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MV aktuell Nach Insolvenz: Lila Bäcker vorerst gerettet – Chef geht von Bord
Nachrichten MV aktuell Nach Insolvenz: Lila Bäcker vorerst gerettet – Chef geht von Bord
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17:34 16.09.2019
Nicht mehr insolvent: Ein Gericht hob das Verfahren für Lila Bäcker auf. Quelle: Tilo Wallrodt
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Pasewalk

Stefan Blaschak, Noch-Geschäftsführer von Lila Bäcker, verlässt das Unternehmen, zugleich endet das Insolvenzverfahren. Er wolle sich wieder ins „Privatleben zurückzuziehen“, schreibt Blaschak in einer Mitarbeiter-Information, die der OZ vorliegt. Der Manager bedankt sich bei den 2180 Beschäftigten dafür, „dass sie nie aufgegeben haben“ und „für die große Loyalität auch in schlechten Zeiten“.

Ein Unternehmenssprecher wollte die Personalie zunächst nicht kommentieren, verschickte wenig später die offizielle Bestätigung. Am Montagnachmittag stellte das Amtsgericht Neubrandenburg die formale Aufhebung des Insolvenzverfahren zu. Das Unternehmen steht damit wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen. Die Chefetage besteht jetzt nur noch aus Viola Kaluza, Mitglied der Geschäftsführung seit Oktober 2018. Sortiment, Öffnungszeiten und Warenpräsentation sollen verbessert werden, Lila Bäcker wolle sichere Arbeitsplätze bieten.

Neustart nach der Pleite

Vor einem Monat stimmten die Gläubiger dem Verzicht auf 70 Millionen Euro zu, um den Weg frei zu machen für einen Neustart. Lila Bäcker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Ende Januar war das Unternehmen nicht mehr zahlungsfähig und meldete Insolvenz an. Inzwischen laufen die Geschäfte wieder besser, die Umsätze in den verbliebenen 270 Filialen steigen. Vor der Pleite waren es 400 Verkaufsstellen in MV, Berlin und Brandenburg.

Es wehe ein neuer Wind, heißt es im Unternehmen. Mitarbeiter dürften wieder mehr mitentscheiden, Verkäufer würden etwa zu Produktverkostungen eingeladen. Zwei Gläubigerbanken, die schwedische SEB und die niederländische NIBC haben Lila Bäcker über eine Treuhandkonstruktion übernommen. Das Geld der Banken und eine Landesbürgschaft über acht Millionen Euro sollen den Neustart ermöglichen.

Künftig drei Gesellschaften

Blaschak heuerte im Januar 2018 bei der Kette an, im Auftrag der damaligen Gesellschafter, der Deutschen Beteiligungs AG. Eigentlich sollte er nur für sechs Monate bleiben, daraus wurden aber 19. In dieser Zeit habe er vieles erlebt, „was mich persönlich sehr befremdet hat, aber auch viel Gutes“, heißt es im Abschiedsschreiben des 50-Jährigen.

Die Gründe für sein Gehen sind unklar. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass nun die Banken das Sagen haben, und nicht mehr der Insolvenzverwalter. Die Gewerkschaft NGG wirft Blaschak, der keine Bäckereierfahrung mitbrachte, vor, die Krise mit verursacht zu haben.

Umzug nach Neubrandenburg

Mit dem Neuanfang wird die Gruppe neu organisiert. Für Filialen und die Produktion von Brot und Brötchen ist die Unser Heimatbäcker GmbH Pasewalk zuständig. Eine neue Gesellschaft stellt in Neubrandenburg Kuchen und Backwaren her und übernimmt das Großkundengeschäft. Eine weitere, neue Gesellschaft ist für die Logistik zuständig. Anfang 2020 soll ein neues Kassensystem eingeführt werden. Die Firmenzentrale zieht in den kommenden Monaten von Pasewalk nach Neubrandenburg.

Insolvenzverwalter Martini zieht eine positive Bilanz. Obwohl 500 Stellen wegfielen, seien nur 160 Kündigungen ausgesprochen wurden. Inzwischen suchen einige Filialen wieder neue Mitarbeiter.

Pleite von „Lila Bäcker“: Chronologie der Ereignisse

4. November 2018 – Nach Massen-Entlassung: „Lila Bäcker“ zahlt Prämie für neue Mitarbeiter

20. November 2018 – Arbeitsgericht weist weitere „Lila Bäcker“-Kündigungen zurück

12. Dezember 2018 – Untreue-Vorwürfe: Durchsuchungen bei Ex-Geschäftsführung von „Lila Bäcker“

16. Januar 2019 –Bäckereikette „Lila Bäcker“ meldet Insolvenz an

18. Januar 2019 – Innung sieht kaum noch Chancen für Lila Bäcker

28. Februar 2019 – Land fordert, die Weiterbildung bei „Lila Bäcker“-Mitarbeitern zu unterstützen

28. März 2019 – Neuer Besitzer soll „Lila Bäcker“ retten

29. März 2018 – 120 Jobs weg – Schock bei „Lila Bäcker“ in Gägelow

1. April 2019 – Insolvenzverfahren eröffnet – Ergebnis bis Mitte Mai

18. April: Insolvenz: Lila Bäcker schließt mindestens 70 Filialen

02. Mai 2019: Ex-Chef Schülke soll die Wende bringen

04. Mai 2019:Drama um Lila Bäcker in MV: Jetzt schaltet sich die Politik ein

06. Mai 2019: Verkauf vertagt: Mitarbeiter berichten von Chaos bei Lila Bäcker

06. Mai 2019: Kommentar zur Lila-Bäcker-Pleite: Zeit für einen Kurswechsel

10. Mai 2019: Lila Bäcker in der Krise: Kunden bleiben weg – Umsatz bricht ein

11. Mai 2019: Keine Entscheidung auf der Gläubigerversammlung

13. Mai 2019: Gericht: Suche nach Investor für „Lila Bäcker“ darf weitergehen

31. Mai 2019:Gericht hebt Eigenverwaltung der Insolvenz auf

11. Juni 2019 Lila Bäcker bestätigt: So viele Mitarbeiter müssen gehen

15. Juni 2019: Banken zahlten zwei Euro für Lila-Bäcker-Filialen

19. Juni 2019: Banken fordern Steuergeld für Rettung von Lila Bäcker

27. Juni 2019: Insolvenzverwalter von Lila Bäcker stirbt nach E-Bike-Unfall

3. Juli 2019: Rettung von Lila Bäcker: Gründer Schülke gibt endgültig auf

30. Juli 2019: Lila Bäcker: Entscheidung über Bürgschaft in zwei Wochen

30. Juli 2019: Lila Bäcker behält mehr Filialen als geplant und sucht 100 neue Mitarbeiter

5. August 2019: Lila Bäcker: Steuergeld für Rettung wird wahrscheinlicher

11. August 2019: Gläubiger von „Lila Bäcker“ entscheiden über Insolvenzplan

12. August 2019: Schuldenschnitt bei Lila Bäcker: Auf so viel Geld verzichten die Gläubiger

29. August 2019: Land gibt Bürgschaft: 2200 Arbeitsplätze bei „Lila Bäcker“ gerettet

Von Gerald Kleine Wördemann

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