnet mit „Durchsanierung“

Matthias Grenzer, Landesmeister der Bäckerinnung in MV, hält die Ankündigungen der Geschäftsleitung für wenig glaubwürdig: „Wenn ein Großer das Unternehmen übernimmt, wird durchsaniert.“ Filialschließlungen im großen Stil hält er für unausweichlich. Das sage aber niemand, um die Mitarbeiter nicht weiter zu verunsichern und im Betrieb zu halten. Die Beschäftigten müssten sich jedoch keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Bäcker, Verkäuferinnen und Fahrer hätten gute Aussichten, sofort einen neuen Job zu finden. Fast alle Firmen würden Fachkräfte suchen. Einen möglichen Verkauf an eine weitere „Finanzheuschrecke“ sieht Grenzer kritisch. „Dann fließt noch mehr Geld, das hier erwirtschaftet wurde, aus der Region ab.“

Alle Beiträge zur Pleite von „Lila Bäcker“ auf unserer Sonderseite

Vorwürfe an alte Geschäftsleitung

Jörg Dahms von der Gewerkschaft NGG wirft der Geschäftsleitung, die seit etwas mehr als einem Jahr im Amt ist, schwere Versäumnisse vor. Statt das Unternehmen aus der schon damals angespannten Lage in sicheres Fahrwasser zu führen, hätten sich die wirtschaftliche Situation immer weiter verschlechtert. Er hält es für möglich, dass „Lila Bäcker“ absichtlich in die Insolvenz geführt wurde, um die Firma von Schulden zu befreien. Dahms: „Die Rechnung bekäme dann der Steuerzahler.“

Gerald Kleine Wördemann

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