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MV aktuell „Lila Bäcker“ zunächst bis Ende August gesichert
Nachrichten MV aktuell „Lila Bäcker“ zunächst bis Ende August gesichert
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18:40 04.06.2019
Die Rügener Angestellten der Bäckerei-Kette erfuhren im Januar aus der Zeitung von dem Insolvenzantrag. Quelle: Uwe Driest
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Pasewalk/Neubrandenburg

Gute Nachrichten von „Lila Bäcker“: Die insolvente Bäckereikette mit Hauptsitz in Pasewalk (Kreis Vorpommern-Greifswald) kann Produktion und Vertrieb weiterführen. Zunächst einmal für drei Monate – bis Ende August. Die Gläubigerausschüsse hätten dem Konzept der bisherigen Geldgeber - dem Vernehmen nach mehrere Banken - zugestimmt. Diese Entscheidung sei ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Unternehmensgruppe mit Standorten in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg, teilte Insolvenzverwalter Rolf Rattunde mit.

Seinen Angaben zufolge können der größte Teil der derzeit 330 betriebenen Filialen weiter betrieben werden. Die meisten der 2700 Arbeitsplätze blieben erhalten. Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen, sagte Rattunde nicht. Auch nicht, wie viele Filialen geschlossen werden sollen.

Mitarbeiter: 430 Stellen sollen abgebaut werden

Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, 430 Mitarbeiter müssten gehen – vor allem im südlichen Brandenburg sollen Filialen geschlossen werden. Unter der Hand wird von zunächst 252 verbleibenden Filialen gesprochen. Auch der brandenburgische Produktionsstandort Dahlewitz soll geschlossen und künftig nur noch als Logistikzentrum genutzt werden, so das Konzept der Banken. Über einen Sozialplan werde gesprochen, ob es ihn geben wird, sei unklar. Mehrere der insgesamt fünf Gesellschaften der Bäckereikette seien überschuldet. Dennoch wollten die Banken investieren. Die Produktionsstandorte Pasewalk und Neubrandenburg bleiben nach bisherigem Stand erhalten. Das Schweriner Wirtschaftsministerium bestätigt, dass die beteiligten Banken eine Kreditbürgschaft des Landes beantragt haben, machte zur Höhe aber keine Angaben. Unbestätigten Angaben zufolge soll es um sieben bis neun Millionen Euro gehen.

Insolvenzverwalter: Kunden werden weiter bedient

„Die Investoren geben uns Luft und ermöglichen eine Umstrukturierung“, erklärt der Berliner Insolvenzverwalter Rattunde. „Ich werde den Betrieb mit dem bisherigen Management fortführen. Wir können also unsere Kunden weiterhin bedienen und hoffen auf ihr Vertrauen. Ebenso vertrauen wir auf das Engagement aller Mitarbeiter. Denn nur wenn uns die Kunden und die Mitarbeiter weiter unterstützen, wird die Sanierung gelingen und die Bäckereikette eine Zukunft haben“, so der Rechtsanwalt.

Insolvenz im Januar 2019

Die Kette hatte im Januar 2019 Insolvenz angemeldet. Nach Ende der Investorensuche hatte das Amtsgericht Neubrandenburg in der vergangenen Woche auf Antrag der Geschäftsführung die Eigenverwaltung aufgehoben und den damaligen Sachwalter Rattunde zum Insolvenzverwalter ernannt.

In der Insolvenz könne der Betrieb bei einem stabilen Geschäftsverlauf fortgeführt werden, erklärt Rattunde. Die bisherige Geschäftsführung bleibe zunächst im Amt. „Allerdings wird die Investorengruppe das Management ergänzen und uns im operativen Geschäft bei Verbesserungen der Abläufe und des Angebots unterstützen“, erklärt Jan Markus Plathner, Geschäftsführer der Unser Heimatbäcker GmbH und der DB GmbH & Co KG. „Nach Entscheidung der Gläubiger können wir die Sanierung des Lila Bäcker fortsetzen“, ergänzt Geschäftsführer Stefan Blaschak.

Kette in Schwierigkeiten

Insbesondere Geschäftsführer Blaschak sei für die derzeitige Schieflage der Kette verantwortlich, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). Blaschak war Anfang 2018 angetreten und schloss kurz darauf die Produktionsstätte in Gägelow bei Wismar. Die Geschäfte in den Filialen liefen immer schlechter. In der Firmenführung herrschte zuletzt offenbar Wirrwarr. Die Schließung dutzender Filialen in Brandenburg und Berlin musste wieder rückgängig gemacht werden.

Zweiter Interessent aus dem Rennen?

Bis Anfang dieser Woche bestand die Hoffnung, dass neben der Bankengruppe mindestens eine weitere Investorengruppe Interesse an der Bäckereikette habe. Zu dieser gehörte auch Unternehmensgründer Volker Schülke von der Insel Usedom. Er hatte zunächst in Aussicht gestellt, alle Filialen übernehmen zu wollen, habe jetzt aber wohl sein Angebot zurückgezogen, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht – er war in den letzten Tagen nicht zu erreichen. Auch Insolvenzverwalter Rattunde gibt dazu keine Auskunft. Gegen Schülke wird wegen Untreue ermittelt.

Die Gewerkschaft NGG begrüßt die jetzige Lösung. „Wir hätten jedoch eine Variante favorisiert, bei der der künftige Investor die gesamte Bäckereikette erhält“, erklärt Regional-Geschäftsführer Jörg Dahms. Er verlangt Aufklärung zum Umgang mit dem Angebot von Firmengründer Schülke. „Die Regierung in Schwerin wäre gut beraten, sich bei der Entscheidung über die Kreditbürgschaft auch dessen Konzept zeigen zu lassen.“

Thomas Luczak